Fraternitas.
539
373; Aringhi II 101, ed. Par. 1143) zeigtrechts und links von der Hauptdarstellungje einen Fossor, der eine trägt eine Lampe,der andere, neben welchem die Lampe auf-gehängt ist, ist mit seiner Pike am Arbei-ten (s. unsere Abb. Fig. 191). Andere Bei-spiele haben Bosio und Aringhi (ed. Paris .II 14, 31, 32). Am berühmtesten, durchWiseman’s Vignette zu seiner ,Fabiola 4 po-pulärsten ist das von Boldetti 60 zuerstgegebene, in unserer Fig. 192 (die Inschrift,
0 D C
Fig. 192. Wandgemälde aus S. Domitilla.
welche in der Abbildung weggelassen, stehtüber der äussern Wölbung des Areosoliumund lautet: DIOGENES • FOSSOR • IN •PACE • DEPOSIT VS || OCTABV • KALEN-DAS • OCTOBRIS) wiederholte Fresco mitdem Bilde des Fossor Diogenes, dessen trau-rige Reste wir noch im Coemeterium derDomitilla sahen. Das Bild schmückt dasAreosolium eines Cubiculum. Diogenes, dende Rossi für einen Vorsteher der Fossorenhält, steht vor einem in eine Apside aus-ladenden Gebäude, in der Rechten hat ereine Pike, in der Linken eine Lampe, amBoden sieht man einen Zirkel, zwei Ilau-instrumente und eine Art Lanze. Le Blaut(Sur les graveurs des inscr. antiques, inRevue de l’art ehret. 1859; Inscr. de laGaule II 192 f.) hält diese Instrumente fürdiejenigen des lapicida und glaubt nach-weisen zu können, dass die Fossoren zu-gleich die Steinmetzen waren, aus derenHänden die Inschriften der Katakomben her-vorgingen. De Rossi a. a. 0. beweist da-gegen , dass jedes Coemeterium oder jedeGruppe von Coemetorien ihre eigene offi-cina von Lapiciden hatte, welche den Fos-soren beigeordnet, nicht aber mit ihnenidentisch waren. Manche Grabschriften zei-gen neben den Namen der Fossoren dieHandwerkszeuge; so Bosio 505; Boldetti62; Perret I, pl. XXXIX. Die Namen vonFossoren bieten u. a. ausser den oben an-geführten Beispielen Boldetti 65; Aringhied. Rom. 11 139; Fahretii 738, n. 492;Lami Ile erud. Apost. 278; vgl. MarlignyDict. 2 330; de Rossi R, S. III 544 ff.;Marchi 91.
Schon Marchi hatte die Vermuthung auf-gestellt, dass jedes Coemeterium seine ihm
speziell zugewiesene Abtheilung von Fos-soren hatte, wenngleich der Liber pontifi-calis bei der Aufzählung der einzelnen No-tare, Diakonen, Coemeterien, Parochien,gänzlich von jenen schweigt. Ein von Bol-detti 61, 62, 65 bald als in S. Callisto, baldals in S. Ponziano gefunden bezeichneterStein hat die Inschrift IVNIVS FOSSORAVENTINVS F • S. Ein anderer Steinnotirt die Anwesenheit aller Fossoren beidem Verkauf — omnes fossor es — selbst-verständlich derjenigen nur, welche in demCoemeterium arbeiteten. Dagegen lässt sichein von Gazzera publicirtes oberitalienischesDenkmal ( Gazzera Iscr. crist. del Piemonte34: CRESTIANI FOSSORIBVS AD RE-FRIGERIVM IN PERPET.) nicht als Be-stätigung für die angebliche Organisationaller Fossoren zu einer Gesammtcorporationcitiren, da der Stein gefälscht ist (Momrn-sen C. J. 1. V, n. 891).
Als Constantin Neurom gründete, wieser dem Dienste der Kirche 950 leclionariiund decani zu (Cod. Inst. Nov. 43, 59; s.Tillemont Hist, des Emp. IV 235), derenZahl später K. Anastasius auf 1100 er-höhte {Bist. Nov. 59). Dies waren ex di-versis corporibus urbis gewählte Laien, undwenn sie auch den Namen copiatae erhiel-ten, so waren sie doch etwas ganz Ver-schiedenes von den altkirchlichen Fossoren,die dem Klerus beigerechnet wurden. Siesollten einfach die heidnischen Sandapilariioder Todtenträger ersetzen, erhielten dafürdurch Anastasius Steuerfreiheit und Ein-künfte, weil sie sine mercede facerent de-functorum exequias. Ausserhalb Byzanz istdies Institut nicht nachzuweisen. Für Rom und Italien verfügte übrigens Constantiusdie Befreiung der clerici qui copiatae ap-pellantur, von dem fünfjährigen Tribut (derlustralis collatio). kraus.
FRATERNITAS. Frater ist als Anrede sowenig specifisch christlich, wie pater, mater,fili, Ausdrücke der Zärtlichkeit, die zu allenZeiten üblich waren. Cic. Verr. 111 3, 66,155; Horat. Ep. I 6, 54; Petron . 98, 100;Vit. M. Antonini c. 18; Paul. 1. IV ad Vitell.(Digg. XXVIII 5, 58, § 1); vgl. FriedländerSittengesch. Roms I 431 (4. A.), 398 (5. A.).Im Curialstil des 4. und 5. Jahrh. werdender magister officiorum, die comites rerumprivatarum und diejenigen sacrarum largi-tionum ,fratres‘ angeredet, wie die höchstenReichsbeamten ,parens‘ (s. Friedländer a.a. O. I 130). Nicht blosse Höflichkeitsformel,sondern im Wesen der christlichen Lebens-gemeinschaft begründet, ist es dagegen,wenn die alten Christen sich als ,Brüder 4erkennen und so bezeichnen. So war esihnen durch den Herrn selbst befohlen(Matth . 23, 8); so erklären Minucitis Felix