Band 
Erster Band. A - H.
Seite
157
JPEG-Download
 

Biblische Darstellungen.

157

im Coemeterium des Praetextatus; auf demSarkophag des Bassus erscheinen bei derTaufe Christi Johannes und der Heiland alsLämmer u. s. w.; eine ähnliche Thiersym-bolik stellte die Apostel als Tauben dar.Auf andere, weniger generelle Besonder-heiten wird hei den einzelnen Gegenständenhinzuweisen sein.

Die altchristliche Kunst hat die biblischenScenen, mit welchen sie die hl. Stätten ihresCultus schmückte, nicht um ihrer seihstwillen ausgeführt, nicht also, um dieses oderjenes Ereigniss der hl. Geschichte als sol-ches zur Anschauung zu bringen, vielmehrwaren dieselben immer nur die Hülle,unter der sich für den Eingeweihten einetiefere Idee verbarg, nur Symbole undTypen der Geheimlehren des Chri-stenthums, den Heiden unverständlich,den Katechumenen eine Art biblia paupe-rum, den Gläubigen aber wie ein Buch, das.zu immer wiederholtem Lesen reizt, undin welchem man immer neue Schönheitenund tiefere Gedanken entdeckt.

Dieser wesentlich symbolisch-dogmatischeCharakter, in welchem die biblischen Stoffebehandelt wurden, beruht theils auf demZwecke, dem die altchristliche Kunst zu-nächst diente, nämlich die Ruhestätte derTodten auszuschmücken, theils auf der Ar-candisciplin, welche die Geheimnisse desGlaubens mit dem Schleier des Symbols be-deckte. Was der Verstorbene im Lebengeglaubt ‘hatte, was seine Stärkung gewesenwar in den Stürmen der Verfolgung, waser und was für ihn die Zurückgebliebenenim Tode hofften, das suchten die Künstlerdurch biblische Bilder anzudeuten. Die heid-nische Kunst hatte der Gegenwart und demheitern Genüsse des Lehens gedient, hattedarum jegliches Gewand hinweggeworfenvon der idealen Fülle nackter Formschön-heit; die christliche Kunst griff züchtig denlallengelassenen Schleier wieder auf undumhüllte ihre Gestalten mit dem dichtenGewände geheimnissvoller Symbolik; sostellte sie sich an die Pforten des GrabesUnd schmückte den dunklen Gang in dasJenseits durch Gebilde unsterblicher Hoff-nung.

Aus dem Gesagten erklärt sich zunächst,Warum die alten Künstler sich keineswegsstreng an die biblischen Berichte binden,sondern nur das Wesen des Ereignisses ins^vnge fassen und dieses in freier Beliand-lung zur Anschauung bringen. Das trittVielleicht am klarsten hervor in dem Bilde6 n aus der Flut erretteten Noe. Da das-selbe Sinnbild der Auferstehung war, so er-scheint Noe regelmässig statt in der Arche*n einem Sarge, und bald als männliche, bald

s weibliche Figur, über ihm die Taube,10 ihm den Oclzweig, das Symbol des ewi-

gen Friedens, bringt. Die gleiche Freiheitder Behandlung begegnet uns aber überall.Die Gaben, welche die Magier dem Christ-kindlein bringen, sind, wie bemerkt, Kränze,Tauben, Brod und selbst Spielzeug; statt derErscheinung Jehovahs im brennenden Dorn-busch erblicken wir auf einem Wandgemäldein S. Callisto eine aus den Wolken hervor-gestreckte Hand u. s. w. Bei dem erstenBilde war das Kommen der heidnischenMagier zum göttlichen Kinde als Sinnbildder Bekehrung der heidnisch-römischen Weltzum Christenthum das, was dem Künstlerdie Hauptsache war; da blieben also dieGaben Nebensache; im zweiten Falle wählteder Künstler, unbekümmert um den bibli-schen Bericht, die zu seiner Zeit üblicheArt, die Erscheinung Gottes und sein Redenzu den Menschen darzustcllen, weil er ebendies ausdrücken wollte.

Aus dem symbolischen Charakter der Bil-der erklärt sich weiterhin, wie nicht seltenverschiedene Ereignisse gleichsam verschmol-zen werden, z. B. wenn den drei Jünglin-gen im Feuerofen die Taube Noe’s den Oel-zweig bringt, wie wir es auf einem Gemäldeim Coemeterium der Priscilla sehen (Gar-rucci Storia, Tav. 77), oder wenn dieselbeTaube über dem vom Seeungeheuer ansLand geworfenen Jonas erscheint, wie. dasauf einem graffirten Grabsteine im Lateran-Museum der Fall ist. Die beiden verwandtenWunder auf der Hochzeit zu Kana und dasder Brodvermehrung flössen in der künst-lerischen Darstellung so in einander, dassdas letztere Wunder auf den Wandgemäl-den und Bildern der Glasschalen regelmässigan den sieben übriggebliebenen Körben,welche gleich den Krügen von Kana vordem 1 lerrn aufgestellt sind, gewirkt er-scheint, während hinwiederum das Wanderbei der Hochzeit gewöhnlich statt an sechsan sieben Krügen vollzogen wird. BeideWunder waren Vorbilder der Eucharistie,und ihre Verschmelzung gab der Idee nureinen desto bestimmtem Ausdruck.

Der oben angeführte Zweck erklärt end-lich drittens die ungemein schlichte Ein-fachheit der Composition, die sich einzigdamit zufrieden giebt, das Factum als sol-ches hinlänglich kenntlich gemacht zu ha-ben. Ein Mann, der seine Schuhe auszieht,während er, in Aufmerksamkeit lauschend,den Kopf emporrichtet, genügt, die Erschei-nung des Herrn vor Moses am Horeb an-zndeuten; das Wunder der Brodvermehrungwird durch die übriggebliebenen Körbe vollBrod dargestellt; bei der Auferweckung desLazarus erscheinen weder die Schwestern,noch die sie begleitenden Juden, ebenso-wenig wie die Gäste bei dem Wunder zuKana.

II. Bestimmt, die Ruhestätten der Verstor-