Band 
Fünfter Theil.
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als bloße Merkwürdigkeit, und jetzt ist der alte Thurmselbst unter den Wellen der Limmat verschwunden, umdie Schifffahrt nicht mehr zu hindern. Selbst in denjeni-gen Kantonen, wo die Gewohnheiten am hartnäckigsten sind,sind die Ueberbleibsel einer in einer hartgesitteten Zeit ent-standenen Strafjustiz allmälig verschwunden. Längst giebtes auf demselben Boden nicht mehr zwei schweizerischeVölker, ein militärisches und ein bürgerliches oder bäueri-sches °). Wenn es wie ehemals an der Spitze der Kantonevon Oestreich oder Frankreich oder von allen beiden erkaufteMagistraten gäbe, so würden sie, weit entfernt, die Früchteihrer Bestechlichkeit zur Schau zu stellen, glauben, keinDunkel zu finden, das dick genug wäre, um ihre Schandezu verbergen. Wie viele aus einer besser verstandenenFreiheit hervorgegangen nationale oder wohlthätige Ver-bindungen! Wie viele Fortschritte in der Gesetzgebung, inder Verwaltung, in der materiellen Existenz! Welch einAbstand zwischen der Gleichgültigkeit des 18. Jahrhundertsin Bezug auf das Bundesverhältniß und dem eidgenössischenBande, wie es im 19. geschlungen wurde! Das Leben derVölker ist lang: messen wir es nicht an dem Maß unsererTage, unserer Ungeduld und unserer Selbstsucht, die Früchtedes Baumes, den wir gepflanzt haben, einsammeln zuwollen. Die Niedergeschlagenheit ist eine der menschlichenNatur, den Lehren der Geschichte und der Zukunft zugefügteBeleidigung. Lernt hoffen für euch und für diejenigen, dienach euch leben werden. Allerdings kommen Zeiten desSturmes, wo der Schlamm an die Oberfläche des Seessteigt, wo sein getrübter Spiegel die Reinheit des Himmelsnicht mehr zurückstrahlt. Es kommen Zeiten des Grams,wo die am mühsamsten errungenen Güter, die Schätze der

6) Vulliemin, Band X, 234.