540
Schüler damals vor der „medizinischen Kantonalgesellschaft“ hieltund aus welchem wir folgende Stellen anführen:
„Aus allem Bisherigen geht hervor, dass die Arbeit in unsern Fabrikeneine grosse Anzahl gesundheitlich nachtkeiliger Einflüsse auf die Arbeiterbedingt, dass ferner durch die Einwirkung der Fabrikindustrie auf die öko-nomischen und Familienverhältnisse der Arbeiter, auf ihre Moralität etc. auchwieder die sanitarischen Zustände dieser Classe unserer Bevölkerung influen-cirt werden. Es wird daher fast allgemein angenommen, dieser Einfluss (derIndustrie) auf Gesundheit und Kraft der Fabrikarbeiter sei ein durchaus un-günstiger, die Bace, nicht nur der Gesundheitszustand der Einzelnen werdedadurch verschlechtert. Das blasse Aussehen, die durchschnittlich grosseMagerkeit der Arbeiter, die grosse Zahl verkrüppelter oder zwergkafter oderauch ganz entschieden kränklich aussehender Gestalten, die sich unter ihnenfindet, die vielen elend, verkommen aussehenden, oft scrophulösen Kinder,die zuweilen um die Fabriken herumlungern, alles scheint für diese Ansichtzu sprechen. Man bedenkt freilich nicht, wie gerade die Fabriken, die Zufluchtkränklicher oder misswachsener, schwächlicher Leute sind, die, zu andererArbeit untauglich, hier noch mit Leichtigkeit sich durchbringen ; man ver-gisst, wie viele unter den 1300 fremden Fabrikarbeitern unseres Cantonsdem vorkommenden Proletariat armer, industrieloser Gemeinden benachbarterCantone angehören ; man w r eiss nicht, wie viele derselben, um der übermässiglangen Arbeitszeit, den in sanitarisch nicht controlirten Fabriken vorkom-menden schweren Uebelständen zu entgehen, bereits in elendem Zustand von-anderwärts in unsere Etablissements einwanderten.
Ich für meine Person glaube mit unbefangenem Blick die Sachen zusehen, wie sie sind. In einer Ortschaft ohne Industrie aufgevcachsen, jetztan einem Orte lebend, wo neben den Fabrikarbeitern auch ein wohlhabenderBauernstand zahlreich vertreten ist, durch meine Praxis bald in reine Fabrik-orte, bald dahin geführt, wo die Viehzucht fast die ausschliessliche Beschäf-tigung ausmacht, hatte ich von jeher Anlass genug zu Vergleichungen. Ichfand Kinder w r ie Erwachsene da am besten und gesundesten aussehend, woam meisten Wohlstand herrschte, während an den ärmsten Orten die Bevöl-kerung auch am elendesten aussah, gleichviel ob Landbau oder Fabrikindu-strie betrieben wurde. Es ist auch eine nicht zu leugnende Thatsache, dassmit der Zunahme der Zahl gut eingerichteter, geräumiger Etablissementsauch die Zahl blühend und kräftig aussehender Leute in denselben sich mehrt.Vergleiche man Sonntags die vom Fabrikstaub rein gefegten, von der frischenLuft umwehten Gesichter der Fabrikmädchen, ob sie irgendwie denBauern- oderHandwerkertöchtern nachstehen ! In einer Beziehung ist sogar das Aussehen•der Kinder seit Einführung der Industrie in den Fabrikorten entschiedenbesser geworden : es giebt dort weit mehr hübsche, intelligent aussehendeKinder, die Züge haben sich verfeinert und belebt, wohl eine Folge dergrösseren geistigen Thätigkeit, des lebendiger gewordenen Sinnes fiirFormen--schönheit bei ihren Erzeugern, zumTheil auch des lebhafteren Verkehres mit