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Erster Band. A - H.
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Gebet.

Betende vor, so drängte sich von selbstder Gedanke auf, dass zu einer lebendi-gen Gemeinschaft mit ihnen das G. un-umgänglich nothwendig sei. Unter denvielen betender! Gestalten — Orantes —zeichnet sich diejenige einer Frau aus, inwelcher die christlichen Alterthumsforscherbald die seligste Jungfrau, bald die Kircheerkennen ( Kraus R. S. 2 301, 315; s. un-sere Fig. 196). Die Identität wird manch-mal durch die beigefügten Inschriften ge-sichert. Auffallen darf es nicht, dass wirdie Kirche unter dem Bilde einer Frau dar-gestellt finden. Abgesehen davon, dass sieschon in den Briefen Pauli als die un-befleckte und makellose Braut erscheint,wird sie auch bei den christlichen Schrift-stellern eine Mutter genannt, die uns dielvenntniss vom Yater und Sohne überlie-fert ( Tertull . 1 . c. c. 2), die uns erzeugt,mit ihrer Milch ernährt, mit ihrem Geistebelebt, über die ganze Erde ihre Lebens-fülle erstreckt ( Cypr . De unit. c. 5), die,

,Maria, die Mutter Christi nachahmend, tag-täglich dessen Glieder zeugt und Jungfraubleibt 1 ( Augustin . Enchirid. c. 34). Dieseund ähnliche Ausdrücke legen die Vorstel-lung der Kirche unter dem Bilde einerFrau sehr nahe. Zudem liest man auf denvon Papst Coelestin in der ersten Hälfte des5. Jahrh. herrührenden Mosaiken von S.Sabina zu Rom unter zwei weiblichen Ge-stalten die Legenden: ecclesia ex (jenlibusund ecclesia ex circumcisione (Kraus R. S.315). Da jedoch sonst nirgends eine Le-gende vorkommt, so wird man die Fälle,in denen ein Symbol der Kirche vorliegt,aus den Umständen deuten müssen. Die Ihier Fig. 196aus/G'««s(R.

S. Fig. 50)mitgetheilteOrans mitausgestreck-ten Armenzwischenzwei Läm-mern stellt,da letzteretraditions-mässig dieGläubigensinnbilden,allem An-scheine nachdie Kirchevor. In derSaeraments-kapelle in S.

Callisto steht gegenüber dem consecrirendenPriester ein Weib in anbetender Stellung(s. Fig. 151 S. 441), wodurch uns ohneallen Zweifel ein Symbol der Kirche ge-

Fig 196. Orans. Grabstein aus S. Callisto.

geben wird. Dafür spricht u. A. das Epi-taphium des Abercius (s. oben S. 523 f.) ausdem Ende des 2. Jahrh., auf welchem alsAusspenderin des geheimnissvollen Fischesgeradezu die ,makellose Jungfrau 1 genanntwird, eine Bezeichnung, unter der offenbardie Kirche zu verstehen ist. Hat man sichnun diese als Ausspenderin der hl. Speisegedacht, dann wird das Weib in S. Callistogegenüber dem consecrirenden Priestergleichfalls die Kirche sinnbilden. Dass mandiesem Weibe durchgängig eine betendeHaltung gab, enthält eine tiefe Lehre. WieChristus die Kirche durchdringt, die KircheChristum umfasst, beide in unzertrennlicherEinheit ein gemeinsames Leben bilden, somuss auch der Gläubige ohne Unterlassdas Leben der Kirche in sich aufnehmenund an der Hand der Kirche zum Mannes-alter Christi heranwachsen. Dass dies un-sererseits vorzugsweise durch das G. zubewerkstelligen sei, ward durch die unterdem Bilde eines betenden Weibes vorge-stellte Kirche den Gläubigen beständig inErinnerung gebracht.

Das Christenthum trat also von Anfangan in Wort, Schrift und Bild als eine Re-ligion des Gebetes auf. Allen ohne Aus-nahme, Reichen wie Armen, Gebildeten wieUngebildeten, wurde das G. zur Pflicht ge-macht. Es fragt sich nun, ob und wie dieGläubigen 'dieser Pflicht nachkamen, obund wie die Praxis der Theorie entsprach.

Dass wir manche Spuren, aus denen wirgewohnt sind, auf den Gebotseifer einerZeit zu schliessen, in den drei ersten Jahr-hunderten vermissen, ist leicht begreiflich.Ueberreste von und aus christlichen Tempeln

und Orato-rien ausjenerPeriode sindkaum auf unsgekommen,währenddoch unsereMuseen mitderartigenreligiösenGe-genständenaus dem anti-ken Heidon-tlium ange-füllt sind.Dies darf unsnicht in Irr-thum führenund etwaglauben las-sen, als seien

die ersten Christen in geringerm Grade einbetendes Volk gewesen, als die Heiden. DieKatakomben, die einzigen aus der Verfol-gungszeit uns erhaltenen Versammlungsorte