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Erster Band. A - H.
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Gebet.

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ren, nicht zu unterdrücken vermochten(Luc. 11, 1 f.) und er seinerseits diese Auf-forderung so natürlich fand, dass er ihrunverzüglich entsprach. Für unsern Zweckist die Rücksicht auf die Form dieses Ge-betes nicht ohne Belang; es passt, wie Je-der leicht einsieht, für Jung und Alt, fürGelehrt und Ungelehrt, für jedes Alterund Geschlecht auf gleiche Weise, ein Be-weis, dass es seiner Natur nach bestimmtist, ohne viele Mühe erlernt und häufig her-gesagt zu werden. Da nun ,der, welcherdas Leben verlieh, auch beten gelehrt hat 1(' Cypr . 1. c. c. 2), so erscheint offenbar dieFortdauer des in Christo empfangenen Le-bens durch das G. bedingt; das G. ist nachdem Willen unseres Heilandes die Luft, inder ein Christ athmen, die Nahrung, mitder er sein gottgeweihtes Leben fristen soll.Wem dies weniger einleuchtend erscheinensollte, der braucht nur das zu betrachten,was die Apostel gethan und gelehrt haben.Nach der Himmelfahrt ihres Meisters er-gänzten sie ,betend 1 ihr Collegium (Act. 1,24) und empfingen gleichfalls ,betend 1 denhl. Geist (Act. 1, 14). Hiernach erscheintdie Kirche bereits in ihrer Wiege als einebetende, eine Eigenschaft, die mit der ech-ten, von den Aposteln überlieferten Formdes Christenthums unzertrennlich verbun-den ist. ,Thut Busse!‘ rief Petrus in sei-ner ersten Predigt den Juden zu (Act. 2,38); aber was er unter Busse verstand, er-hellt aus dem, was über die in Folge die-ser Predigt der jungen Gemeinde hinzuge-fügten Gläubigen berichtet wird. ,Sie be-harrten in der Lehre der Apostel, in derGemeinschaft des Brodbrechens und imGebete (Act. 2, 42). Sie ,waren stets imTempel, Gott preisend und verherrlichend 1(Luc. 24, 53; vgl. Act. 2, 46). Nicht inder blossen Bewegung der Lippen, nichtin dem gedankenlosen Wiederholen einerFormel, iiicht in der Menge der Worte,sondern in der Erkenntniss seines Elendes,in Selbsterforschung und Reue, in der Be-trachtung Gottes und der höchsten Wahr-heiten, in der steten Hingabe an Christus,darin bestand das von den Aposteln gefor-derte G., das somit der wahren Busse wievorausgehen, so nachfolgen muss. DieseSchule des Gebetes musste selbst Saulusdurchmachen, ehe er zu einem Gefäss derAuserwählung wurde (Act. 9, 11. 15); undwie er als Völkerapostel nicht aufhörte,für die Gläubigen zu boten (Kol. 1, 9), soging er auch für sich die Brüder um ihrG. an (Kol. 4, 3; I Thess. 5, 25; H Thess.1, 11). Obgleich eigens berufen, dem ,G.und dem Dienste des Wortes obzuliegen 1(Act. 6, 4), sahen die Jünger gleichwol indem G. der Gläubigen eine wesentliche Er-gänzung ihrer mühevollen Arbeit und un-

verdrossenen Wirksamkeit (II Thess. 3, 1).— Wie die Apostel, so haben auch ihreNachfolger zu anhaltendem G. ermahnt.Dem römischen Clemens zufolge strecktenAnfangs die Christen von Korinth ,ihreHände zum allmächtigen Gotte empor undbeteten Tag und Nacht wetteifernd für dasWohl sämmtlicher Brüder 1 (I Kor. c. 2);er bedauert lebhaft, dass dieser Gebetseiferzu seiner Zeit dem Geiste der Zwietrachtgewichen war und ersucht die Urheber desAufruhrs, die ,Kniee ihres Herzens zu beu-gen 1 (c. 57), ein Ausdruck, der die Noth-wendigkeit des echten Gebetes zur Auf-rechthaltung und Wiederherstellung derkirchlichen Ordnung unzweideutig zu er-kennen giebt. Dem hl. Ignatius und sei-nem jüngern Freunde, dem hl. Polykarp,war das G. der Gläubigen ein Hauptmittelzur Bekehrung der Heiden (Ad Eph. c. 10),eine Gewähr für Bewahrung vor Häresie(Ad Phil. c. 7), die Fürbitte für ,Heiligeund für Feinde des Kreuzes 1 eine Bürg-schaft für die Beharrlichkeit und für dasWachsthum in jeglicher Vollkommenheit(Ad Trall. c. 12; Ad Phil. c. 12). Auf dieBedenken ängstlicher Seelen gegen die Er-liörbarkeit des Gebetes antwortet schon derHirt des Ilermas (Mand. 9), ebenso ver-theidigt Origenes die Nothwendigkeit undNützlichkeit des Gebetes gegen die Ein-würfe einiger Pseudo-Spiritualisten seinerZeit (Lib. de orat. c. 5 f.). So erscheintdenn das Christenthum nicht bloss in derapostolischen, sondern auch in der unmit-telbar nachapostolischen Zeit wesentlich alseine Religion des Gebetes. — Für die Folge-zeit greifen wir nach einem Beweise, deran dieser Stelle so recht an seinem Platzeist. Den Gebetsgeist unter den Christenzu erhalten und anzuregen, hielt man fürso wichtig, dass man den darauf bezüg-lichen Unterricht nicht bloss für das münd-liche und schriftliche Wort, sondern vonden frühesten Zeiten an auch durch bild-liche Darstellungen zu beleben suchte. Aufden Wänden der Katakomben findet mantheils wirkliche, theils allegorische Personenvorgeführt, deren Stellung ganz der vonden Kirchenschriftstellern für das G. vorge-schriebenen Haltung entspricht. Wir sehensie — damit der Gestus anständig bleibe —nicht mit allzu hoch emporgestreckten, son-dern nur mässig in Kreuzesform erhobenenHänden (vgl. Tertull. De orat. c. 17). Schonder Anblick solcher Darstellungen an sichwar geeignet, die Christen an die Gebets-pfiicht zu erinnern. Hiezu kam dann weiter,dass es wol meistens Abgeschiedene, bez.Heilige waren, deren Andenken durch einBild verkörpert wurde. Stellte man sichselbst die bereits in die jenseitige Kircheaufgenommenen Glieder vorzugsweise als