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Bilderverehrung.
für deren Behandlung im Ganzen mass-gebend, die Künstler hatten nach den An-ordnungen der den Coemeterien VorgesetztenGeistlichen zu arbeiten, welche sich wiederdurch mehr oder weniger allgemein gel-tende Regeln gebunden sahen. Eine solcheRegel war z. B. vor Allem die, dass in denüber der Erde gelegenen und dem profanenPublikum so leicht zugänglichen Oratorienund Basiliken im Zeitalter der Verfolgungnur einfaches Ornament, keine biblischenScenen und Beziehungen auf die Geheim-lehren des Christenthums gemalt wurden —eine Thatsaehe, welche durch die neuerenEntdeckungen de Rossi’s ausser Zweifelgesetzt wurde und welche uns auch denSchlüssel zum Verständnisse des can. 26des Concils von Elvira (306) giebt. DerBeschluss dieser spanischen Synode: pla-cuit picturas in ecclesia esse non debere, necpiod colitur et adoratur in parietibus de-pingatur, ist vielfach und noch neuestensvon Herzog Real-E. f. prot. Theol. II 472als ein Verbot der bildenden Kunst über-haupt aufgefasst worden : die Kirche, meinteman, habe sich hier gegen die Bilder über-haupt erklärt, aus Besorgniss, der Anblickder Bilder möge den Christen ein Anlasszum Rückfall in die Idololatrie werden.Heute, wo der reiche Gebrauch, den dievorconstantinische Kirche von allen Zwei-gen der Kunst machte, hinlänglich constatirtist, ist eine derartige Auffassung geradezuunhaltbar, und der Kanon von Elvira kannnur das bedeuten, was uns der Thatbestandan den römischen Monumenten zeigt: dieeigentlichen Gemälde, also Vorstellungenaus der hl. Schrift u. s. f., werden aus denüber der Erde gelegenen Kirchen in dieCubicula der Coemeterien sub terra verwie-sen, wo sie vor Profanation besser geschütztwaren.
Der Cyclus der für zulässig erachtetenKunstvorstellungen ist indessen im Laufeder Jahrhunderte auch im christlichen Alter-thum sich keineswegs gleich geblieben. Eslassen sich in dieser Hinsicht zwei sehrscharf abgegronzte Epochen unterscheiden:in der ersten, vom 1.—4. Jahrh., herrschtdss s y m b o 1 i s c h e E1 e m e n t vor; es ent-spricht der damaligen Lage der Kirche undder Vorsicht, mit welcher die junge Ge-meinde des Herrn sich nach allen Seitenbewegen musste. Sobald dieselbe mit Con-stantin ihre Freiheit gewonnen und garsiegreich geworden, verliert die Symbolikihre Bedeutung und der Charakter derKunstvorstcllungen wird vorwaltend histo-risch. Eine Menge Sujets, welche frühernicht dargestellt wurden, erscheinen jetztin den .Malereien, auf den Sarkophagen undbesonders den Mosaiken der Basiliken; such-ten die Vorstellungen der Katakombenbilder
den gedrückten Gemeinden Mutli und Ver-trauen mitten in der Trübsal der Verfol-gung einzuflössen, so kennzeichnet sichdie Kunst des 4., 5. und 6. Jahrli. durchdie Betonung der sieghaften Freude überden errungenen Sieg, in welchem die Ge-meinde aufgefordert wird, das Vorbild desTriumphes über Tod und Welt zu sehen.Die Gestalten derer, welche den Sieg er-fochten, werden jetzt gemalt, während frü-her keine Martyrien, selten ein Anklangan das Leiden Christi selbst Vorkommen.Schon B. Röchelte Mem. sur les antiq. ehret.I 74 (vgl. meine Anfänge d. christl. Kunst104 f.) hat es betont, dass die frühesteKunst der Christen mitten unter dem Ein-druck so qualvoller Prüfungen doch keinBild der Trauer, kein Zeichen der Krän-kung oder Rachbegierde hinterlassen hat,dass im Gegentlieil alle ihre Denkmäler denGeist der Sanftmutli, des Wolwollens, derLiebe athmen. Das änderte sich jetzt viel-fach. Wir begegnen Darstellungen der Mar-tyrien, besonders aber auch Scenen aus demLeiden Christi , endlich kommt das Bild desGekreuzigten auf und erhebt sich bald zumwichtigsten und beliebtesten Gegenstand derMalerei und Plastik. Die dogmatischen Käm-pfe über die Person des Gottmenschen hän-gen aufs Innigste mit dieser Veränderungder Kunstvorstellungen zusammen. DerKreis der dargestellten Scenen wird über-haupt reicher und erweitert sich allmälig zueiner Schilderung des gesammten ReichesGottes in seinen Hauptepochen bis hinaufzum Weltgericht, dessen älteste Darstellun-gen (wie die auf Befehl des B. Paulinusvon Kola zu Fundi in der Kirche des hl.Felix ausgeführte) schon in den Anfang des5. Jahrh. fallen, allerdings um erst im MA.häufiger zu werden. Der wachsende Reich-thum der geschilderten Scenen, die Mengeder Aufgaben und Bestellungen bedingtedann weiter eine weit weniger ängstlicheUeberwachung der Künstle)' durch den Kle-rus und ein stärkeres Hervortreten derkünstlerischen Individualität. Das war iwAllgemeinen der Charakter der zweitenEpoche, bis der Zusammensturz der römisch-christlichen Cultur und die beginnende Er-starrung des Byzantinismus seit dem 6. .Jahrh.wieder eine neue, wesentlich dem MA. an-gehörende Phase schuf. Vgl. F. Piper Heberden christl. Bilderkreis, Berl. 1852. kraus.
BILDERVEREHRUNG . Bei dem gegen-wärtigen Standpunkt unserer archäologischenWissenschaft ist es überflüssig, diesem Ar-tikel einen grössern Raum zu gönnen. Dader Gebrauch der Bilder seit den erstendrei Jahrhunderten über jeden Zweifel er-wiesen, da die Ausschmückung der gottes-dienstlichen und Coemeterial-Anlagen der