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Erster Band. A - H.
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Gebet.

der die Zeit von der neunten Stunde an bisSonnenuntergang umfasste. ,Man muss auchin der Frühe beten, um die Auferstehungdes Herrn durch das Morgengebet zu feiern. 1Ebenso muss man, ,wenn die Sonne unter-geht und der Tag zum Schlüsse sich neigt,nothwendig (necessario) wieder beten. Dennweil Christus die wahre Sonne und derwahre Tag ist, so flehen wir, wenn wirbeim Untergang der Sonne und des zeit-lichen Tages beten und bitten, dass dasLicht über uns von Neuem aufgehe, umdie Ankunft Christi , welche die Gnade desewigen Lichtes bringen wird 1 ( Cijpr . 1. c.).Hienach haben mit der Erscheinung Christider Morgen und Abend eine solche Bedeu-tung erlangt, dass sie sich dem Christenals nothwendige Gebetsstunden empfahlen,obschon sie nicht, wie die drei anderenStunden, in der apostolischen Zeit einegleiche Auszeichnung gefunden haben. Esfragt sich, ob von Anfang an oder erst spä-ter, etwa wie Probst (Lehre und Gebet inden drei ersten Jahrh., Tiibing. 1871, 343)meint, ,zu Ende des 2. oder Anfang des3. Jahrh. das gemeinschaftliche Morgen- undAbendgebet zu den drei apostolischen Ge-betsstunden als vierte und fünfte hin-zukam 4 . Letztere Ansicht stützt sich vor-zugsweise auf die oben aus Cyprian citirteStelle, wonach zu den ,von Alters her 1 (an-tiquitus) beobachteten Gebetsstunden späternoch neue hinzugekommen seien. Indessbezieht sich das antiquitus nicht auf diezur Apostelzeit, sondern auf die schon invorchristlicher Zeit üblichen Gebetsstunden.Dies ersieht man leicht aus dem Zusammen-hang und erhellt auch aus dem Umstande,dass die Motive für das gemeinschaftlicheMorgen- und Abendgebet nicht erst zuEnde des 2. oder Anfang des 3. Jahrh. auf-kamen, sondern ebenso sehr in der aposto-lischen Zeit galten, wie die für die Gemein-schaftlichkeit des Gebetes an den drei an-deren Stunden. In der Frühe sollen wirnämlich beten, weil Christus am Morgenauferstanden; am Abend, weil Christus diewahre Sonne ist, die auch in der Nachtihren Glanz nicht verliert: zwei Beweg-gründe , die selbstverständlich nicht erstnachträglich, sondern mit dem Christenthumselbst Geltung erhielten. Wie also die dritte,sechste und neunte Stunde, so waren auchder Morgen und Abend ,von Alters her 1feierliche, soviel als möglich öffentliche undgemeinschaftliche Gebetsstunden.

Der Gedanke, dass Christus gemäss derhl. Schrift ,die wahre Sonne und der wahreTag ist 1 , gab zur Erweiterung der Gebets-zeit selbst über den Tag hinaus willkom-menen Anlass. ,Wir, die wir in Christus,das heisst in der wahren Sonne und imwahren Tage sind 1 , sollen nicht nur den

ganzen Tag, sondern auch in der Nachtdem G. obliegen, ,weil es für die Söhnedes Lichts auch in der Nacht Tag ist. Dennwann ist der ohne Licht, welcher das Lichtim Herzen trägt? Oder wann fehlt dem-jenigen Sonne und Tag, dem Christus Sonne und Tag ist? 1 ( Cijpr. 1. c. c. 35.) Wie manaber die Vorschrift, ,allzeit zu beten 1 , durchdie an bestimmte Stunden des Tages ge-knüpften Gebete Leben und Gestalt ge-winnen liess, so begnügte man sich auchnicht, das G. zur Nachtzeit im Allgemeinenzu empfehlen, sondern man forderte auchspezielle Gebetsübungen, öffentliche oderprivate. ,Wenn er (Christus) die ganzeNacht hindurch betete, immerfort wachend,in beständigem G. flehte, um wieviel mehrsollen wir in häufigem G. die Nacht durch-wachen 1 ( Cypr . 1. c. c. 29). Tertullian zu-folge vergassen die Christen selbst ,bei Nachtdes Wachens 1 nicht (De orat. c. ult.) undbeobachteten grosse Mässigung bei den Aga-pen, um sich nicht für die Anbetung Got-tes während der Nacht unfähig zu machen(Apolog. c. 39). Scheint hier zunächst dasprivate nächtliche G. angedeutet zu sein,so werden anderwärts gemeinsame nächt-liche Zusammenkünfte ganz klar voraus-gesetzt , und zwar sowol solche, zu denenman sich mitten in der Nacht hinbegab, alsauch eigentliche Pannychien, wie die Oster-vigil, während welcher man die ganze Nachthindurch im G. verharrte (Ad ux. II, c. 4).Vorzüglich wurden die Gedächtnisstage derMärtyrer durch Vigilien gefeiert. Die Nachtvor seinem Tode brachte Cyprian imHause des Proconsuls zu, während daschristliche Volk nicht von der Tliüre desPalastes wich. Wenn nun Pontius , seinBiograph, hinzufugt: ,Gottes Güte gestatteteihm, als einem wahrhaft Würdigen, dassdas Volk Gottes selbst an des PriestersTodestage wachte 1 , so lässt er einen Un-terschied zwischen ihm und den übrigenMärtyrern klar hervorleuchten. Währendman diese durch Vigilien an den alljährlichnach ihrem Tode wiederkelirenden Nata-litien ehrte, feierte man beim hl. Cyprianschon den Tag selbst, an dem er gemartertwurde, durch eine Vigil. Das Vorhanden-sein der Vigilien bereits vor dem 4. Jahrh.kann hiernach keinem Zweifel unterliegen.

Die drei .apostolischen Horen 1 (Terz, Sextund Non), (las Morgen- und Abendgebet,sowie die Vigilien müssen als gemeinschaft-liche gottesdienstliche Functionen angesehenwerden und nicht etwa bloss als solche, diemeistens ,der Privatandacht des Einzelnenüberlassen blieben 1 (.Katholik 1 , Sept. 1873,317). Ueber die häufigen Zusammenkünfteder Christen zu gemeinschaftlichem G. wirdman sich nicht wundern, wenn man einer-seits die Notli der Zeit und die damalige