Basilika.
111
zahl der Kunstforscher verhielt sich denZcstermann’schen Ausführungen gegenübermehr oder weniger ablehnend: so Ktujler(in der Aufl. s. KG. von 1856), A. Rosen-garten (Archit. Stilarten, Braunschw. 1857),IG. Lübke (Gesch. d. Archit., 2. A. 1858),James Fergusson (111. Ilandbook of Archit.,Lond. 1859), Lützoiv (Meistern, d. Kirchen-bauk., Lpz. 1862), E. Förster (Vorsch. d.Kunstgesch., 1862), während Springer (Hdb.d. Kunstgesch., Stuttg. 1856, 120) ein nonliquet sprach, nachdem er in s. Baukunstdes ehr. MA., Bonn 1854, 33, ziemlich ent-schieden gegen Zestermann Partei ergriffen.Kreuser, der sich in s. Christi. Kirchenbau,Bonn 1851, ganz auf Zestermanns Seite ge-stellt, ging gar auf den jüdischen Tempelund auf ägyptische Bauten als Vorbild un-serer Basiliken zurück, indem er sich aufeine von Haneberg nachgewiosene Stelle desTalmud bezog, in welcher die grosse Juden-synagoge zu Diospolis B. heisst (Ein Wortüber den Ursprung der B., in den Mittli.der k. k. Centralcommission 1859, April,und Christ. Kirchenbau, 2. A. 1860; ähn-lich ,Wiederum christl. Kirchenbau 1 , 1868).Nachdem namentlich ZJrlichs a. a. O. undBrunn (Kunstbl. 1848, 19 f.) eine Reiheder Zestermann'sehen Aufstellungen im Ein-zelnen widerlegt, unternahm es Jos. Ant.Messmer (Ueber den Ursprung, die Ent-wicklung und Bedeutung der B. in derchristl. Baukunst, Lpz. 1854), den Zusam-menhang der altchristlichen mit der foren-sen B. wieder herzustellen.
Ein drittes Stadium unserer Controvorsewird durch eine zweite Schrift Messmersund die fast gleichzeitige von Willi. Wein-gärtner (Ursprung und Entwicklung deschristl. Kirchengebäudes, Lpz. 1858) be-zeichnet. Indem Letzterer die Entwicklungder Gemeinde von ihren frühesten Anfän-gen verfolgte, gelangte er dazu, in demInnern des Hauses den Schooss dieser Ent-faltung zu sehen und hier vorzugsweise denKaum zu suchen, in welchem in der Zeitvor Constantin die gottesdienstlichen Ver-sammlungen gehalten wurden. Als diesenKaum sah dann Weingärtner den Saal desrömischen Palastes, speziell den sog. ägyp-tischen Saal an, welchen Vitruvius VI, 3, 9den ,Basiliken ähnlich 1 nannte. Für dieweitere Entwicklung der christlichen Kircheaus diesem ,ägyptischen 1 Saale nimmt erdann Einflüsse des jüdischen und heidni-schen Tempels an und findet einmal in derBreitheilung des erstem, dann in den For-men des griechischen llypäthraltempels un-sere B. vollkommen vorgebildet. Messmer,welcher um dieselbe Zeit die nämliche Un-tersuchung anstellte, kam, unabhängig vonjenem, ebenfalls zu dem Ergebniss, dassor Ursprung unserer christlichen Kirche
in der römischen Domus zu suchen sei, ergriff aber glücklicher denn Weingärtner,indem er, worauf ja auch schon der Namehinwies, die Privat-B., den von Vitruv VI,
5, 2 gleichfalls erwähnten Haupt- undPrachtsaal der Paläste römischer Grossenin der Kaiserzeit als das Vorbild der B.hinstellte (Ueber den Urspr. d. christl. B.,in v. Quast und Otte’s Zeitschr. f. christl.Archäologie 1859, II 212 ff.).
Den von Messmer eingeschlagenen Wegals den richtigen erkennend, suchte Reber(Ueber die Urform der römischen B., inden Mitth. der k. k. Centralcommission 1869,H 35) das Verliiiltniss der römischen Pri-vat-B. mit der forensen näher festzustellen.In seiner Abhandlung, die neben der zwei-ten Mossmer’schen das Gediegenste ist, wasin neuerer Zeit über Basiliken geschriebenwurde, gelangte er zu dem Resultat, dassdie Privat-B. der Kaiserzeit die Urform derrömischen B., nämlich diejenige, wie siedie Basilica Porcia darstellte (Oblongum mitSäulenstellungen ringsum im Innern, dop-peltgeschossigen Abseiten, apsidaler Aus-beugung, Vorhalle nach dem Forum zu),im Ganzen getreu bewahrt, während dieBasilica forensis sich weit von derselben ent-fernt habe; dass demnach die christliche B.,indem sie nicht an die forense B. der Kai-serzeit, sondern an die Privat-B. anknüpft,der Urform der römischen B. viel nähersteht, als die Basilica forensis der Kaiserzeit.
! Diesen Standpunkt reproducirt denn auchStockbauer (I). christl. Kirchenbau in denersten sechs Jahrh., Regensb. 1874), wäh-rend J. Paul Richter (Christi. Architekturund Plastik, Jena 1872) immer noch meinte,
,trotz gründlichster Untersuchung sei es bisjetzt noch nicht gelungen, schlagend zuwiderlegen, dass die christliche B. aus derheidnischen Gerichtshalle hervorgegangensei 1 (S. 5), eine Ansicht, die sich denn 1877. bei C. Brockhaus (Art. Baukunst; in Keal-I Encykl. f. protest. Theologie und Kirche,2. A. II 135 ff.) wiederholt, während Jos.Burkhardt (de origine Basilicarum Christ.Comment., llal. Sax. 1875) im Wesentlichenj auf den Zestermann’schen Standpunkt zu-rückkehrt. Das Dictionary of Christ. Antiq.
] übergeht die ganze Frage mit Stillschweigen.
! Bei der in Deutschland geführten Con-| troverso über die Entstehung der B. warvon den Denkmälern der Katakomben voll-I ständig abgesehen worden. Auf sie als aufI eine weitere Quelle für die Erweiterung uii-I serer Konntniss dieses Gegenstandes haben1 denn Martigng (Dict. des Antiq., 1. Aufl.
| S. 77 ff.; 2. A. S. 88 f.) und F. X. Kraus\ (D. christl. Kunst in ihren frühesten An-fängen, Lpz. 1872, 151 f.) hingewiesen. Es1 wurde geltend gemacht, dass die in den! Basiliken auftretende, aus dem Bediirfniss