Band 
Erster Band. A - H.
Seite
207
JPEG-Download
 

Cereostatae — Cervula.

207

rei) nicht auf den Altar gestellt. Yon die-sem Gebrauche meldet erst Innocentim III(f 1216) in seiner Schrift: de sacro altar.myst. 1. TI, c. 21. Vordem wurden dieLeuchter zum und vom Altäre dem Cele-branten vorgetragen. Im Sacramentar. Gre-gorian. besteht die Vorschrift: ,pontifexprocedit cum septem cereostatis ad missam 1. . . ,duo semper procedunt 1 . Wurden dieLeuchter aus den Händen gelassen, so stellteman sie auf den Boden vor dem Altäre.So heisst es in dem Ord. Roman, vuly. un-ter Anderm: ,acolythi ponunt cereostata inpavimento ecclesiae, tria quidem in dexte-ram partem, et tria in sinistram, unam veroin Spatium, quod est inter eos.‘ Seit älte-ster Zeit waren für das Tragen der Leuch-ter heim christlichen Gottesdienste eigenePersonen, untergeordnete Kirchendiener,bestellt. Das sind die xrjpo^rjpot der Grie-chen, die cereofm'arii (cereostatarii) der La-teiner. Bei den Griechen scheinen die C.,wie die deputati (Sendboten), nach SimeonThessalonic. (f 1429) noch bis zum 13. Jahrh.zu den Ordines minores gezählt worden zusein (vgl. Joannes, B. v. Citrum, lus Orient.1. III); aber nach Goar. Eucholog. Graec.fol. 237 ist dies bei den neueren Griechennicht mehr der Fall. Die griechischen C.und deputati wollte man geradezu als denOrdo der occidentalischen Akoluthen ansehen,aber ebenso unrichtig, als z. B. Isidor. Hi-spal. Orig. 1. VH, c. 12 den Namen C.schlechthin als völlig gleichbedeutend füracolythi nahm. Bei den Griechen hattendie /rjpo'popo! nur einen Theil der Verrich-tungen der abendländischen Akoluthen zuversehen, gleichwie sich aus den letzteren,weiche allerdings ursprünglich auch denliturgischen Lichterdienst zu besorgen hat-ten, die C. als besondere Kirchendiener erstvon der Zeit an herausbildeten, da mehrereFunctionen der alten Ordines minores vonfliesen getrennt und Kirchendienern sehruntergeordneten Ranges übertragen wurden.Vgl. Duraenus De minist, et benef. 1. I,c - 14 und Bona Rer. liturg. 1. I, c. 25.nr. 18, welch’ letzterer das Aufhören derlaotischen Bedeutung der Ordines minoresund die Uebertragung ihrer Dienste theil-weise selbst an Laien auf das 12. Jahrh.zurückführt. Vgl. die Art. Lichter undLeuchter. kiiüll.

CEREOSTATAE, s. Leuchter.

CERVULA. Unter den Belustigungen,welche an den Calonden des Januars (s. d.A.) von Christen den Heiden nachgemachtwurden, erscheint der Brauch, in Thier-gostalten verkleidet herumzurennen und dem.'luthwillen freies Spiel zu lassen. Sehrhäutig trieb man sich als Hirsch oder Kalb

vermummt herum und nannte das cervulam,cervulum und vitulum facere. K. SimrockD. M. 2. A. 565 hat wol nicht Unrecht,wenn er annimmt, dass die Thierfelle vonden geschlachteten Opfertliieren herrührten,die in den zwölf Tagen (von Weihnachtbis Epiphanie) denselben Göttern darge-bracht wurden, die unter diesen Thierlarvenerscheinen. Statt vitulum heisst es in denbezüglichen Nachrichten oft vetulam facere,wie man in der That sich auch als altesWeib verkleidete. Ducange citirt hiefürpatristische Belege aus S. Augustin, S. Pa-cian, S. Ambros und den Sermo eines Bi-schofs Faustin in Cal. Ianuarii. Allein dieangeblich aus S. Augustin. Sem. de Temp.215 angeführte Stelle findet sich in derMaurinerausgabe nicht; wol aber enthältdieselbe Tom. V. append. p. 233 unterden zweifelhaften Schriften des Heiligen alsnum. 129 einen Sermo de Cal. tan., welchendie Holland . 1 Tom. lan. pag. 2 als SermoFaustini Cp. -inittheilen, dieselbe Rede, aufdie auch Ducange sich beruft; eine andereHandschrift (bei den Maurinern daselbst)schreibt sie dem hl. Maxentius zu. Immer-hin scheint sie dem Anfang des 6. Jahrh. an-zugehören. Es heisst darin: quis enim sa-piens poterit credere inveniri aliquos sanaementis qui cervulum facientes in ferarumse velint habitum commutare, alii vestiunturpellibus peeudum; alii assumunt eapita be-stiarum gaudentes et exsultantes si taliterse in ferinas species transformaverant uthomines non esse videantur. Aus einerStelle des hl. Ambrosius De interpellat. Da-vid 1. 11, c. 1, n. 5 (Maurinerausgabe) kanngeschlossen werden, es habe der cervusschon damals an den Cal enden des Januarseine Rolle gespielt. Bischof Facianus vonBarcelona (+ c. 390) beklagt das Ueber-handnehmen der fraglichen Unsitte, allerMahnung zum Trotze: eousque progressitnostratium moribus ut admonitos se existi-ment cum vetantur; hoc enim puto proximecervulus ille prot'ecit ut eo diligentior fieret,quo impressius notabatur ... Me miserum,quid ego facinoris admisi? Puto nescierantcervulum facere, nisi illis reprehendendomonstrassem. Facian. De poenit., Romae1564, 183 (mit Salvian gedruckt). In ähn-licher Weise klagt Maximus, Bischof v. Tu-rin , um 450: magis magisque errorum deviaet diabolica calcate figmenta . . .; dann dieRüge, dass Männer sich als Weiber undThiere vermummen. Maximus Homil. deCal. lau. in derselben Römerausgabe p. 95.Ganz anders aber lautet ein von MabillonMus. Ital. I 2, p. 17 demselben Bischof zu-geschriobener Sermo de Cal. lan. Wenndann im Norden Frankreichs der hl. Eli-gius, Bischof zu Noyon um 650 (?), ab-mahnt: nullus in Cal. lan. nefanda et ridi-