Band 
Erster Band. A - H.
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Gebet.

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Wirkung der Seele und des Leibes, des in-nern und äussern Menschen in und aufeinander, werden die geistigen Vorgängeund Bewegungen in der Regel einen ent-sprechenden Ausdruck nach aussen finden,ohne dass jedoch eben durch den Grundihres Ursprungs eine Verflüchtigung der-selben in blosse Aeusserlichkeiten erfolge.So erhält das echte Gebet die Form undGestalt der Kirche, die ebenfalls innerlichund äusserlich zugleich ist. Der hl. Cyprian ist es, dem wir diese Auffassung verdanken.Derselbe nimmt keinen Anstand, die alt-testamentliclie Anna ein ,Vorbild der Kirche 4zu nennen, weil sie ,nicht mit schreienderBitte, sondern still und bescheiden im Win-kel ihres Herzens betete ... Sie redete,sagt von ihr die Schrift, in ihrem Herzenund ihre Lippen bewegten sich; ihre Stimmeaber wurde nicht gehört und Gott erhörtesie 1 (De orat. dom. c. 5; vgl. I Kön. 1, 13).Auch dem hl. Chrysostomus (Hom. 19 inMatth , c. 3) gilt diese Anna als ein Typusechter Gemüthserhebung zu Gott . Aus demUmstande aber, dass Anna dem hl. Cyprianzufolge ein ,Vorbild der Kirche 4 ist, weilsie gut betete, folgt nothwendig, dass nachihm die Kirche die wahre Gebetsform ent-halte und dass die Gläubigen von ihr ler-nen müssen, wie das G. stattfinden soll.Es ist hier zunächst nur Rede vom öffent-lichen G., weil das private sich der Con-trole des äussern Forums der Kirche ent-zieht. Ueber die Hai tung der Gläubigenbeim G. fehlt es in der That nicht an kla-ren Bestimmungen, die insgesammt der jedes-maligen Erscheinung der Kirche oder demjeweiligen Bedürfniss der Gläubigen genauentsprechen. Im Allgemeinen wird bemerkt,dass man beim Gespräche mit Gott wenigstensdieselbe Aufmerksamkeit, denselben äussernAnstand, dasselbe massvollo Benehmen zubeobachten habe, wie es bei einer gewöhn-lichen Rede mit Menschen, die man füreinen gewissen Zweck gewinnen will, zugeschehen pflegt. Die ganze äussere Hal-tung des Bittenden muss der Majestät des-jenigen entsprechen, dem man seine Bittevorträgt. ,I)es Bittenden Rede und G. seizüchtig, ruhig und ehrerbietig. Wir müssenbedenken, dass wir vor Gottes Angesichtstehen. Wir müssen Gottes Augen gefallendurch die Haltung des Körpers und denTon der Stimme 4 ( Cypr. 1. c. c. 4; cfr. Tert.De orat. c. 17). Dazu soll alles Aeusserebeim G. nur der Ausdruck des Innern sein.-Derjenige, welcher innen im Herzen wohnt,der sei auch in der Stimme 4 (Cypr. 1. c.c - 3). Es lässt sich denken, mit welch’scharfem Griffel von diesem Standpunkteaus das andachtslose und unaufmerksameGr. gezeichnet, die Unsitte, ,etwas Anderesim Herzen und etwas Anderes im Munde

zu haben 4 , verurteilt wurde. ,Welch eineLässigkeit, sich durch unschickliche und un-heilige Gedanken ablenken und fortreissenlassen, wenn du den Herrn bittest, als gäbees etwas Anderes, woran du mehr denkensolltest, als an das, was du mit Gott sprichst.Wie verlangst du von Gott gehört zu wer-den, da du dich selbst nicht hörst? Duwillst, dass Gott deiner gedenke, wenn dubetest, und du selbst gedenkst deiner nicht. . . Das heisst mit den Augen wachen undmit dem Herzen schlafen, da doch der Christ,auch wenn er schläft, mit dem Herzen wa-chen soll 4 (Cypr. 1 . c. c. 3). Hiernach sol-len wie bei der Kirche, so auch beim G.Inneres und Aeusseres Zusammengehen, dochso, dass jenes die Hauptsache bleibt, diesesnur als Kundgebung und Erscheinung deslebendigen Geistes sich darstellt.

Gehen wir jetzt zu den verschiedenenHaltungsarten beim G. über, so habenwir deren streng genommen nur zwei zuunterscheiden, nämlich das Stehen und dasIv n i e e n; alle anderen Haltungen, wie dasErheben und Ausstrecken der Hände, dasKlopfen an die Brust, das Niederlegen desAngesichtes zur Erde, sind nicht so sehrselbständige, als vielmehr theils mit demStehen, theils mit dem Knieen verbundeneFormen. Anlangend zuerst das Stehen,so hielten es die Christen nach Tertullian (De coron. c. 3) für Unrecht, am Sonntagknieend zu beten. Eben desselben Vorrechts,fährt er fort, gemessen wir von Pascha bisPfingsten. An den Sonntagen nämlich unddie ganze Osterzeit hindurch begeht dieKirche das Andenken an die Auferstehungdes Herrn, mit welcher Feier sich keineTrauer, kein ,Anzeichen von Furcht 4 (Tert.De orat. c. 23) verträgt. Desshalb ist derBrauch, binnen der genannten Zeit stehendzu beten, gewiss sehr alt und fällt wahr-scheinlich mit den Anfängen des Christen-thums zusammen. Der hl. Hilarius nenntihn eine apostolische Ueberlieferung (Pro-log. in Ps. c. 12), während der hl. Augu-stinus, obwol darüber ungewiss, ob er über-all herrsche, darin ein Andenken an dieAuferstehung Christi findet ((Ep. 55, al. 119ad Ianuar.). Aber auch unsere Auferste-hung wird durch die stehende Haltung beimBeten versinnbildet. An den Sonntagen undden sieben Wochen trjc lEpäc ravrYp/.oa-cijjbeten wir, sagt der hl. Basilius (De spirit.s. c. 27), in aufrechter Stellung (öpfioi),nicht nur desshalb, weil wir selbst durchChristi Auferstehung wieder aufgerichtetund verpflichtet wurden, zu suchen, wasdroben ist, sondern auch, weil jener Tag(Ostersonntag) ,gleichsam ein Bild der zu-künftigen Zeit ist 4 . Da binnen derselbenFrist auch das Fasten verboten war (Tert.1. c.; Epiph. Expos, fid. c. 22), so lässt