Buch 
Handel und Industrie des Kantons Glarus : geschichtlich dargestellt / Adolf Jenny-Trümpy
Entstehung
Seite
166
JPEG-Download
 

166

1756 nach dem damals päpstlichen Avignon verschlagen, machteer hier Anpflanzungsversuche, die günstig ausfielen; es dauertejedoch noch viele Jahre bis die Sache in rechten Fluss kam, sodass er die Früchte seiner Bemühungen nicht mehr gemessenkonnte und als armer Mann starb.D Inzwischen war es den fran-zösischen Färbern und Chemikern gelungen, an dem ungeheuerweitläufigen orientalischen Türkischrot-Färbeverfahren einige Ver-einfachungen und Vervollkommnungen anzubringen; die wichtig-sten derselben waren: 1. Die Einführung eines vierten Elementes,des Zinnoxyds, in den „Krapplack“, mittelst Beifügen von Zinn-verbindungen zur Avivage-Seife, was nach Dollfus-Ausset, Bd. IIS. 231 schon vor 1785 geschah; und 2. die Anwendung ge-schlossener Metallkessel für das Seifenkochen (sog. Avivierkessel),so dass während dieser Operation die Flüssigkeit unter einem ge-wissen Dampfdruck auf den im Färben vorgebildeten Farblackeinwirken konnte. Beide Neuerungen verliehen diesem neuen fran-zösischen Rot bedeutend mehr Feuer und Aechtheit, als bis jetztzu erreichen möglich gewesen und verschaffte ihm die Ueberlegen-heit über die alte indisch-bucharische Nüance. Die Färberei derletztem war inzwischen (nach v. Kurrer) durch Perser undBucharen nach dem asiatischen und dann, wahrscheinlich um 1780,auch nach dem europäischen Russland, besonders nach Astrachan,verpflanzt worden, während das französische Verfahren um die-selbe Zeit durch einen Borei nach Manchester übergetragen wurdeund ein anderer Franzose, PapiUon, 1785 den Grund zu der nach-mals weltberühmten Glasgower Türkischrot-Färberei legte.

Dass auch die fortgeschrittenen Schweizer Fabrikanten sichlebhaft um die Neuheit interessierten, erscheint fast selbstver-ständlich; in der That machte 2 ) der einer angesehenen zürche-rischen Färberfamilie angehörende Joh. Heinrich Zeller schon in

*) Später dehnte sich der Krappbau auf das ganze Departement deVaucluse und einige nördlich und südlich davon gelegene Landstriche ausund bildete mit der Türkischrotfärberei und der damit im Zusammenhangstehenden Olivenkultur fast 100 Jahre lang eine Quelle soliden Reichtumsfür den Süden Frankreichs.

’) Nach „Zürich’s Indienne-Manufactur und Türkischrotfärberei infrüherer Zeit“ von Adolf Bürkli-Meyer im „Zürcher Taschenbuch auf dasJahr 1881“.