154
Biblische Darstellungen.
stin a. a. 0.; eine ältere in Africa, zu Cirta,fand in der diocletianischen Verfolgung ihrenUntergang (Labbe Conc. I 1444). Rom hatteschon zu Zeiten des P. Hilarius mehrere B.(Anast. Vit. Hilar.), am Lateran allein zwei;zu Gregors d. Gr. Zeit war die Menge deraufgehäuften Bücher schon sehr gross (Praef.in 1. XI Horriil.; vgl. A. Mai Mem. istor.degli archivi della s. Sede, Rom . 1825, u. A.).Den Hauptbestand dieser kirchlichen B. bil-deten nothwendig die hl. Schriften, sei esim Originale, sei es in den Uebersetzungen,die kirchlichen Constitutionen und Decrete,Concilsacten, Briefe und Homilien der Bi-schöfe, dann die Matriculae, die Acta Mar-tyrum, die Lectionarien, Diptychen. Dane-ben wird man die Werke der Kirchenväterin möglichster Vollständigkeit besessen ha-ben: aber auch die profane classische Li-teratur fehlte in diesen kirchlichen Samm-lungen nicht; wir wissen aus Augustin, dassdie Bibliothek zu Hippo auch solche um-fasste, wie dies auch bei den Kloster- undKirohen-B. des MA.s der Fall war.
Die kirchlichen B. wurden in einem an dieBasilika anstossenden oder vielmehr zu ihrgehörigen Raum aufbewahrt, dem scrinium,tabularium, tablinum, archivum, librarium,bibliotheca, grammatophylacium, armarium,später auch chartarium, chartophylacium,chartilogium u. s. f. (vgl. Cancellieri de Se-cret. Bas. Vat. I 325). Dieser Raum scheintdem sacrarium maius annex gewesen zusein, wie dies aus der Beschreibung derBibliothek an der Sophienkirche zu CP.(Ducange CP.; vgl. Cancellieri a. a. 0. 326,A.) hervorgeht und auch am Vatican undLateran der Fall war. Ein Schlafzimmerfür den Custoden war damit verbunden.Aus diesem Bibliothekraume brachte mandes Morgens nach dem Gottesdienste dieBücher in die Zellen oder Cubicula zurLinken des sacrarium bematis, wo die Geist-lichen dem Studium oblagen. Man las da-her in der Basilika zu Kola nachstehendeVerse des hl. Paulin links von der Apsis:si quem sancta teilet meditandi in lege vo-luntas |j hic poterit residens sacris internierelibris (Ep. XXXII 16).
In der vorconstantinischen Zeit scheinendie kirchlich-liturgischen Bücher und hhl.Schriften entweder in dem Hause des Bi-schofs oder auf und neben seiner Cathedraaufbewahrt worden zu sein. Belehrend sindin dieser Hinsicht die Gesta purgationis Fe-licis ep. im Anhang zu Optatus ed. Dupin,Antw. 1702, 162 fl'., wo es u. A. 164 heisst:,tunc mittunt in domum episcopi Felicis nttollerent inde scripturas, ut exuri possentsecundum sacrum praeceptum 4 ; und dann165: ,tolle clavem et quos invenies in ca-thedra libros et super lapide Codices, tolleillos 4 . . . und: ,tollat aliquis de vobis in
areis, ubi orationes facitis, et illic ponan-tur 4 . Vgl. über die B. der altchristlichenZeit überhaupt noch: Lomeier de B., Ultraj.1680; Cancellieri a. a. 0.; Petit Radel Re-cherches sur les Bibliotheques anciennes,26 ff.; Ringham IH 270; Beheim Dissert.de archiviis s. tabulariis vett. Christ.; Au-gusti Hdb. I 391; Cahier Nouveaux Me-ianges d’Archeol. (IV), Par. 1877, 47 ff.;A. Mai Discorsi di argom. relig., Rom .1835, 56 ff. kraus.
BIBLISCHE DARSTELLUNGEN. I. Wenndie heidnische Kunst in ihrer Götterlehreund Mythologie eine unerschöpfliche Fund-grube neuer fdeen besass, so eröft'nete dasChristenthnm in den hhl. Schriften undin den Geheimnisslehren der Kirche denKünstlern eine nicht minder reiche Quelle,und sie haben aus diesem unversiegbarenBorn geschöpft bis auf unsere Tage. Aller-dings ist die Art und Weise, wie die altechristliche Kunst die biblischen Stoffe be-handelte, himmelweit verschieden von derder späteren und der neueren Künstler;allein so einfach dort die Compositionensind, so genügsam die alten Meister sichmit den bescheidensten Mitteln der Technikzeigen, es liegt in ihren schlichten Schö-pfungen doch ein ganz eigenthümlicher Reiz.Indem wir unter dem uns fremden Gewändeeine uns bekannte und längst vertraute bi-blische Scene wiedererkennen, fesselt unsnicht nur die Form der Darstellung, son-dern mehr noch die Idee, welche hinterdem durchsichtigen Schleier des Bildes durch-schimmert. Dieser Reiz wird durch den Um-stand gesteigert, dass wir Bildwerke derUrkirche vor uns haben, Malereien undSculpturen, aus denen die Schüler der Apo-stel, die Söhne der Märtyrer zu uns reden,die uns immer neue Blicke in das Lebenund Denken der ersten Christen thun las-sen und, wie sie selber durch die Schriftender apostolischen Väter und deren Nach-folger ihr rechtes Verständniss gewinnen,so ihrerseits hinwiederum jene erläuterh.Denn es ist eine jetzt nicht mehr bestreit-bare Thatsache, dass wir biblische Scenenbereits in den Katakomben des ersten Jahr-hunderts finden, ja nicht selten ist derCharakter und Typus gerade dieser ältestenDarstellungen für die späteren Künstler aufJahrhunderte massgebend geblieben.
Was die Auswahl der Stoffe betrifft, sorichtete sich dieselbe theils nach dem Ge-genstände selbst, indem man mit Vorliebesolche Scenen missachte, die sich durch irgendeinen charakteristischen Zug sofort kenntlichmachen Hessen , theils richtete sie sich nachdem besondern Zwecke, nach der Bestim-mung des Ortes oder Raumes, den derKünstler auszustatten hatte. Da nun der bei