Lectionarium — Lector.
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LECTIONARIUM. Die nach dem Vor-bild der Synagoge und nach der Vorschriftdes Apostels (Kol. 4, 16; I Thess. 5, 27)in der Kirche eingeführten und von denältesten Schriftstellern ( lustin. Apol. I 67 ;Tertull. Apol. 39, de praescript. 36; Const.aposl. VIII 5 u. A.) bezeugten Lesungenaus den Schriften des A. und N. T. wur-den ursprünglich aus dem oder den Co-dices der hl. Bücher selbst vorgetragen,wofür ein schon bei Tertullian De prae-script. 41 nachweisbares Kirchenamt, dasLectörat, bestand. Die Auswahl der Lese-stücke stand dem Bischof zu, auch dannnoch, als die Zahl der Lesebücher (Bibel-canon) bereits definitiv festgesetzt war;doch bildete sieh frühzeitig, zumal fürdie höheren Feste, ein bestimmter Ordolectionum, von dem man nicht gerne ab-ging, wie der hl. Augustin ausdrücklichbezeugt (Tractat. in Epist. Joannis ad Par-thos prolog.: solemnitas ss. dierum, quibuscertas ex evangelio lectiones oportet inecclesia recitare, quae ita sunt annuae,nt aliae esse non possint). Je mehr dieGewohnheit, am gleichen Tag das Gleichezu lesen, sich befestigte, desto mehr be-durfte man eines Verzeichnisses , welchesdie Lesungen nach Buch, sowie Anfang undSchluss genau bezeichnete. So entstandder Comes (s. d. Art. I 313), der in derrömischen Kirche auf den hl. Hieronymuszurückgeführt wird. Um dieselbe Zeit°der noch früher hob man die Leseab-Se hnitte aus den hl. Büchern heraus und? c hrieb sie nach der Ordnung des Kirchen-jahres in ein besonderes Buch. So ent-band das L., nach Anastasius (zu Papstpenedict III 855—858) textus voluminis,*n quo constant verae praedicationis PauliVl delicet Apostoli et aliorum Apostolorume pistolae atque Prophetarum ordinabiliterc °nstitutae lectiones, nach Agobard (Deunrrectione Antipli., cap. 19) iiber lectio-Uum ex divinis libris congrua ratione col-actug. Es gab besondere Lectionarienur die Lesungen des Officiums, besondereur die der Messe, manche enthielten nurie sog. Episteln und hiessen dann Apo-*°Jns, andere nur die Evangelien undurden Evangeliaria genannt, wieder an-' ai*e umfassten sämmtliche zur Messe ge-al 0T 'rf n ^ jeses tücke und wurden desswegens Plenaria bezeichnet. Da die Sacra-entarien gewöhnlich nur den Ordo missaend di e Gebete enthielten, so gingen dieectionarien wie die Antiphonarien im li-j r S ls ehen Dienst Jahrhunderte lang nebeng n ® e 'ben einher, bis endlich sämmtlicheestandtheile der Messliturgie im Missalec narium gesammelt wurden.
Wi' w < * er g riec bischen Kirche war der Ent-c lungsgang ein ähnlicher. Auch sieUeal-Encyklopädle. II.
gebrauchte unter ihren zahlreichen litur-
f ischen Büchern das devot? vuxjxtxov, dentzost oXof, auch npa^airodtoXoc genannt,sowie das eöa? 7 £Xiov oder eda-fceXtaxapiov.
Zur Litteratur: Leo Allatius De libriset rebus ecclesiasticis Graecorum. Paris.1646; Cardinal Thomasius Antiqui libriMissarum Rom. Ecclesiae, Rom. 1691;Bona Rerum liturg. T. II 331 ff., T. III119 ff.; Marlene De antiquis eccl. ritib. I371 ff.; Schmid De primitivae ecclesiaelectionibus, Heimst. 1697, und De lectio-nariis utriusque ecclesiae, ibid.; AugustiDenkwürdigkeiten VI 75 ff.,.XII 285 ff. —Zwei uralte gallicanische Lectionarien hatMabillon edirt, das eine mit dem Sacra-mentar des Klosters Bobbio ,(Mus. Italic.T. I), das andere aus dem Kloster Luxeuil,im 2. Buch der Liturgia gallicana, Paris.1729. SCHILL.
LECTOR, ÄvaYvcosTTjC. Sind die nie-dern Ordines überhaupt nicht nach Be-lieben, sondern, wie in der apostolischenZeit das Diakonat, nach Bedürfniss entstan-den (vgl. Summ. s. Thom. III 37, 2. suppl.),so muss unstreitig das Lectörat einer derältesten sein, weil Lesungen allezeit beimchristlichen Gottesdienst stattfanden undderen Vornahme durch geweihte Dieneranfangs gewiss nicht minder schicklichund erwünscht schien, als in späterer Zeit.Sobald darum die Diakonen für die Be-sorgung des niedern Kirchendienstes nichtmehr ausreichten, da stellte sich das Be-dürfniss nach eigenen, für die Lesungenbestimmten Dienern ein. Schon der hl.Iustiti (Apol. I 67) erwähnt den Vorleser(L<r'i-pu>3y.<uv) in einer Weise, die auf dasVorhandensein eines wirklichen Lectorats-ordo um die Mitte des 2. Jahrh. schlies-sen lässt. Diese Vermuthung wird zurGewissheit durch die vor Kurzem in derKatakombe S. Agnese gefundene Inschrift,Favor Lector“, die nach de Rossi (Bull.1871, 31) ein älteres Zeugniss für die Exi-stenz des Lectorats darbietet, als Tertul-lian s Werk De praescr. c. 41, das ihmbis dahin als das älteste erschien. Indieser um das J. 200 verfassten Schriftheisst es: ,die Ordinationen bei den Häre-tikern sind übereilt, leichtsinnig, unbe-ständig ... So ist heute Jemand Diakon,der morgen wieder als Lector erscheint.“Abgesehen davon, dass hier das Lectöratausdrücklich und zwar von den niedernWeihen allein unter die Ordines gerech-net wird, ist auch noch die Zusammen-stellung des Diakonats mit dem Lectöratfür die Frage nach dem Alter des letztemnicht ohne Bedeutung. Dass sich nämlichdie niederen Ordines aus dem Diakonatentfaltet haben, gilt bei den Theologen
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