Wie dasReich da-mals war.
88 I. Buch. Siebentes Capitel.
Das Römische Kaiserthum fiel, wie nun das Türki-sche Reich, durch seine innern Fehler. Schon als die Repu-blik noch stand, wurde der Stolz und Geiz vornehmer undreicher Amtleute, oft von den besten Männern, parteyischgeschirmt*'). Der unterdrückte Landmann hakte schwe-ren Zutritt an den Hof des Kaisers einer Welt, undbrachte vor die Dkaatsdiener wider tyrannische und reicheStatthalter nur Thränen. Als das Gefühl des Gutenund Schönen durch die zunehmende Derderbniß gänz-lich erloschen, als der alte Reichthum den unterjochtenVölkern abgedrungen war, und kein fremder erobert wer-den mochte, schien Gelderpressung den Amtleuten"!-) dereinzige Weg zum Glück, Grausamkeit brauchbares Mitteldazu, und Menschlichkeit Schwäche. Uebrigens wurdengute Skaatsdiener ohne Schuld gestürzt, wohlverdienteFeldherren aus Argwohn ermordet, und wenn die Vor-nehmen gefallen, halten die Bürger in kleinen Städten
»2) Seilst von Scipio; I,. XXIX; selbst von MareuS
Brutus; n--',-., «ll srric., l,. V.
-rb) Die übelberichrigten c»^/„ waren das Rathscollegiunrder Städte; seit Constantin das Stadtgut einzog (und meistan die Kirche » schenkte), die Lasten aber, immer »»erschwingelicher, auf die Stadtregierunge», bis zu der gänzlichen Er-schöpfung des PrivatvermögenS der Curialen, drückten, ver-härtete diese die Noth, und machte sie in Erpressungen er-finderisch, um sich zu retten. Dadurch fiel das Sradtwesc»,ehe die Barbaren gekommen, in den äußersten Ruin. Dieseshat Friedrich Roth, der Stadt Nürnberg SondicuS , ineinem alcrömisch geschriebenen Werk äo >-0 m»nici,,uii twm»-noi-., (Sruttgard r«oi) und »ach ihm Hegewisch (überdie Römischen Finanzen, Mona i 8 ai) Mit so viel Gelehr-samkeit als gesundem Urtheil lehrreich aus einander gesetzt.Im übrigen waren schon zu Strabo'ns Zeit sehr viele alt-berühmre Städte verlasse» (kf«^«o<); welches immer geschieht,wenn der Despvre der gefallenen Welt auf alle Weise gemeinesGut und Pnvatrcichthum für seine und seiner Parteygängerunersättliche Eitelkeit und Habsucht erschöpft. Man will d«Saber nie glauben, und wagt nicht, es zu rüge»; bis es ge-schehe» und vollendet ist.