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Den meisten Einfluß in den Vogteien besaßen ge-wöhnlich der von den Kantonen auf Lebenszeit gewählteLandschreiber und der Dolmetscher, meist ein jungerMann, der an dieser Stelle sich für die Geschäfte bildensollte ^). Die katholischen Orte, deren Stimmen dieMehrheit ausmachten, pflegten diese Aemter mit ihrenAngehörigen zu besetzen. Damals war das eine vonWalter Roll aus Uri bekleidet, das andere von MelchiorLussi , einem jungen, hoffnungsvollen Unterwaldner, derin Engelberg und Bellinzona gute Studien gemachthatte. Da nun die fünf Orte durch diese Angestelltenvon den Fortschritten der Reform benachrichtigt worden,so gaben sie Niklaus Wirz von Obwalden , den sie alsVogt nach Locarno schickten, den Auftrag, den un-ruhigen Priester, der die Landschaft verwirre, zur Ver-nunft zu bringen^). Ein Mönch, Fra Lorenzo, wurdeherbei gerufen, daß er den wahren alten Glaubenpredige, und der Befehl erlassen, bei fünfzig Kronen Bußeihn anzuhören. Allein nach der Kirche erbot sich Beccaria,zu beweisen, daß der Mönch gegen das Evangelium ge-predigt. — „Das soll er, wenn er kann!" rief derVogt, und ließ, um der Sache ein Ende zu machen,Lugano um einige Gelehrte ersuchen. Da die beidenStädte auf einander eifersüchtig waren, so war für Lugano die Aufnahme des neuen Glaubens in Locarno ein hin-reichender Grund gewesen, für den alten in Hitze zu ge-rathen : freudig eröffnete es also den theologischen Feldzug.Am 5. August fand im Gerichtssaal die Disputation statt.Wirz nahm seinen Platz zwischen dem Landschreiber und
86) „Es war eine Anwartschaft." Das Protokoll wurde noch in latei-nischer Sprache geführt.
87) Lucern. Ennetb. Absch. 9. Juli 1348.— Baden, 4. Sept. 1549.