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Handel und Industrie des Kantons Glarus : geschichtlich dargestellt / Adolf Jenny-Trümpy
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chlorüre) behandelte, entdeckte Herr Louis Durand von St.-Justsur Loire, ebenfalls Chemiker in der Fabrik „La Fuchsine“, dassoxydierende Salze, speziell Quecksilbernitrat, noch bessere Re-sultate gewähren; mit seinem Einverständnis nahm A. Gerber-Keller von Mülhausen im Eisass ein Patent darauf, brachte dasProdukt von 1860 an nach dem neuen Verfahren unter dem Namen„Azalein“ in den Handel, wurde aber bald darauf durch einenvon der Lyoner Gesellschaft angestrengten Prozess an der weiternAusbeutung in Frankreich verhindert und zugleich zu einer sehrbedeutenden Schadenersatzsumme verurteilt. Da das von 1844datierende und noch heute in Kraft stehende französische Patent-gesetz nicht wie die meisten neuern Gesetze das Verfahren,sondern das Endprodukt schützt d. h. demselben für 15 Jahreein Monopol gewährt, und da es thatsächlich Verguin war, welcherdas Fuchsin in die Praxis einführte, so musste das Urteil alslegal betrachtet werden; trotzdem rief es unter den Industrielleneine sehr grosse Aufregung hervor 1 ), weil eben das damit iden-tische Rosanilin schon vorher von Hofmann entdeckt worden warund durch dessen Publikation die fernere Patentierung des Stoffesals solchen ausgeschlossen schien. Auch erkannte man später,dass die Fassung des Gesetzes, soweit sie sich auf chemische Pro-dukte bezog, überhaupt dem Gesamtwohl nicht förderlich war,ja dass ihr im Gegenteil eine gewisse Mitschuld an dem frühzeitigeintretenden Rückgang der französischen Farbenindustrie zuge-schrieben werden muss. Da nämlich in der Folge, wie wir ge-

*) Vgl. hierüber den „Spezialkatalog zur Kollektiv-Ausstellung vonTheerfarbstoffen etc. an der Schweiz. Landesausstellung von 1883 in Zürich “,besonders aber „Dollfus-Ausset’s Matbriaux“ Bd. I S. 128, 174, 217 und 275,wo der Nachweis geleistet wird, dass auch das ursprüngliche VerfahrenHofmann’s für die Darstellung des Fuchsins im Grossen anwendbar war-Das Verfahren Durand-Keller wurde übrigens in ausser-französischen Fa-briken bald durch das billigere und noch reichere Ausbeute gebende vonHenry Medlock (England), mittelst Arsensäure, ersetzt. Das von da anfast allen altern Anilinfarbstoffen als Verunreinigung anhaftende Arsenbrachte dieselben in den Ruf grosser Giftigkeit, welchen sie fälsch-licherweise bewahrt haben, obgleich die Anwendung jenes Giftstoffs nun seit-Langem wieder aus den Farbenfabriken verbannt ist (zufolge eines neuen, 1866von dem Franzosen Coupier entdeckten, jedoch erst später in die Praxis über-gegangenen Verfahrens der Fuchsinbereitung).