Buch 
Handel und Industrie des Kantons Glarus : geschichtlich dargestellt / Adolf Jenny-Trümpy
Entstehung
Seite
346
JPEG-Download
 

346

Tschudi- Warth (geb. 1768 als Sohn des Job. Caspar) setzte dasGeschäft fort und baute eine Zwirnerei „in der Herren“; späterd. h. nach Verkauf des „Farbhauses“ 1 ) zog er ganz dorthin undwar im Begriff, in einem benachbarten Gebäude auch eine kleinemechanische Spinnerei einzurichten, als er schon 1806 starb.Die Familie fand für gut, nur die Zwirnerei und die damit ver-bundene Garnbleiche fortzuführen, verkaufte dagegen jeneskleine Anwesen, welches eigentlich als der erste Versuch zur Ein-führung der Maschinenspinnerei im Glarnerland (vgl. S. 236) an-zusehen ist; nachdem es noch mehrere Jahre von einem HerrnBületer und dann von einem Herrn Lüthy betrieben worden war,wurde es ausgeräumt und darauf das leere Gebäude von der FamilieTschudi zurückgekauft. Lieut. Joh. Caspar Tschudi (1790—1851,Sohn des Joachim), welcher 1819 das Geschäft „in der Herren“auf seinen alleinigen Namen übernommen hatte, entschloss sich1829/30 die bisherigen Zweige aufzugeben und zur Türkischrot-Färberei überzugehen, wofür er mehrere Gebäude errichtete undzugleich das Wasser des klaren Niedernbachs als Triebkraft undzum Waschen dienstbar machte. Zu jener Zeit befassten sich imGlarnerland 8 oder 9 Fabriken mit dem Türkischrotartikel, teilsnur mit Uni-Färberei, teils mit Aetz-Druckerei, gewöhnlich aber mitbeiden Fabrikationen und verbunden mit andern Arten von Druckerei.Auch Herr Tschudi blieb nicht bei der Färberei stehen, sondernnahm von ungefähr 1838 an folgende Druckartikel in seinem Rayonauf: Die schon oft erwähnten Mouchoirs und Indiennes Merinos-einfach (nur mit Weiss- oder Schwarzdruck, auch in Figuren-bildern) und Merinos illuminiert, dann Merinos mit Doppel-rot, Chäles türkischrot illuminiert mit Wollfransen, türkisch-rote Möbel mit Chromgelbdruck und endlich indigoblaue und ge-

*) Nach dem Tagwensprotokoll von Schwanden ging das Farbhaus-samt G-ewirb und Gut „Grund“ 1791 an Bernold & Tschudi über, ohne dassersichtlich ist, was dieselben von da an darin betrieben. Später gelangte esin den Besitz eines Fridolin Jenny (Sohn des S. 108 T. I erwähnten „Ge-sandten" Fridolin auf Sool), dessen Sohn dann unter der Firma Balth. deFr- Jenny um 1829 eine kleine Baumwolldruckerei darin einrichtete, als deren.Produkte 10/4 Fransen-Chäles genannt werden; diese Gründung ging jedochnach kurzer Zeit wieder ein. Gegenwärtig bildet das Anwesen einen Be-standteil der mechanischen Schlosserei der Herren Gehr. M. & Th. Streiff.