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Die Bereitung der Rothweine und deren zweckmässigste Behandlung : nach eigenen, in sämmtlichen Wein-Gegenden Europas gesammelten Beobachtungen / von J. Ph. Bronner
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Lyrol.

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troffen ist. Es sind dafür auch besondere WässerungSknrchte, die manWahlhirle nennt, angestellt. Diese Bewässerungen sind deßhalb auchgut zu bewerkstelligen, weil die ewigen Schneeberge, deren Gipfel undZacken man z. B. in Botzen in der Stadt schon siehet, unversiegbareDuellen bilden, die im Sommer um so ergiebiger sind, als die Hitzeden Schnee schmelzen kann.

Wer die Erziehung im südlichen Tyrol nicht kennt, der wird sichwundern, wenn er durch Gegenwärtiges erfährt, daß keine Rebe anirgend einem Pfahl, sondern alle als Dachlauben erzogen sind, die manFliegen nennt, genau so, wie sie in derUmgegend von Heidelberg und zwischen dem Lago Maggiore und Mailand vorkommen.Siehe Fig. 3l. a. I».

Diese Rebendächer sind gerade so hoch, daß ein Mann aufrecht dar-unter gehen kann. Sie sind etwa 12 Fuß breit, und daS Dach hateinen Neigungswinkel von etwa 40 Grad. In den Ebenen, die manBöden nennt, hat man mehrentheils Doppelfliegen, wo zweisolcher Dachlauben zusammenstoßen, und ein schönes grünes äeltbilden. In den Leiten (Bergen) sind die Dachlauben einehinter der andern, und an steilen Bergabhängen ist immer eine Terras»senmauer über der anderen, und jede Terrasse ist mit einer Fliegengedeckt, so daß in der Ferne und im Profil der Berg eine grüne großeTreppe zu sein scheint, auf welcher man bequem hinanschreiten zukönnen glaubt. Da diese Fliegen oft lange Linien bilden, so sind längsden Stöcken, die in einer Reihe sitzen, Gräben gezogen, vermittelstwelchen daö Wasser beim Bewässern unmittelbar an den Rebstockgeleitet wird.

Die Anlage solcher Fliegen geschiehet nämlich auf folgende Art.

Nachdem der Boden 3 Fuß tief umgerottet ist, werden in einerLinie alle 1 Fuß Entfernung, siehe Fig. 34., eine Blindrebe von 2 FußLänge, die man Nasel nennt, in ein senkrechtes Loch, das man miteinem dicken Eisen einstößt, eingesetzt, so zwar, daß zwei Augen überdem Boden stehen, worauf die Rebe mit Wasser angegossen und dieErde so angehäuft wird, daß die beiden Augen bedeckt werden, diedurch die Erde auStreiben. Nächstes Frühjahr wird die Erde weg-geräumt, so zwar, daß bis zum 3ten Auge die Neben abgeschnitten

Brenner, Rothweine. >7