332
Liturgieen.
lieh ehrwürdigen Fassung und dem ebensoeinfachen als reichen Inhalt vieler der-selben noch zu controvertiren.
Zur Litteratur über die lateinischen L.überhaupt und die römische insbesondere:Pamelius Liturgicon latinum, Colon. 1571u. ö. Muratori Liturg. Rom. vet., Yenet.1748, mit vortrefflicher Dissertation. Diedrei Sacramentare ausserdem in den Wer-ken der Päpste Leo I, Gelasius I undGregor I bei Migne Ser. lat. t. 74 u. 78.Assemani Cod. liturg. eccl. univ., Romae1749 sq. Daniel Cod. liturg. eccl. rom.-cathol., in epit. red. Lips. 1847. HittorpDe divinis eccl. cathol. officiis et mysteriisvarii vetustorum aliquot eccles. Patr. etScriptor. libri, Par. 1619 (Sammelwerk).I. M. Thomasius Op. omn. ed. Vezzosi, Roma i1747. Bona Rer. liturg. libri duo, Romae1672. Martine- De ant. eccl. rit., Rothom.1700. Zaccaria Biblioth. rit., Rom. 1776 sq.Gavanti-Merati Thesaur. rit., Yenet. 1762.Le Brun Explication des prieres et descerem. de la Messe, Paris 1777. KrazerDe apost. nec non antiq. liturg., Aug.Yind. 1786.
Aus dem laufenden Jahrhundert seiennoch erwähnt: Brenner Geschieht! Darst.der Verrichtung und Ausspendung derEucharistie, Bamb. 1824. Dollinger DieEucharistie der drei ersten Jahrh., Mainz1826. Lienhart De antiq. liturg., Argen-torat. 1829. Marzohl u. Schneller Liturg.sacra, Bd. II, Luzern 1835. Die im Textgenannten Schriften von Mone und Probst.Kössing Die hl. Messe, Regensburg 1856.Gueranger Institutions liturgiques, Paris1840 s. Neale Essays on Liturgiology,London 1863. Gräser Die röm.-kath. Li-turgie nach Entstehung und Ausbildung,Halle 1829. Endlich von den Schriftenüber Archäologie die ,Denkwürdigkeiten 4von Augusti Bd. IV; Binterim Bd. IV,Abth. III u. s. w.
Die Liturgie der mailändischenKirche. Schon vor den römischen Päp-sten hatte der hl. Ambrosius, Bischofvon Mailand (f 397), als liturgischer Or-ganisator hohen Ruhm erlangt. Wennauch die Gründung der mailändischenKirche durch den Apostel Barnabas indas Reich der Fabeln gehört und dieliturgische Thätigkeit des ersten BischofsAnathalon und seines sechsten Nach-folgers Miro des nicht mehr festzustellenist, so bleibt doch gewiss, dass die mai-ländische Liturgie aus einer griechischenHeimat kam und ausser den unwandel-baren Bestandtheilen jeder Liturgie dieältesten Formen mit grosser Treue be-wahrt hat. Erscheint danach der hl. Am-brosius nicht sowol als Urheber dennvielmehr als Ordner der Liturgie, so ist
j gleichwol die Veränderung, welche dieLiturgie unter seiner Hand erfuhr, sehr[bedeutend. Vor Allem führte er aus An-lass einer Verfolgung die orientalischePsalmodie und den Hymnengesang in denGottesdienst ein, wie sein Biograph Pau-linus und Augustin (Conf. IX 7) ausdrück-lich bezeugen. Sodann ordnete Ambro-sius das überlieferte Sacramentar, welchesneben dem Kanon besonders die Gebeteund Praefationen enthielt, bestimmte diePerikopen und verfasste wahrscheinlichdas Antiphonar ganz selbständig (Epist.Pauli et Gebehardi bei Mabillon Mus. ital.I 96). Seinem von Augustin (Ep. 54 adIan. c. 2) bezeugten Grundsätze: ad quamforte ecclesiam veneris, eius morem servagetreu, ist der Heilige sicher mit dergrössten Pietät gegen das Ueberlieferteverfahren; doch dürften ausser den Messenfür Heiligenfeste, die durch ihn eingeführtwurden (Gervas und Protas, Nazarius undCelsus, Vitalis und Agricola) eine beträcht-liche Anzahl Orationen, Praefationen u.dgl. den grossen Mann zum Urheber haben.
Nicht minder zweifelhaft ist nach demdermaligen Stand der Textgeschichte die-ser Liturgie das Verhältniss des hl. Am-brosius zu den Texten, die später undjetzt als ,ambrosianische Liturgie 1 figuri-ren. Denn die erste gedruckte Editiondes Pamelius (Missae Ambros. Praefat. etorat. totius anni in seinem Liturgicon lat.,Colon. 1571) weicht von den seit KarlBorromaeus zahlreich veranstalteten offi-ciellen Ausgaben der Mailänder Erzbischöfe(Missale 1560 durch den hl. Karl, 1645durch Erzb. Monte, 1712 durch Card. Ar-chinto, 1831 durch Card. Gaisrucku. s. w.),wie von den Handschriften der Ambrosianaerheblich ab. Ueberdies bezeugt Monteselbst die vorgenommenen Aenderungenin einer Weise, die einen weiten Rahmenzulässt: nonnulla immutari, quaedam ad-imi, aliaque etiam addi iussimus, proutres ipsa nobis postularo visa est. Bei allerZähigkeit, mit der die Mailänder am eige-nen Ritus hielten und noch halten, scheintdoch die Annäherung an die römischeLiturgie frühzeitig erstrebt und für dieVeränderungen einflussreich gewesen zusein. Jedenfalls ist Mabillons Versicherungvon der Uniformität der ambrosianischen
Liturgie seit der Zeit Karls d. Gr. hin-fällig- • „1.
Der Ordo missae selbst ist dieser: naenzwei' Privatgebeten zum Hingang beginntder Priester mit Psalm 42, wie in derrömischen Liturgie. Ursprünglich scheintaber Psalm 117 an der Stelle gestandenzu haben, wovon noch der erste Vers vordem Confiteor geblieben ist. Die Gebetebeim Besteigen des Altars differiren von