Band 
Erster Band. A - H.
Seite
287
JPEG-Download
 

Christenverfolgungen.

287

nähme überwiegende Gründe sprechen; alleHandschriften der Acten der Synode vonLerida geben in der Ueberschrift folgendeDatirung: anno XV. Theuduredi vel Theo-derici regis. Alle diese Concilien habenweder zur Zeit noch bestehende noch vor-hergegangene Beschränkungen der katho-lischen Cultusfreiheit zur Voraussetzung.Allerdings handelt Can. 9 der Synode vonLerida ( Hefele 707) von ^ebaptizati 1 , alsovon Proselyten der Arianer; auch rügt Can.13 (a. a. O.) das Verfahren derjenigen Ka-tholiken, ,die ihre Kinder bei Häretikerntaufen lassen 1 . Allein dergleichen Vorkomm-nisse haben nicht nothwendig das Vorhan-densein einer Verfolgung zur Voraus-setzung. Jene Fälle von Apostasie könnenauch Folge einer friedlichen Privat-propaganda einzelner Arianer sein. Zu-dem beschäftigt sich Can. 9 bloss mit Den-jenigen, welche die sündhafte Wiedertaufeerhalten haben, ohne durch Zwangoder Marter dazu genöthigt wor-den zu sein‘.

4) Auch in der Folgezeit, bis auf Leovi-gild, blieb das wenigstens scheinbare Ein-vernehmen zwischen dem westgothischenStaate und den Katholiken im Wesen t-lieben unerschüttert. Der junge Amala-rich erscheint zwar während der kurzenZeit seiner Alleinherrschaft (526—531) alsleidenschaftlicher Arianer, aber er begnügtesich, seinem religiösen Fanatismus in denrohesten Misshandlungen gegenüber seinerorthodoxen Gemahlin Chrotechild, einerSchwester der Frankenkönige Theoderich ,Chlodomir, Childebert I und Chlotar I , Luftzu machen (vgl. Proc. B. G. 1 13; Greg-'Pur. 111 c. 1 , 10), indess der grossen Masseseiner katholischen Unterthanen verküm-merte er ihre Religionsfreiheit nicht, wiedies aus der zweiten Synode von Toledo erhellt, die im J. 527 oder 531 stattfand(s. die Acten bei Hefele 719—724 undHahns zutreffende Bemerkung VI433, Anm.

vgl. auch V 117 f.). Aber das Verder-ben des immerhin fanatischen Monarchen'' r ar denn doch schon besiegelt. Der Fran-kenkönig Childebert rächte die Beschim-pfung seiner Schwester und überfiel dasffothische Gallien. Bei Narbo erlitt Ama-•arich eine Niederlage, versuchte dann zuentfliehen, wurde aber eingeholt und er-mordet. Der Sieger wollte seine Schwesterw die Heimat zurückgeleiten, diese starböber schon unterwegs. Vgl. Proc. 1. c.;

re f- r Pur. i. c< - Fredegar. Hist. Fr. epit.^ XXXI, lordan. c. 58; Isid. Hist. Goth.Aera 564. Auch unter König T h e u d i sf?' —548) blieb die katholische Cul-

ustreiheit unverkürzt; Beweis dafür ist die_ rovi , ]zi ft l S y, K ) d e von Tarragona, die im J.

40 stattfand und sich mit Gegenständen

der kirchlichen Disciplin beschäftigt hat (s.die Acten bei Hefele 778 f.). Unter denKönigen Theudigisel(548—549), Agi 1 a(549—554) und Athanagild (554—567)wurden zwar keine Concilien gehalten, eskam aber doch zu keinerlei Bedrückungender Orthodoxie, wenn auch die beiden er-steren Fürsten nicht gerade katholiken-freundlich gewesen sein mögen (vgl. Isid.H. G., Greg. Pur. III 30; IV 8, 38; Deglor. mart. I 24, 25; Fredeg. c. X, 1. III;Iornand. c. 58 in fine und hierzu DahnsErläuterungen V 123, VI 373).

5) Der religiös-politische Gegensatz kamim Westgothenreich zum letztenmal unterKönig Leovigild (reg. 569—586) undzwar in unerwartet heftiger Weise zum Aus-bruch. Dieser hervorragend tüchtige Mo-narch, ein zweiter Eurich, dem als Idealein national-gothischer Einheitsstaat miteinem starken, vor Allem erblichen Kö-nigthum an der Spitze vorschwebte, hatteschon in seinem ersten Decennium (570 bis578) in dieser Hinsicht grosse Erfolge er-zielt : er hatte die Macht des hochmüthi-gen gothischen (arianischen) Adels gebro-chen , dem Königthum im Innern auchsonst erhöhtes Ansehen verschafft, dieiberische Halbinsel nach allen Richtun-gen siegreich durchzogen, abgefallene Di-stricte wieder unterworfen und die Byzan-tiner, die sich seit 554 an den Küsten Spa-niens von der Westspitze Algarve’s bisnach Valencia hin festgesetzt hatten undunter dem Schutze der orthodoxen Bevöl-kerung sogar über Cordova hinaus bis zurSierra Morena vorgedrungen waren, ener-gisch zurückgedrängt. Allenthalben warder Katholicismus als politische Macht imBunde mit den rechtgläubigen Reichsfein-den der unificatorischen Tendenz des Für-sten entgegengetreten. Doch begann dieser,zwar Arianer aus Ueberzeugung, aber keinFanatiker und in erster Linie stets Staats-mann, erst seit 579 resp. 580 gegen seinekatholischen Unterthanen einzuschreiten.Erst seit dem Aufstand seines ältern Soh-nes Hermenegild, desConvertiten, dessenVerbündete die Katholiken Spaniens nebstden orthodoxen Franken und Byzantinernwaren, begann Leovigild den Versuch, derarianischen Staatskirche innerhalb der Halb-insel die Alleinherrschaft zu verschaffen.Wie schroff damals der Gegensatz zwischenbeiden Confessionen empfunden wurde, be-weist der Umstand, dass Hermenegilds re-ligiöser Abfall, sein Uebertritt zum Katho-licismus, einem politischen Abfall vonVater und Reich vollständig gleichkam.Uebrigens verfolgte Leovigild die Katholi-ken geflissentlich bei weitem mehr in derManier Trasamunds, als eines Hunerich.Er gab sich den Schein, als bestände gar