124
wird alles, Völker, Familien, Länder, Leben, Eigenthumund menschliche Thätigkeit Werkzeug seines Eigennutzes, undseine Herrschsucht wird seinen Freunden fast eben so verderb-lich wie seinen Feinden. Zn Vergleich mit denjenigen Ge-genden, welche Napoleon durch seine Kriegszuge verheerte,durfte sich dennoch die Schweiz glücklich schätzen; sie hörtenur aus der Ferne den Donner der Schlachten; kaum ge-langte das Stöhnen der Sterbenden und die noch kläglicherenStimmen der sie überlebenden Opfer bis zu ihren Ohren.
Nach jeder Vergrößerung seiner Macht sann Napoleon auf eine neue Vergrößerung; die Gunst des Schicksals, weitentfernt seine Leidenschaften zu befriedigen, regte sie nurnoch mehr auf. Wie er seine Verbündeten im westlichenDeutschland in jenem Rheinbünde vereinigt hatte, überwelchen er das Scepter seines Protectorates ausstreckte,so bot er dem Könige von Preußen an, etwas Aehnlichesmit den Fürsten des nördlichen Deutschlands , doch mitAusschluß der Hansestädte, einzuleiten; später aber versagteer seine Zustimmung zu der Aufnahme der KurfürstenthümerSachsen und Hessen in diesen Bund. Als die Unterhand-lungen , welche Napoleon während dieser Zeit mit Englandund Rußland pflog, plötzlich abgebrochen wurden, merktePreußen, daß hinter den mit ihm selbst angeknüpften eineFalle stecke. Zn der That hatte es von der napoleonifchenDiplomatie so viel Bitteres hinzunehmen, daß der Kriegunvermeidlich wurde. Preußen waffnete; seine Truppenrückten bis Weimar und Gotha vor. Napoleon , stolz darauf,mit dem Schatten des großen Friedrich, der in seinen Zög-lingen wieder aufzuleben schien, sich messen zu dürfen, ver-einigte alle seine Kräfte und erschütterte in einer einzigenSchlacht auf den Feldern von Zena die Monarchie, dieein großer König durch halbhundertjährige Arbeit undWeisheit zu dem Range der Großmächte erhoben hatte.