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Classiker.
geschilderte Lehrweise des Origenes wirdwol mit Recht der Hauptsache nach als einBild der Methode betrachtet, welche an denKatechetenschulen überhaupt in Gebrauchkam. Noch in einer andern Hinsicht istindess die Geschichte des Origenes für unssehr wuchtig. Sie zeigt uns nämlich aneinem Beispiele, dass gottselige Familien-väter die Grammatik (Litteratur) als einso wichtiges Bildungselement betrachteten,dass sie wo möglich selber ihre Söhne da-rin unterrichteten, wie Leonidas dies wirk-lich that; dass Jünglinge, welche für dasMartyrium glühten, das Studium der clas-sischen Litteratur mit ihrem religiösen Stre-ben als wol vereinbar erachteten; dass end-lich dieses Studium so allgemein geschätztwar, dass ein tüchtiger junger Mann alschristlicher Privatlehrer der Gram-matik sich sehr reichliche Subsistenzmittelerwerben konnte ( Euseb . Hist. eccl. VI 3).Kein Wunder demnach, wenn wir um die-selbe Zeit noch einen andern berühmtenSohn christlicher Eltern, den hl. Irenaeus,Bischof von Lyon , eine grosse Vertrautheitmit den heidnischen Dichtern und Philoso-phen bekunden sehen; und gewiss Hessesich hierfür noch manches weitere Beispielanführen, wenn uns überhaupt reicheresQuellenmaterial über diese Zeit zu Gebotestünde. Soviel aber dürfte wol erwiesensein, dass man zu viel behauptet, wenn mansagt, es habe die Kirche, ,so lange sie un-ter den Schlägen der Verfolgung seufzte,weder eigene Lehrer, noch Schulen, nochMethoden gehabt 1 . Freilich genügte dieZahl der christlichen Grammatiker dem vor-handenen Bedürfnisse so wenig, dass selbstder rigoristische Tertullian die ,NothWen-digkeit 1 als Entschuldigung dafür geltenHess, dass christliche Schüler zu denheidnischen Grammatikern in denUnterricht gingen (De idolol. c. 10). —Im 4. Jalirh. nahm dio literarische Thä-tigkeit und in Wechselbeziehung mit ihrdas wissenschaftliche Streben überhaupt in-nerhall) der Kirche unter der woldthuendenEinwirkung der neuen Freiheit und wolauch in Folge des gefährlichen Umsich-greifens der Häresie, wie bekannt, einenglorreichen Aufschwung. Dass alsbald christ-liche Lehrer in grosser Zahl die Interpre-tation der heidnischen C. in die Hand nah-men, verbürgt zur Genüge schon die eineThatsache, dass Iulian der Abtrünnige durchein desfallsiges Verbot dem Christenthumeinen verhängnissvollen Schlag zu versetzensuchte. Wenn aber ein hl. Gregor vonNazianz dafür dem kaiserlichen Apostateneine ,die Säulen des Hercules überragende 1Schandsiiule zu errichten unternahm (ür. 5),und ein hl. Augustin dieserhalb denselbenMann den Christenverfolgern als zehnten
beigezählt wissen wollte {Äug. De civ. DelXVIII52), so beweist dies klar, wie schmerz-lich jener Schlag auf Seiten der einsichts-vollen Christen empfunden wurde. Sehrbezeichnend für ihre hohe Werthschätzungder heidnischen C. ist auch die Thatsache,dass die alle Zweige der Litteratur berück-sichtigenden Surrogate, womit die beidenApollinaris die durch Iulians Arglist ge-schaffene Lücke auszufüllen suchten, nurein vorübergehendes Ansehen genossen undalsbald nach Freigebung der Wissenschaftwie nicht vorhanden betrachtet wurden(Socrat. Hist. III, c. 16). — Die Haupt-schulen für die classische Litteratur wa-ren im 4. und 5. Jahrh. die sog. Kaiser-schulen, welche in dieser Zeit ihre höchsteZiffer erreichten, und deren Besuch wolwenig Bedenken erregte, obschon nochmanches Jahr heidnische Lehrer an den-selben wirkten (vgl. Schwarz Erziehungsl.,Bd. I, 2. Abth. 34 ff., Lpz. 1829). Ihregeistigen Erben wurden vorzugsweise dieKlosterschulen, welche im Orient dieMönche des hl. Basilius und im Occidentdiejenigen des hl. Benedict gründeten. Inbesonderm Masse gebührt dem durch einefür seine Zeit achtbare Kenntniss und Werth-schätzung der alten Litteratur ausgezeich-neten Cass io dor das Verdienst, den heid-nischen Classikern in den stürmischen Zeitendes untergehenden Alterthums ein friedlichesAsyl in den abendländischen Klosterschulengesichert und dieselben in das MA. hin-übergerettet zu haben, wie er auch derErste war, welcher das Abschreiben derbezüglichen Handschriften als eine der Be-rufsarbeiten für die abendländischen Möncheeinführte. — Fragen wir nach dom L e-b e n s a 11 e r, in welchem die studirende.lugend die Lcctüre dor C. begann, so lässtsich beweisen, dass es im Allgemeinen un-gefähr dasselbe war, in welchem sie gegen-wärtig in das Gymnasium einzutreten pflegt.— Was endlich die doctrinäre Werth-schätzung der heidnischen C. als Bil-dungsmittel für dio christliche Jugend be-trifft, so gab schon der Niedergang desHeidonthums genügende Veranlassung dazu,sich darüber klar zu werden, ob dio heid-nische Wissenschaft es verdiene, von derchristlichen Gesellschaft übernommen zuwerden, oder nicht. Mindestens ebenso sehrthat dieses die oben erwähnte Massregeldes abtrünnigen Iulian, wie aus Socr. Hist.III, c. 17 zu ersehen ist. Dazu kam, dassin Folge der Wiederaufnahme der heidni-schen Litteratur nach Iulians Tode mancheStimmen, wenn auch zumeist oder aus-schliesslich nur von kurzsichtigen und un-wissenden Christen, laut wurden, dio danneine Gefahr für den Glauben erblickten (s.die Grabrede des hl. Gregor von Nazianz