302
in Betreff der Selbstftändigkeit der neuen Kantone zurSprache. Leichter, doch nicht ohne Widerspruch, verstän-digte man sich über die Verdoppelung des zu Behauptungder Neutralität nothwendigen Truppenkontingents, das bis-her nur aus 15,000 Mann bestanden hatte. Man vervierfachtedasselbe sogar durch Bildung einer an Zahl der Milizgleichkommenden Reserve, die man aber nicht auf den näm-lichen Fuß zu stellen wagte. Da die Geldbeiträge in außer-ordentlichen Fällen nicht hinreichten, so wurde, obgleichnicht ohne großen Anstand, mit Hülfe einer auf fremdeWaaren und Produkte gelegten Eingangsgebühr eine Kriegs-kasse gebildet. Die Furcht vor möglichem Mißbrauche ver-schwand vor dem Vertrauen auf die schweizerische Redlich-keit. Die Centralisirung der Münz -, Post- und Pulver-Regalien konnte Bern nicht durchsetzen.
Wenig Schwierigkeiten boten die Artikel dar, welchevon Hülfeleistung bei inneren Gefahren, von eidgenössischenSchiedsgerichten, von Bündnissen und Militärkapitulatio-nen, Handel- und Polizeiverträgen mit dem Auslande,von Verträgen und Concordaten unter den einzelnen Kan-tonen handelten. Ganz anders verhielt es sich hingegenmit Zöllen und Weggeldern, mit dem innern Verkehr undseinen tausenderlei Hemmungen, mit jenen fiskalischen Ge-wohnheiten der Kantone und Gemeinden; man brachte esnicht dazu, daß die engern Interessen dem allgemeinen In-teresse aufgeopfert wurden.
Die Rechte und Befugnisse der Tagsatzung wurden ohnegroßen Widerspruch festgesetzt; größern hingegen fand ihreOrganisation. Die kleinern Kantone vertheidigten aufsAeußerste das gleiche Stimmrecht aller Kantone, ohne wel-ches sie von den größern verschlungen zu werden fürchteten.Bern , der größte von allen, verzichtete gerne auf die zweiStimmen, die man ihm sowie Zürich einzuräumen vorge-