47
die sie mit alter Ehrfurcht betrachteten. Sie berechneten,was die Reform ihrer Stadt an Ruhm und Einkünftenrauben würde, wenn keine Pikgrimme mehr erscheinenund die Menge der Prozesse nicht mehr vor das Gerichtder Kirche gezogen würden. Wie konnten sie sich Lausanne vorstellen ohne den Bischof, ohne feinen Hof, ohne dasGefolge von Würdeträgern und Beamten, das der Reichs-fürst und Prälat, der über einen so ausgedehnten Sprengelherrschte, nach sich zog? Einstimmig blieben sie bei demgefaßten Beschlusse").
Bern mußte auf einen andern Wirkungskreis für Fareldenken. Es war im Zahre 1529, nicht lange, nachdemZürich die katholischen Kantone durch einen barschen An-griff überrascht und ihnen jenen Frieden vorgeschriebenhatte, welcher bestimmte, daß über religiöse Dinge in dengemeinen Herrschaften das Mehr entscheiden sollte. Ohnezu prüfen, ob dieser Grundsatz auch die Rechte desGewissens achtete, hatten Bern und Freiburg , in so weites sie betraf, denselben angenommen. Bern benutzteihn sogleich. Es übergab Farel einen Brief, in wel-chem es alle seine Unterthanen und Freunde bat, densel-ben frei und ungehindert das Wort Gottes verkündigenzu lassen. Mit diesem Rundschreiben verfügte sich Farelnach Murten '°).
Auf diesem neuen Schauplatz hatte er auch neue Kämpfezu führen. Doch traf Farel bei Weitem nicht auf denWiderstand, den er zu Aigle erfahren. Nach wenigen
15) kuckst I. 34. — 1.6 ckroniqueur, pgx. 54 nnd 184. — Nisvell.kelv- et verneusis, in der Stadtbibliothek zu Bern . — Iloriusnn,^ntiquitcs 6u k->^8-ae-Vsuä. Nsopt. — Archive von Lausanne .— Zur Geschichte der kaiserlichen Stadt Lausanne . — WernerArchive, Lliss. kat. Uissio. — Farels Leben.
16) Berner Archive. — kuckst II, 191.