100
Katakomben.
kehrte. Dies geschah durch seinen weitbedeutendem Schüler, den römischen Edel-mann Giovanni Battista de Rossi, der sich,auf allen Gebieten der Archäologie und Epi-graphik Meister, vorzugsweise den christ-lichen Antiquitäten widmete und auf diesemFelde sich zum unbestrittenen Führer undFürsten aller anderen Forscher machte.Das Glück hat nie einen Würdigem be-günstigt. Eine grossartige Beherrschung deraltchristlichen und mittelalterlichen Litte-ratur setzte zunächst de Rossi in Stand,weitere literarische Quellen und Hülfsmittelzur Herstellung einer Topographie der K.aufzufinden und wesentliche Irrthümer Bo-sio’s und seiner Nachfolger, z. B. in Bezugauf die wahre Lage der Coemeterien ander appischen Strasse, zu berichtigen. Dannaber wurden diese Untersuchungen gekröntdurch einen beispiellos glücklichen Erfolgder Nachgrabungen, welche de Rossi alsmassgebendes Mitglied der Commissione disacra archeologia anstellte, bei welchen ersich der erspriesslichsten Unterstützungdurch seinen Bruder, den Geologen MicheleStefano de Rossi, der besondern Gunst undProtection Pius’ IX zu erfreuen hatte. EineReihe ausgezeichneter historischer Krypten,vorab die im J. 1851 aufgedecktc Papst-gruft in S. Callisto, bilden den Glanzpunktseiner Entdeckungen, mit welchen die ge-lehrte Welt in verschiedenen grossen Wer-ken bekannt gemacht wurde. So zunächstin dem Bidletino di archeologia sacra, wel-ches seit 1803 erscheint und regelmässigüber die neuesten Ausgrabungen Nachrichtgiebt; dann in seiner grossen Roma Sot-terranea (1—IH, Roma 1804—1877) undseiner Sammlung der christlichen Inschrif-ten Roms (fnscriptiones Christ, urb. Romae.I. Romae 1801). Nächst de Rossi hat Raf-faele Garrucci ein unbestreitbares Verdienstdurch seine verschiedenen Schriften (llagio-glypta s. picturae et sculpturae sacrae antiq.praesertim quae Romae reperiuntur, explie.a loanne flleureux [Maeario|, Lut. Paris.1850, 8°; Vetri ornati di figure in oro tro-vati nei cimiteri dei cristiani primitivi di !Roma, Roma 1858; 2. ed. Roma 1804, 4°; 'Cimitero degli antichi Ehrei in Vigna Ran-danini, Roma 1802; Nuove epigrafo giu-daiche di Vigna Randanini, eb.; Epigrammecrist. dei primi secoli, eb.; Les mysteres dusyncretisme phrygien dans les catacombesromaines de Pretextat, in Martin et Cahier’sMelanges IV, Paris 1854, 8°; Storia del-l’arte cristiana, Prato 1873 11'., fob). Weitermüssen die Studien von de Rossi’s Schü-lern: Henri/ Stevenson, Mariano Armellini,Orazio Marucchi, rühmend hervorgehobenwerden. Die Resultate dieser Forschungsuchten Deshassains de Richemont und Ai-lant dem französischen, Xorthcote und
Brownlow dem englischen, der Heraus-geber dieses Buches dem deutschen, neue-stens Centerwall dem schwedischen Publi-cum zu erschliessen, während protestan-tische Gelehrte, wie Victor Schidtze (Archäo-logische Studien über altchristliche Monu-mente, Wien 1880, und: Die Katakomben,Leipzig 1882) und Roller (Les catacombesde Rome, Paris 1881) gegen die de Rossi’-sche Schule und ihre angeblich von katho-lisch-confessionellen Gesichtspunkten gelei-tete Forschung Opposition erhoben.
Was die ausserhalb Roms gelegenen K.anlangt, so haben Jorio, Scherillo, Galante,Scdazaro, Taglialatela, Stornaiuolo, VictorSchultze die neapolitanischen, Cavallari,Victor Schidtze und der Herausgeber dieSyracusaner K. untersucht. Notizen überdie K. von Melos verdanken wir Rost,solche über die K. von Alexandrien Wescher.
HI. Die litterarischen Quellen desAlterthums und des MA.s, welche für dieTopographie und Geschichte der K. haupt-sächlich in Betracht kommen, sind in Kürzefolgende: a) Das Martyrologium Hiero-nymianum (ed. Fiorontini, Lucea 1068),welches in seiner gegenwärtigen Gestaltzwar schwerlich über das 7. Jahrh. hinaus-geht, aber gewiss Bruchstücke weit älterer,noch in die Zeit der Verfolgung fallenderAufzeichnungen enthält, b) Der Alma-nacli des Furius Dionysius Philocalus vomJ. 354, welchen der Jesuit Aegidius Bücher(De doctrina temporum, Antverp. 1034),dann zuerst kritisch Mommsen (Uebcr denChronographen vom J. 354, Abhandl. derphil.-hist. Klasse der kgl. sächs. Goselisch,der Wissensch. L 1850, t!34—G37, dazu582—585, 537 ff.) horausgegebon haben.Hier bildet namentlich die nach der wohl-begründeten Vermuthung de Rossi’s auf dioListen der römischen Stadtpräfectur zurück-gchondo Depositio episcoporum eine Ur-kunde allerersten Ranges, e) Dio von demPapste Damasus in den historischenKrypten der K. angebrachten Inschriftenund Epigrammata, welche tlieils noch inden seiiönen, von Philocalus ausgeführtenOriginalien, tlieils handschriftlich auf unsgekommen sind, d) Der Liber pontificalisdes Anastasius Bibliothecarins, dessen älte-ster Kern noch in das christliche Alterthumhinaufgeht, dessen früheste Rocension spä-testens dem 7., wahrscheinlich dem (i. Jahrh.angehört, e) Erwähnungen der Coemete-rien in den topographischen Stadtbeschrei-bungen, von denen allerdings die älterenNotitiae nichts über sie enthalten. In Be-tracht kommen hier der Al in an ach desBolemius Silvias (443), des Syrers Zacha-rias Beschreibung Roms (540), ein Ver-zeichniss der römischen Coemeterien ausdem 10., eines aus dem II. Jahrh., beide