Christenverfolgungen.
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langen Kegierung des Kaisers Anastasius ,der als Gegner der Orthodoxie erscheint,der oströmische Hof kein Gegenstand derSympathieen der orthodoxen Bevölkerungdes Abendlandes sein konnte; die entschie-den katholische Politik von Anastasius’ Nach-folger, lustinus’ I und seines Nelfen Iusti-nian, führte in ihren Consequenzen denlange hinausgeschobenen Ausbruch des Con-flicts zwischen Theoderich und seinen Ost-gothen einerseits und der orthodoxen Be-völkerung mit der Senatspartei an der Spitzeanderseits herbei. Nach dem Gesagtenwird man es begreiflich finden, dass inFolge des politischen und religiösen Gegen-satzes, und zumal des letztem, die ariani -schen Germanenreiche theils eine Beute desbyzantinischen Reiches wurden, also zuGrunde gingen, so der vandalische undostgothische Staat, theils wiederholt aufsäusserste gefährdet wurden, so die Reicheder Westgothen und Longobarden. rndesshatte die angedeutete schiefe gegenseitigeStellung der beiden Nationalitäten im We-sentlichen nur im vandalischen und west-gothischen Reiche feindselige MassregelnSeitens der germanischen Sieger gegenüberder romanischen Bevölkerung zur Folge.Die strengen Massregeln, die der sonst sotolerante Ostgothenkönig Theoderich d. Gr.in seinen letzten Regierungsjahren (524 bis52G) gegen einige der hervorragendsten Ver-treter der romanischen Bevölkerung ergriff',die Verhaftung des Albinus, die harte Be-handlung des Papstes Johannes 1, endlichdie Hinrichtung der vornehmen Römer Boe-thius und Symmachus, haben ihren letztenGrund nicht in einem plötzlich hervortrc-tendon religiösen Fanatismus des arianischenFürsten, sondern in einem zum Theil nichtganz unbegründeten politischen Argwohn;Theoderich vermuthete eine hochverräthe-risclie Conspiration der römischen Aristo-kratie mit Byzanz (vgl. Procop. De helloGoth . 1, c. 1, cd. Bonnens. vol. II; daszweite valesianisc.be Fragment Ad calcemder editio Bipontina des Ammian . Marcell.H 313—316, und wegen der Details dieebenso scharfsinnige als zutreffende Dar-stellung Dahns Könige II 166—175, IIIJJ7 1.). — Zweck der vorliegenden Unter-suchungen ist es nun, auf Grund einer sy-stematischen Prüfung des Quellenmaterialsund einer ausgiebigen Verwerthung derneuern Littoratur ein möglichst walirheits-treues Bild, eine gedrängte kritische Ge-schichte jener Confficte der beiden Natio-nalitäten, ihren Motiven, ihrem allgemeinenGharakter und ihrer Entwicklung nach, demBöser vorzuführen. Wir werden alsdannsehen, dass jene Massregeln der germani-schen Herren gegen die überwundenen Ro-naanen nur im Vandalenreiche, und auch
hier nur zeitweilig, den Charakter einersystematischen Religionsverfolgung ange-nommen haben, dass dagegen die betreffen-den Feindseligkeiten im Westgothenreicheim Ganzen mehr als Acte der Nothwehrresp. als Ausübung des Strafrechtes gegen-über einer mit dem auswärtigen Feindeconspirirenden Bevölkerung aufzufassen sind.
A. Katholikenverfolgungen im Vandalenreiohe.
I. Orientirende Bemerkungenüber die Quellen, zumal über Victorvon Vita . — Motive und allgemeinerCharakter dieser Verfolgungen.
1) Im Interesse einer objectiven Geschicht-schreibung ist es sehr zu beklagen, dass unsüber den gewaltigen Kampf zwischen denarianischen Germanen und den orthodoxenRomanen in Africa bloss die Berichte derletzteren, also der unterdrückten Partei,vorliegen. Doch wird dieser Uebelstandtheils durch die genaue Orientirung einzel-ner zeitgenössischer Schriftsteller,theils und vor Allem dadurch einigermassenausgeglichen, dass uns ein günstiges Ge-schick für einige Episoden jener Katholiken-verfolgungen das authentischste Quellen-material , die bezüglichen Concilienacten,katholikenfeindlichen Verfügungen der Van-dalenkönige u. s. w. aufbewahrt hat. Zudemfehlt es nicht ganz an katholischen Schrift-stellern, die mit anerkennenswerther Mässi-gung die Geschichte des vandalischen Rei-ches zum Gegenstände ihrer Darstellunggemacht haben. Eine der wichtigsten Quel-len für die Geschichte der Katholikenver-folgungen unter Geiserich und Hunerich istdie ausführliche Schrift des Victor von Vita :Victoris Vitensis Ilistoria persecutionis Van-dalicae, ed. 11. Harter (SS. patrum opus-cula selecta T. XXII, Oeniponti 1873, 100bis 252). Diese Ausgabe, die ich den vor-liegenden Untersuchungen zu Grunde lege,ist ein wörtlicher Abdruck der zuerst 1694zu Paris erschienenen Ruinart’nehen Edi-tion (vgl. a. a. 0. praef. 6). Ja, eine rich-tige klare Anschauung dieser Periode er-scheint geradezu bedingt von einer correc-ten, systematischen Kritik dieses Schrift-stellers; eine ausreichende kritische Wür-digung des letztem ist aber keine ganzleichte Aufgabe. Ich will nun zuerst meinegenerelle Ansicht über die Bedeutung desAutors darlegen und wissenschaftlich be-gründen, resp. einige allgemeinere Gesichts-punkte entwickeln, die zur erspriesslichenBenutzung desselben unentbehrlich sind,und hieran mag sich dann eine retrospec-tive gedrängte Auseinandersetzung mit denbezüglichen Ausführungen meiner Vorgängerauf diesem Gebiete ansehliessen. Es han-delt sich, wie fast immer in solchen Din-gen, zunächst um die Beantwortung folgcn-
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