Buch 
Handel und Industrie des Kantons Glarus : geschichtlich dargestellt / Adolf Jenny-Trümpy
Entstehung
Seite
585
JPEG-Download
 

585

seit undenklichen Zeiten benutzten und hochgeschätzten Krapp-wurzel, welche Arbeiten der schon genannte H. Caro in Ludwigs-hafen durch verschiedene praktische Verbesserungen ergänzte;innert ungefähr 10 Jahren reduzierte sich die alte Krappkulturauf ein Minimum, während alljährlich dafür viele Millionen dendeutschen Farbenfabriken zuströmten und die Etablissemente„Meister, Luzius & Brünning“-in Höchst a./M., „FriedrichBayer & Cie.“ in Elberfeld , die „Badische Anilin-und Soda-fabrik“ in Ludwigshafen a./Rh. und andere eine ungeahnte Aus-dehnung erlangten. Das künstliche Alizarin zerstörte gründlichdas nach den frühem Erfindungen entstandene Vorurteil, wonachaus dem Theer wohl glänzende, aber nicht so echte Farben, wiedie Natur sie erzeuge, hervorgehen könnten 1 ); auch wurde esin der Folge zum Ausgangspunkt einer Reihe neuer, nicht sehrfeuriger, aber ausserordentlich echter, für Baumwolle und Wollegleich wichtiger Farben, welche vom Ende der 1870er Jahre an durchdie Fabrik in Ludwigshafen auf den Markt kamen; es sind diesdas Alizarin-Orange, -Blau , -Grün, -Braun, -Schwarz, dasAnthracenblau u. s. w., wobei jedoch hervorzuheben ist, dassman den erstgenannten dem Chemiker Strobel in Mülhausen undden wichtigsten, das Alizarinblau, dem Franzosen Prudhomme verdankt, die genannte Fabrik sie lediglich in eine für die Praxisdienliche Form gebracht und überhaupt ihre Fabrikation im Grossenaufgenommen hat. Von ungefähr 1890 an trat auch die Fabrikin Elberfeld mit einer neuen Gruppe sehr solider, aus Alizarinhergestellter oder mit demselben verwandter Farbstoffe auf denMarkt; es sind dies die sog. Alizarin-Cyanine in blauen, vio-letten, grauen und rotbraunen Tönen.

Das zweite natürliche Färbematerial, welches vom Schauplatzverschwinden musste, war die für Wollfärberei und -Druckerei

*) Eine sehr bemerkenswerte Ausnahme hatte allerdings schon bisherdas sehr echte „Anilin sch war z“ gemacht; da dasselbe jedoch ganz wieeine „Applikationsfarbe“ aus an sich ungefärbten Rohmaterialien auf derFaser entwickelt wurde und also nicht in fertigem, wasser- oder alkohol-löslichem Zustande von den Farbenfabriken bezogen werden konnte, wurdees mit den übrigen Anilinfarben nicht auf die gleiche Linie gestellt und kamals einfaches Schwarz beim Publikum überhaupt nicht ohne Weiteres als einneuer Farbenton zur Geltung.