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Gestus.
den Herrn in der genannten Weise dieFinger ausstrecken, wo er dem Petrus dieVerleugnung vorhersagt; auf einem Ge-mälde in den Katakomben der hl. Agnes0 Garrucci Storia tav. 64) sitzen sieben Per-sonen in einem Halbkreise; dass sie miteinander sich unterreden, ist dadurch an-gezeigt, dass fünf von ihnen in derselbenWeise, wie oben, die Hand halten. Wenndaher bei der Darstellung der Schöpfungdes Menschen auf dem bekannten latera-nensischen Sarkophag die zweite Person derGottheit die Eva Gott Vater vorstellt, unddieser die Hand mit den zwei ausgestreck-ten Fingern gegen sie erhebt, so ist daskein Act des Segnens, sondern es soll da-durch ausgedrückt werden, dass durch dasW o r t Eva geschaffen worden. Das Gleichegilt von der Hand, die vom Himmel her!nach jetziger Weise segnend erscheint, als |Symbol des Herrn, der zu Abraham, zuMoses, zu Isaias und Saulus redet. Daher jdarf man aucli die bekannte Bronzestatue Ides Apostelfürsten in S. Peter, welche die- jselbe Haltung der Rechten zeigt, nicht füreinen segnenden Petrus halten; der Apostelist vielmehr als der Lehrer gedacht, derauf der Kathedra sitzend die Wahrheit ver-kündigt. Uebrigens sei noch bemerkt, dassdas Ausstrecken der Hand ad instar ora-torum auf den Monumenten der ersten dreiJahrhunderte nur höchst vereinzelt vor-kommt, während es uns auf den späteren,zumal auf den Sarkophagen, ungemein oftbegegnet.
Ein anderer uns fremder G. symbolisirtKummer und Trauer und besteht darin,dass die Leidtragenden das Kinn mit derHand halten. In dieser Weise ist in derRegel Pilatus dargestellt, wie er, durch dasDrängen der Juden gezwungen, wider Wil-len das Todesurteil über den Heiland aus-spricht; in derselben Weise erscheinen aufspäteren Bildern Maria und Johannes, undselbst die Bilder der Sonne und des Mon-des beim Tode des Herrn. Der höchsteSchmerz prägt sich aus im Ausstrecken derArme und bei den Frauen durch das auf-gelöste Haar und Entblössen der Brüste.So sehen wir auf einem Elfenbein-Diptychonder Kathedrale zu Mailand aus dem Anfangdes 5. Jahrh. die Mütter heim Kindermordzu Bethlehem dargestellt; ein Gleiches be-gegnet uns auf mehreren Fresken der Un-terkirche von S. Clemente . Die Katakom-benbilder und selbst die älteren Sculpturenauf den Sarkophagen haben derartige Dar- |Stellungen nicht; denn der christlichen Kunstder frühem Zeit ist die Wiedergabe hefti-ger Affecte fremd. i
Gehören die genannten Gesten dem ge -1wohnlichen Leben an, so weisen uns dieMonumente gewisse, der christlichen Kunst i
eigenthümliche und in ihr conventioneileGesten auf. Dahin gehört zunächst, dassdie Figuren, welche hl. Gegenstände ent-gegennehmen, dieselben regelmässig aufverhüllten Händen empfangen. -So bekommtPetrus die Lex Domini und die Schlüssel,Elisaeus den Mantel des Elias, der in dieHerrlichkeit Christi aufgenommene Heiligeseine Krone, wie hinwiederum die Heiligenihre Kronen auf verhüllten Händen dementgegentragen, durch dessen Gnade siedieselben errungen haben. Weiterhin istder Schutz, den ein Heiliger seinem Ver-ehrer zu Theil werden lassen soll, auf denBildern dadurch ausgedrückt, dass jenerdiesem die Hand auf die Schulter legt. Aufdem Mosaik von S. Marco zu Rom legt derhl. Marcus dem Papst Gregor, in S. Cae-cilia die Heilige dem Papst Paschalis dieHand auf die Schulter. Und da der höchsteSchutz sich darin offenhart, dass die Heili-gen uns helfen, den Himmel zu erlangen,so sehen wir auf (lein Mosaik in S. Vitalezu Ravenna neben dem hl. Vitalis, der aufverhüllten Händen die Krone von Christusempfängt, den Erzengel Michael , welcherihm die Iland auf die Schulter legt; dasGleiche ist der Fall auf dem Mosaik in S.Prassede zu Rom , wo die Apostelfürstenden beiden Schwestern Praxedis und Pu-dentiana die Hand auf die Schultern legen,während sie mit der andern einladend aufden Herrn hinweisen, der in der Mittethront (Ciampini Monum. I, tab. 19, 37,52 u. a.). Die constante Gleichmässigkeitdieser beiden G. muss einen gemeinsamenGrund haben, und sie hat ihn in der Litur-gie, nämlich besonders im Empfang der hl.
! Communion und in der Assistenz der Tauf-j patlien.
Kein G. begegnet uns auf den Monu-! menten häufiger, als der des Gebetes mitj erhobenen Händen. Wir finden kaum eine[bemalte Kapelle, in welcher nicht aucheine Orante abgebildet wäre; aber auchdie spätere Zeit weist uns eine Menge vonBildern auf, wo die betenden Personen mitausgestreckten Armen dargestellt sind. Wirerinnern nur an das Bild des hl. Mennasauf den Oelkrüglein, an das des Daniel inder Löwengrube in der Unterkirche vonS. Clemente . Was nun die Haltung beimGebet und besonders beim öffentlichen Got-tesdienste betrifft, so gab es dafür bei Ju-den und Heiden bestimmte Vorschriften.Die Römer pflegten sich beim Opfern dasHaupt oder eigentlich die Ohren zu ver-hüllen , um keinen Laut übler Vorbe-deutung zu vernehmen; nur wenn mannach griechischem Ritus opferte, war dasHaupt unverlnillt. Weiterhin betete manstehend, nach Osten schauend und die Händezum Himmel erhoben; letzteres bezeugt