Band 
Fünfter Theil.
Seite
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Einige Monate später brachte eine andere schweizerischeGesandtschaft zu Chambery dem Kaiser der Franzosen, dersich nach Mailand begab, um sich die eiserne Krone desKönigreichs Italien auf das Haupt zu setzen, neue Be-glückwünschungen dar. Die Eidgenossenschaft glaubte dem-jenigen, von dessen doppelter Souveränetät sie von dreiSeiten umgeben war, nicht zu viel Weihrauch streuen zukönnen. Von nun an sollte das öffentliche Leben der Schweiz :Organisation, Diplomatie, Gesetzgebung, Polizei, fastausschließlich von dem Vermittler abhängen; selbst die Er-eignisse waren nur Rückwirkungen der europäischen Ereig-nisse, deren Triebfedern der Beherrscher Frankreichs inseiner Hand hielt. Der absolute Herr des Schicksals derSchweiz wünschte, daß sie glücklich sei, aber wie eine seinerProvinzen; er wollte ihre innere Freiheit, aber den ZweckenFrankreichs untergeordnet; den Wohlstand ihres Handels,aber in den Schranken des Continentalsystems; ihren militä-rischen Ruhm, aber im Dienste der dreifarbigen Fahne; dieErhaltung ihrer diplomatischen Verhältnisse, aber in Ueber-einstimmung mit dem Cabinet der Tuilerien. Der Sterndes großen Kaisers leitete das Schiffchen, während die Tag-satzung das Steuerruder hielt.

Lebhaft fühlende Vaterlandsfreunde verzweifelten beimAnblick dieser Knechtung. Johannes von Müller rief ihnenzu: „Ueberhaupt habe ich Hoffnung zu dem aufblühenden„Geschlecht; sie sollen nur den Muth nicht verlieren, die„Zeiten sind veränderlich und die Welt ist weit. Es ist„unmöglich, daß bei so verbreiteter Cultur und Communi-„cation irgend ein Volk in Europa in die Dauer einem„andern dienstbar werde; und würden es die Berge, die

warten. Der nachher in der Schlacht von Trafalgar gefallenespanische Admiral Gravina rief in der diplomatischen Loge laut aus:«L'est un reockli.» Hans v. Reinhard, 155, 156.

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