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Baeuli.
die Durchbohrung des Ohrläppchens miteinem Pfriemen vor. Die Sitte des Ohr-zupfens kannten auch die alten Bajuva-ren (Lex Baiuvar. 15, 2; 16, 5), währendandere germanische Stämme ein mindersanftes Mittel, die Erinnerung zu wecken,den B. hatten ( Baluzius Capitularia Reg.franc. I 45; Heineccius Elementa iur. Germ.I 425; Grimm Deutsche Rechtsalterth. 545).B.e wurden gegeben bei bürgerlichen Ge-schäften, hei Aufnahme von Soldaten inden Dienst, hei Sponsalien, Trauungen u. s. w.Vgl. Nassau. Annalen IX 341; Katholik1869, I 34.
Bei einer kirchlichen Handlung hat sichder B. bis heute erhalten, bei der Firmung,und seine Bedeutung entspricht ganz demWesen dieses Sacramentes als Aufnahmeunter die milites Dei oder Christi (vgl. Cy-rill von Jerus. Catech. myst. XX; Tertidl.de Orat. c. 19; ad Martyr. c. 3; RuinartAct. mart. ed. Rat. 111, adäquat dem Aus-drucke des Apostels II Tim. 2, 3—5; I Kor.15, 54) als geistlicher Ritterschlag.
Der B. bei der Firmung ist ein Rest alt-germanischer Sitte und kommt vor dem10. Jahrh. nicht vor. Alte Ritualien, dieälter sind als das 10. Jahrh., kennen denB. bei der Firmung nicht; dagegen wirder in den Ritual- und Pontifical-Bücherndes 12. und 13. Jahrh. als schon langeüblich erwähnt. Berti de theol. discipl.XXXII, c. 10 citirt zwei Pontificalien ausder Bibliotheca angelica zu Rom aus dem12. und 13. Jahrh., welche den Ritus desB.es als einen schon lange bestehenden be-zeichnen. Auf dieselben Codices beruft sichMansi Suppl. Concil. IV 84 in seinen No-ten ad Synod. Diamperit.
Der B. als jenseits der altchristlichenZeit hätte füglich in unserer Real-Encyklo-pädie übergangen werden können, wennnicht Manche nach dem Vorgänge von As-semani Cod. liturg. III 23 den B. aus demaltchristlichen osculum pacis entstanden seinHessen . ,Alapa in origine erat osculum pa-cis, quod honestatis ratione habita ad femi-nas per levem manus contaetum in geniscoepit dari et sensim considerari ut signum,quo chrismate peruncti tenacius memoriateneant se sacramentum recepisse, vel utmeminerint, se tamquam fortes athletas pa-ratos esse ad omnia pro Christo toleranda. 4Die Entstehung und Bedeutung des B.es hatkurz und prägnant der gegen Ende des15. Jahrh. gestorbene Bischof Claus Mag-nus von Upsala in seiner Historia de gent.septentr. XIV, c. 9 ausgesprochen, münz.
BA.CULI. Unter den für die alte Kircheund deren Gottesdienst (liturgische Feier)geltenden Bestimmungen treffen wir unterandern auch diese: ,dum evangelium legi-
tur, baeuli de manibus deponuntur. 4 DieseVorschrift findet sich ausser dem Ord. Rom.noch öfter, z. B. bei Ilonor. Augustod. Gern,anim. I 24; Amalar. de off. eccl. III 18;Marlene de antiq. eccl. rit. I, c. 4, art. 5citirt. Darüber, was die Stöcke (B.) inden Händen der dem Gottesdienste beiwoh-nenden Gläubigen zu bedeuten haben, wur-den verschiedene Ansichten laut. Sinnreich,aber nicht historisch begründet sind die my-stischen Erklärungen, welche diesen Stöckengeradezu eine gewisse allgemeine liturgischeBedeutung beilegen. Einige dieser Inter-pretatoren glaubten, die alten Christen hät-ten diese B. zur liturgischen Feier mitge-bracht , weil deren kreuzweise geformterHandgriff an das Kreuz des Erlösers er-innere; Andere meinten, dass die Gläubi-gen mit Stöcken in der Hand bei der Feierdes unblutigen Opfers des Lammes Gotteserschienen, um in veredelter Weise denRitus einzuhalien, der den aus Aegypten ziehenden Israeliten für den Genuss ihresOsterlammes vorgeschrieben war: ,tenentesbaculos in manibus . . . comedetis festinan-ter: est enim Phase (id est transitus) Do-mini 4 (Exod. 12, 11). Das Richtigescheintuns zu sein, den Gebrauch der B. auf einenrein physischen Grund zurückzuführen. Be-kanntlich nahm die Liturgie der altchrist-lichen Kirche eine lange Zeit in Anspruch;da nun zu jener Zeit die stehende Stellungbeim Gebete nicht ungewöhnlich, an Sonn-tagen und während der fünfzig Tage zwi-schen Ostern und Pfingsten zur Erinnerungan die Auferstehung Jesu geradezu gebo-ten war, so wurde den Personen, welchendas lange Stehen beschwerlich fallen musste,namentlich kränklichen und altersschwachenPersonen, gestattet, sich auf B. zu stützen.In dem Evangelium aber erkannte man ,denHeiland selbst in seiner geistigen Hinter-lassenschaft 4 und sollte darum der evange-lischen Lesung die grösste Ehrerbietung er-wiesen werden. Das Evangelium wurde da-her durchweg stehend angehört, um dadurchden schnellen, bereitwilligen Gehorsam, derLehre des Evangeliums zu folgen, anzu-deuten. Zeugniss dieser Ehrfurcht und die-ses Gehorsams sollte auch die Verleugnungder Bequemlichkeit in der Benützung derB. sein. Die Sitte, die Stöcke während desEvangeliums bei Seite zu legen, findet sichnoch im 8., ja im 12. Jahrh.; denn Amala-rius schreibt: ,usque ad istud officium baculissustentabamur; modo ut oportet servos anteDominum stare, humiliter stamus, deponen-tes baculos e manibus. 4 So auch llildeberlus:,inde sinistrorsum Domini sacra verba le-guntur, plebs baculos ponit, stat rotegitquecaput. 4 S. Binterim Denkw. IV 3, S. 338.(Ueber baculus episcopi s. d. A. Bischofs-stab.) krüUj.