586
bisher unentbehrliche Cochenille, indem 1878 die schon erwähnt©Fabrik in Höchst a./M. (kurz nach dem Erscheinen grundlegenderArbeiten von Prof. 0. N. Witt, H. Caro, Griess und Boussin, letztererApotheker in Paris ) mit einer ganzen Gruppe glänzender undbilliger, gelblicher und bläulicher „Woll-Ponceaux“, welche dieCochenille in den meisten Fähen ersetzen konnten, hervortrat.Auch die Synthese, der künstliche stufenweise Aufbau des sowichtigen Indigos gelang Prof. Ad. Bayer in Berlin schon 1879^in diesem Falle erwies sich das Kunstprodukt nun allerdings langeZeit als zu teuer 1 ) und erst seitdem Prof. Carl Heuberger in Zürich 1890 ein anderes Verfahren gefunden und die Fabrik in Ludwigs-hafen und in der Folge noch andere Firmen dasselbe für die Praxisumgestaltet haben, ist zum Schrecken der ostindischen Indigo-pflanzer seit etwa zwei Jahren gegenüber dem Naturprodukt einheftiger Konkurrenzkampf entbrannt, dessen Ausgang nicht zweifel-haft sein kann. Von den wichtigem natürlichen Färbematerialienist nur die Synthese bezw. der vollkommene Ersatz der Farbstoffeder Kreuzbeeren, des Blauholzes und des Katechu noch nichtgelungen; sie haben aber durch teilweise Ersatzmittel in ihrerAnwendung auch schon sehr viel verloren.
Die S. 427 Anmerk. 1 erwähnte Broschüre gibt über die Ent-wicklung der Theerfarben-Industrie in Kürze folgendes Bild:
Produktion an Theerfarben, in Millionen Franken.
Jahr
Gesamtwert
England
1862 ....
12
1867 ....
30
1878 ....
40
1875 ....
53 1 / 2
30 1 2
9
7
7
1896 ....
125
90
8—9
8—10
16
1899 ....
150
?
?
?
18 2 j
‘) Verzögerte sich somit das Erscheinen des künstlichen Indigos, sowurden dagegen inzwischen von den Chemikern der Bad. Anilin - und Soda-fabrik in Ludwigshafen a./Rh. einige Anilinfarben erfunden, welche sich jenemin der Solidität näherten und in der Lebhaftigkeit übertrafen, so 1877 das„Methylenblau“ für helle und mittlere reinblaue Töne und etwa zehnJahre später das prächtig grün-blaue „Nilblau“ und das dunkle, violett-stichige „Acetinblau“.
2 ) Davon konsumiert das Inland nur zirka