des Chlors erfuhr, haben wir schon S. 119 T. I eingehend ge-würdigt. Die naheliegende Verwendung der Chlorverbindungenin den Druckereien (vor allem zum Bleichen der unbedruckten,im Färbebad beschmutzten Stellen) vollzog sich dagegen, wenig-stens auf dem Kontinent, nur langsam, da bei unvorsichtigemManipulieren die Farben öfters Schaden litten und man deshalbgegen diese Neuerung misstrauisch blieb.
7) Bis zum Anfang des XIX. Jahrhunderts benutzte man inden Druckfabriken das Weizenmehl und die Amlung nur in un-verändertem Zustande. Als jedoch zur Zeit der Kontinentalsperreder Bezug des kolonialen und levantinischen Naturgummis sehrerschwert war, gelang es (spätestens 1809/10) den FranzosenVauquelin und Bouillon Lagrange, die Amlung durch eine Röstungin eine mehr oder weniger lösliche, dem arabischen Gummi ähnelndeSubstanz überzuführen. 1 ) Nachdem sodann Kirchhoff 1811 die Um-wandlung der Stärke in Traubenzucker durch Behandlung mitverdünnten Mineralsäuren gelehrt hatte, erkannte Caventou balddarauf, dass man bei vorsichtigem Operieren auch auf diesem Wegeeinen der „gerösteten“ oder „gebrannten“ Stärke verwandten„Stärkegummi“ (Dextrin) erzeugen kann. 1823 endlich beobachteteDubrunfaut, dass auch Malz (Diastase) eine ähnliche Wirkung wieMineralsäuren ausübt. Unter Anwendung und Kombination dieserMethoden und unter Benutzung verschiedener Rohstoffe entstandenso in Frankreich und England und später auch in andern Ländernbedeutende Fabriken, welche der Industrie eine Reihe verschieden-artiger Verdickungsmittel zur Verfügung stellten. Dieselben warenumso willkommner, als später, auch bei ungehinderter Zufuhr, dieMenge des Naturgummis der stetig sich steigernden Nachfragenicht mehr hätte genügen können. Schon seit langer Zeit bildet■darum der Bedarf der Textilindustrie an Weizen-, Kartoffel- undMaismehl in reinem und präpariertem Zustande (zum Schlichtender Weberketten, Verdicken der Farben und Apprettieren derfertigen Waren) einen sehr bedeutenden wirtschaftlichen Faktor;mochte dieser industrielle Verbrauch früher hin und wieder nicht
*) Siehe Muspratt-Stohmann’s „Handbuch der techn. Chemie“ (Braun-•schweig 1866) und Kreisig’s „Zeugdruck“ (Berlin 1834).