Band 
Erster Band. A - H.
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Biblische Darstellungen.

zu Kana darauf, den Heiland und nebenihm einige Mischkrüge darzustellen. Hier-aus begreift sich die Schwierigkeit in derErklärung mancher Bilder, die verschiedenenDeutungen der einen, die völlige Räthsel-haftigkeit der andern. Diese Schwierigkeitwächst durch den Umstand, dass der Künst-ler, weil sein Werk wesentlich typisch undsymbolisch sein sollte, sich nicht gar zustreng an den biblischen Bericht hält. DieErscheinung des Herrn vor Moses am Ho-reb z. B. ist, statt im brennenden Dorn-busch, durch eine aus Wolken vorgestreckteHand abgebildet; die Arche Noe’s hat nichtdie Form eines Fahrzeuges, sondern einesSarges, und nur die Haltung des Moses,der seine Schuhe auszieht, und die Taube,die den Oelzweig bringt, geben uns Gewiss-heit über die Bedeutung und den Sinn desBildes. Mit jenem typisch-symbolischen Cha-rakter der altchristlichen Kunstschöpfungenhängt endlich auch die Eigenthümlichkeitzusammen, dass wir auf Wandgemälden,besonders aber auf Sarkophagen eine Reiheverschiedener alt- und neutestamentlicherScenen unvermittelt neben einander grup-pirt sehen, scheinbar und auf den erstenBlick in ganz zufälliger oder nur durchden Raum gebotener Auswahl, bis durchPrüfung und Vergleichung sich die einheit-liche Tdee ersehliesst, welche der buntenZusammenstellung zu Grunde liegt. (Vgl.d. Art. Sarkophag.)

Dass für eine ganze Reihe biblischerDarstellungen die Künstler heidnische Mo-tive verwendet haben, ist ebenso unbestreit-bar als erklärlich (vgl. Kraus R. S. 192 ff'.,2. Auff. S. 227). So erinnert eine An-zahl von guten Hirten auf den ersten Blickan den Orpheus zwischen den durch seineMusik gezähmten wilden Thioron; die llim-melfährt des Elias geschieht auf einem vier-spännigen AVagen, durchaus in der Weise,wie die Wettfährer im Circus, oder wieder aufgehende Morgen dargestellt zu wer-den pflegten. Der Untergang Pharao’s imrotlien Meere ist wiederum ganz als eineScene aufgefässt, wie man sie bei dem über-stürzenden Wettjagen um die Meta herumzu sehen gewohnt war. Das eucharistiseheMahl ist als solches meist nur durch die aufder Tafel liegende Speise von den Bildernheidnischer Mahlzeiten zu unterscheiden.

Manche biblische Bilder haben von An-fang an einen festen Typus, der höchstensdurch Hinzufügung einer weitern Person,durch eine Besonderheit in der körperlichenHaltung u. dgl. eine leichte Aenderung er-leidet. Zu diesen Bildern rechnen wir un-ter andern das Schlagen des Wassers ausdem Felsen durch Moses, Daniel in derLöwengrube, die Jünglinge im Feuerofen,die Anbetung der Magier. So erscheint Da-

niel in der Regel nackt und in der Haltungder Oranten, während je ein Löwe rechtsund links sich neben ihm aufrichtet. Indieser Weise ist er auf dem ältesten Bildeim Coemeterium der Domitilla dargestellt,und das nach Jahrhunderten in der jetzi-gen Unterkirche von S. Clemente gemalteBild zeigt durchaus noch denselben Typus.Andere b. D. haben eine gewisse grössereoder geringere Entwickelung durchgemacht,so zwar, dass die älteren Typen später nichtmehr Vorkommen. Das gilt u. A. vom OpferIsaaks, das in der ältesten Darstellung inS. Callisto so wesentlich verschieden ist vonallen späteren Darstellungen; das gilt vonder Auferweckung des Lazarus, der auf denfrühesten Bildern als bereits von den Todtenerstanden erscheint, während die Folge ihnnoch im Grabe abbildet in dem Augenblicke,wo der Herr ihn auferweckt.

Vergleichen wir die biblischen Darstellun-gen der römischen Katakomben mit denen inNeapel, in Gallien, in Aegypten , so über-rascht uns in allen eine gemeinsame Gleich-heit der Grundidee und selbst theilweise derAccidentien; die Einheit der Kirche niani-festirte sich nicht nur in der Lehre, auchdie Kunst hat an derselben Theil genommen.Wie durchaus einander ähnlich sind z. B. diewunderbare Brodvermehrung in S. Callisto(de Rosst R. S. [[, Tav. d’aggiunta, B) undauf Sarkophagen des Lateran-Museum, undder gleiche Gegenstand in einem ägypti-schen Coemeterium (de Rossi Bull. 1865,60)! Daneben aber tritt uns doch in deneinzelnen Kirchen wiederum eine gewisseEigenart und Selbständigkeit entgegen, undso treffen wir z. B. auf Sarkophagen inGallien biblische Bilder, die auf römischenSarkophagen viel seltener oder gar nichtVorkommen.

Endlich sei noch auf einige Besonder-heiten aufmerksam gemacht. In den ziem-lich zahlreichen Darstellungen der Epipha-nie erscheint Maria regelmässig auf einem'Throne sitzend, das Kind vor sich auf demSehoosse haltend, die Gaben aber sind nichtGold, Weihrauch und Myrrhen, sondernKränze und, wie es scheint, Spielzeug fürKinder. Weiterhin ist die Besonderheit auf-fallend, dass der Herr seine Wunder mit-telst eines Stahes wirkt, mit welchem erdie zu vermehrenden Brode, den aufzu-weckenden Lazarus u. s. w. berührt. Diealttestamentlichen Erscheinungen Gottes wer-den nicht in menschlicher Gestalt, sonderndurch die Hand aus der Wolke abgebildet.Eine eigenthiimliehe Allegorisirung, die zu-mal seit dem 4. Jahrh. Aufnahme fand,stellt die Heiligen und den Heiland selbstals Lämmer dar und lässt durch diese dieHandlungen jener ausführen. So sehen wirSusanna als Lamm zwischen Wolf und Fuchs