Band 
Erster Band. A - H.
Seite
158
JPEG-Download
 

158

Biblische Darstellungen.

benen, die Wände und Decken der Grab-kammern und Arcosolien zu schmücken,wurden aus den biblischen Erzählungen zu-nächst solche Scenen ausgewählt, welchedem Glauben Ausdruck geben, der denChristen in und durch das Grab geleitet.Daher ist eine der ältesten wie der belieb-testen Darstellungen Noe, dem die Taubeden Oelzweig des Friedens bringt, und Jo-nas, der vom Seethier, d. h. vom Tode ver-schlungen und wieder an das Ufer gewor-fen wird, wo er im Frieden unter der Kür-bisstaude schlummert; aus dem N. Test,aber der gute Hirt, der sein Schäflein ausder Wüste dieses Lebens zu der himmlischenHeerde und zu den seligen Weiden des Pa-radieses emporträgt; Lazarus, den der Herrvon den Todten erweckt, und das himm-lische Gastmahl, zu welchem der ewigeKönig seine Gäste einladet. Dazu kommenseit nicht minder früher Zeit Darstellungen,die mehr durch den Geist der Bedrängnissin den Verfolgungen an die Hand gegebenwaren: Daniel, der wunderbar aus demRachen der Löwen befreit wurde, und dieaus dem Feuero'fen erretteten Jünglinge.

Die Quelle aber, wie alles Heiles, so auchaller Hoffnung war Christus und seineKirche. Das freudige Gefühl, aus der Nachtdes [rrthums zur Erkenntniss der Wahrheit,von den Götzen zu dem einen, wahren,Mensch gewordenen Gott und in die Mutter-arme der Kirche geführt worden zu sein,musste in der jungen, aus dem Heidenthumberufenen Kirche ganz besonders tief undlebendig sein. So dürfen wir erwarten,auch Darstellungen der frühesten Zeit zufinden, welche diesen Empfindungen Aus-druck gaben. Als solche Bilder begegnenuns die Anbetung der Magier, dieser Erst-linge aus dem Heidenthum, und in unver-kennbarer Verwandtschaft damit jene be-kannte, dem Ende des 1. Jahrh. zugehö-rende Darstellung im Coemeterium Pris-cillae, wo vor der Mutter Gottes mit demKindlein auf dem Schoosse der ProphetIsaias steht und mit der Hand auf denStern über dem Haupte des Kindes hin-weist. Ferner die Samariterin am Jakobs-brunnen (vgl. Job. 4, 21—23); Moses , derdas Wasser aus dem Felsen schlägt, alsSinnbild der Gnaden, die aus dem FelsenChristus sich in die Wüste des Heidenthumsdurch die Predigt der Apostel ergossen; derFischfang, anschliessend an die Verheissung:,von nun an werdet ihr Menschen fangen 1 ;endlich das Schifflein Petri, das diejenigenvor dem Verderben rettet, die sich in dem-selben befinden. Zu den genannten bibli-schen Bildern gesellen sich dann noch sym-bolische Darstellungen der grossen Geheim-nisse der Taufe und der Eucharistie, dieHeilung des Gichtbrüchigen am Teiche Be-

thesda, das Opfer Abrahams und die wun-derbare ßrodvermehrung.

Das sind die hauptsächlichsten und häufig-sten biblischen Darstellungen, wie sie uns inden älteren und ältesten Theilen der auf dieapostolische Zeit zurückgehenden Katakom-ben der Domitilla, der Priscilla und der Lu-cina begegnen. Nach und nach erweitertesich der Bilderkreis, während zugleich diefrüheren Darstellungen in neuer Auffassunghervortreten, wie es z. B. bei dem OpferIsaaks, dem guten Hirten, der Auferweckungdes Lazarus u. s. w. der Fall ist. Bei man-chen der neu hinzugekommenen Bilder ist dieAufnahme unverkennbar in den die Kirchegerade bewegenden Kämpfen und dogmati-schen Streitigkeiten zu suchen. Das ist z. B.der Fall bei der seit der Mitte des 3. Jahrh.häufigen Darstellung des Herrn in Mitteseiner Jünger, um die kirchliche Einheitden Schismatikern gegenüber auszusprechen,und, im Zusammenhänge damit, die beson-dere Vorliebe, mit welcher man für denPrimat nach einem bildlichen Ausdrucksuchte. Zweimal finden wir Moses , derdas Wasser aus dem Felsen schlägt, durchdie ausdrückliche Hinzufügung des NamensPetri als Typus für den Führer und Lehrerdes neutestamentlichen Volkes erklärt; inder Darstellung der Himmelfahrt des Elias ist dem Propheten wiederholt die Gestaltdes Herrn, dem Elisaeus aber, auf den mitdem Mantel der Geist des Propheten über-ging, die des Petrus gegeben. Auf einemgeschnittenen Stein sehen wir den Apostelüber den Wogen zu dem Herrn liinwan-deln, daneben aber das Schifflein des Apo-stels und auf dem Mastbaum und am Steuer-ruder die Taube, das Symbol des hl. Gei-stes. Seit den Anfängen des 4. Jahrh. fin-den wir dann auch noch die Uebergabe derSchlüssel, sowie die Vorhersagung der Ver-leugnung, mit der Besonderheit, dass Petrus auch in seinem Falle den ihm allein anver-trauten Stab der Macht und Regierung nichtverliert. Mit Rücksicht auf die Irrlehre,welche der Kirche die Gewalt bestritt, auchnach der Taufe begangene schwere Sündenzu vergeben, wurde der Siindenfall der er-sten Eltern und die ihnen zu Theil gewor-dene Erbarmung durch das menschgewor-dene Wort in den Bilderkreis aufgenommen.Ausserdem sind als weitere, seit der Mittedes 3. Jahrh. hinzukommende Darstellungenzu nennen: Job, die Gesetzgebung auf Si-nai , das Wunder zu Kana, die Heilung desBlindgebornen, des blutflüssigen Weibes u. a.Manche Darstellungen kommen nur verein-zelt vor, ohne dass sie weitere Aufnahmeund Verbreitung fanden, z. ß. Susanna, dieVerkündigung Mariae, die wir beide in demältesten Theilo des Coemeterium der Pris-cilla finden (Garrucci Storia, Tav. 75 u. 80),