Band 
Fünfter Theil.
Seite
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Napoleon blieb taub wie die Herrschsucht, gefühlloswie ein System.

Die Tagsatzung, welche die Möglichkeit oder selbst dieWahrscheinlichkeit eines Abschlages voraussah, beschäftigtesich zu gleicher Zeit mit den Mitteln zur Hebung der großenNoth im Vaterlande und machte zu diesem Ende auf die Ver-besserung derjenigen Zweige der Landwirthschaft und des Ma-nufakturwesens aufmerksam, welche Gegenstände der Consuma-tion im Innern hervorbringen. Ihre dießfälligen Verhand-lungen zeugten nicht allein von väterlicher Fürsorge, sondernauch von Gründlichkeit in national-ökonomischer Beziehung^).

Wenn der Despotismus im Großen die Augen zudrücktvor den Leiden, die er verursacht, so hat er hingegen Adler-blicke für die geringste Unehrerbietigkeit, weil jeder Mangelan Achtung für einen Angriff auf das Prinzip seines Daseinsselbst angesehen wird. In dieser Hinsicht erschien Napoleon in der kleinen Schweiz nichts als gering. Wegen unvor-sichtiger, der französischen Botschaft mißfälliger Aeußerun-gen eines eidgenössischen Offiziers in Wien forderte Frank-reich die Rückberufung desselben; und ebenso mußte auf ihrVerlangen die waadtländische Regierung den pensionirtenöstreichischen General Frossard, einen mehr mit unbedeuten-den Versen, als mit gefährlichen Entwürfen beschäftigtenSchöngeist, unter polizeiliche Aufsicht stellen Besonderserfuhr die Presse neuerdings von Seite der französischen Ge-sandtschaft und Regierung eine inquisitorische Beaufsichtigung.

Diese Regierung erstreckte ihren Einfluß bis auf die Aus-übung der Gerechtigkeitspflege. Zwei graubündische Bürger,der Landammann Schenardi zu Roveredo im Misoyerthalund sein Sohn, wurden vom Gesandten angeklagt, während

65) Abschied der ordentlichen Tagsatzung von 1812, §.30; Protokollvom 18. Juni u. 15. Juli.

66) Graf Talleyrand an den Landammann d'Affry , 7. März 180g.