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Sklave mit gebeugter Stirne, ohne zu fassen, was Gott von ihm verlange. Der Tag, an welchem er das Hauptaufrichtete, und mit dem die Zeit der Reform beginnt,war derjenige, da sich die Worte: „Vergebung ausGnade und Rechtfertigung durch den Glauben" seinemHerzen offenbarten. „Ich habe ihn gefunden", rief eraus, „diesen so kurzen Satz, der doch das einzige Fun-dament der Kirche ist." Von nun an hatte er keine Zwei-fel, keinen Kummer, keine Unruhe, keine Ungewißheit überdie einzuschlagende Bahn mehr. Vor den Reichstag zuWorms beschieden, geht er ohne Furcht dahin, sein Glau-bensbekenntnis abzulegen. Alles ist vollendet. Die heiligeAngelegenheit Einer Seele ist zur Sache der Menschheitgeworden: eine gesellschaftliche Thatsache der ernstesten Be-deutung sowohl, als ein religiöses Ereignis. Die Christen-heit ist in zwei Theile auseinander gegangen. Sie hat zweiVorsteher: der eine sitzt auf seinem hohen Stuhle zu Rom ;den andern, diesen armseligen Sterblichen, trägt das deut-sche Volk im Triumph nach Worms . Der erste verkauftnoch immer der Menge die Verzeihung ihrer Sünden;Luther ermähnt die Menschen, diesen Ablaß bei der freienGnade Gottes zu suchen. Die Menge verharret in ihrembisherigen Thun ; die einfachen und wahrhaft frommenSeelen begeben sich in großer Anzahl unter den SchutzGottes.
Als die Kirchenspaltung einmal vorhanden war, sollteAlles dazu dienen, sie auszubreiten. Ebenso sollte Allesbeitragen, ihre politische Wichtigkeit zu vergrößern. Wieerhaben auch der Ursprung der Reform war, es konntenicht lange dauern, bis auch sie in den wirren Kreis welt-licher Interessen herabgezogen wurde. Allenthalben schrittsie nun, das Evangelium in der einen Hand, in der an-dern ein Panner, vorwärts. Sie wurde da besonders