503
mit Wasser verdünnt) behandelte; nach einer dem Yerf. von denHerren Scheurer-Lauth & Cie. in Thann gefäiligst gemachten Mit-teilung hatte man jedoch schon vor 1850 in der Fabrik Blech,Steinbach & Mants in Mülhausen die Beobachtung gemacht, dass,wenn man die Ware nach letzterer saurer Passage unvollständigauswusch und dann durch Chlorkalk 3 / 4 ° Be. (bei 20° Celsius)durchnahm, die Farben alsdann beim nachfolgenden Drucke auf-fallend gut angenommen wurden und sich satt und voll präsen-tierten, während allerdings die Weichheit des Griffes der Wolle da-bei etwas litt. Der Anstoss zu diesen Versuchen hatte vielleichtseinen Grund darin gehabt, dass man durch den Chlorkalk der Wolleden ihr ohnehin eigenen gelblichen Ton, der durch die Zinnprä-paration noch verstärkt wurde, benehmen wollte, dabei aber, wiegesagt, nicht das gewollte, sondern ein neues überraschendes Re-sultat erzielte, dank dessen verschiedene elsässische Fabriken sichvor andern durch ganz besonders satte Farben auszeichneten. *)So war dies in den 1860er und 1870er Jahren bei dem HauseScheurer-Bott (Vorgänger der Herren Scheurer-Lauth & Cie.) in Thann bei ihren mehrfarbigen Rouleaux-Drucken auf Mousselines-laineder Fall. Inzwischen hatte es sich herausgestellt, dass speziellzur Fixation der Anilinfarben die Zinnpräparation in der Regelgar nicht mehr nötig ist und dass es genügt, die Wollstoffe vordem Druck durch wässriges Chlor d. h. durch eine mit Schwefel-säure oder Salzsäure angesäuerte Lösung von unterchlorigsauremKalk oder Natron durchzunehmen.
Wenn auch die Fabrikanten des Elsasses und das von Elsässerngeleitete Etablissement in Lörrach (S. 69) in den Kleiderstoffen inMousseline-laine und verwandten Geweben lange Zeit tonangebendblieben, so wurde ihre Manier doch bald an verschiedenen Ortenmit Erfolg nachgeahmt, und zwar vorerst durch die schon oben ge-nannten Fabriken in andern französischen Provinzen (so namentlich
’) Eine Publikation von John Graham, mitgeteilt in Dollfus-Ausset’s Materiaux ,Bd. I S. 175 u. ff., enthält die Nachricht, dass 1848 John Thom in Mayfield dasneue Verfahren, die Wolle (in einem Bad mittelst schwefligsaurem oder unter-schwefligsaurem Natron anstatt durch gasförmige schweflige Säure?) zuschwefeln erfunden habe und um die gleiche Zeit habe Mercer das Chlo-rieren und Oxydieren der Wolle vor dem Druck eingeführt. Obin der That demselben oder einem Mülhauser Chemiker dieses Verdienst zu-kommt, ist nach Obigem eine offene Frage.