Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Mulctra.

ders II, 1061); seit Paschalis II (1099 bis1118) scheint die noch heute bestehendeUebung aufgekommen zu sein, die Brust-bilder der Apostelfürsten Petrus und Pau-lus rechts und links von einem sog. latei-nischen Kreuz mit stark verlängertemYerticalbalken auf dem Avers der Bullenanzubringen.

Manche Aufklärungen über die Bullenhaben neueste Funde gebracht, wie deRossi’s Bolla plumbea papale del secoloin circa decimo scoperta nel foro Bomano,Roma 1882, wo nachstehende Grundsätzeentwickelt werden: 1) die Ordnungszahlder Päpste wird auf den Bullen vor Mittedes 11. Jahrli. nicht angegeben. Der Erste,der sie einführte, war Damasus II (1048),von dem eine Bleibulle im numismatischenCabinet des Yatican aufbewahrt ist. 2) DieBullen vor 855 (Benedict III) schriebenden Papstnamen auf der einen und denTitel Papa auf der andern Seite in hori-zontalen Linien. Aeltere beglaubigte Bul-len als des 7. Jahrh. giebt es nicht. 3) YonBenedict III ab (855) tritt ein neuer Typusein: der Papstname wird im Kreise amäussern Rand der Bulle geschrieben, vorihm ein Kreuz und in dem Mittelraumedes Kreises ein Rad oder Stern gesetzt.Marinus I und Formosus kehrten zu derLegende mit horizontalen Linien zurück.

Für einige Details betr. die mittelalter-lichen Bullen s. Diekamp Zum päpstl. Ur-kundenwesen u. s. f. (Mitth. d. Instit. f.Österreich. Geschichtsf. III 612—627) undEwald Zu den älteren päpstl. Bleibullen(N. A. d. Gesellsch. f. ältere deutsche Ge-schichtskunde IX 633 f., 1884). kraus.

MULCTRA., mulctrale, mulctrum, derMilcheimer, dessen man sich beim Melkenbediente ( Virgil. Eclog. III 30; Georg. III177; Horat. Epod. XVI 49) und in wel-chem man dieMilch in derStadt umher-trug {Galpur n.Eclog. IV 25),findet sichmehrfach inden christli-chen Denkmä-lern darge-stellt. So inder Ilirten-

Fig. 311. Mulctra. Von einemSarkophag (Artnghi I 291).

scene an ei-nem Sarko-phage beiAringhi R. S. I 291 (s. unsere Fig. 311),bei dem zweiten Hirten, der eben gemol-ken zu haben scheint, besonders aber beidem Bilde des guten Hirten, der die M. inder Hand trägt ( Garrucci Yetri 2 , tav. VI 5 ;

Fig. 312. Agnus Dei mit Mulctrain S. Pietro e Marcellino(Bosio R. S. 303).

Buonar. Vetri VI 2; de Bossi R. S. I,tav. XVI; II, tav. XXXIX 10 ; Mus. Tiv.Lat. tav. XIV 6 ), oder sie neben sichstehen hat {Aringhi R. S. II 193; Garrucci1. c. VI 9; Boldetti 402), auch ohne denguten Hirten, aber mit dessen Hirtenstab{Aringhi I 557; Perret II, pl. XXV), voneinem Lamme an dem Hirtenstab getra-gen {Kraus R. S. 2 254); auf einem Altarzwischen zwei Lämmern {de Bossi R. S. I,tav. IX, XII), endlich ohne den Stab,aber von einemNimbus umgebenund mit ange-lehnter Palme aufdem Rücken einesLammes stehend(s. unsere beif.

Fig. 312; AringhiR. S. II 91; Buo-narruoti Vetri p.

XXVII). In denHirtenscenen{Aringhi I 291;

Maff ei Veron. ill.

III 54) mag derMilcheimer vor-zugsweise oder ausschliesslich charakte-risirendes Beiwerk sein, in den übrigenDarstellungen hat er eine symbolische Be-deutung. Wie Garrucci (Vetri 62 sqq.)und vor ihm Buonarruoti (Vetri 31 sqq.)nachgewiesen, war die Milch (s. d. Art.)in der alten Kirche ein Symbol der heil.Eucharistie; auf dieses himmlische Mahl,in welchem der gute Hirt sich selbst unszur Speise und zum Tranke reicht, weistdie M. in der Hand des guten Hirten,oder durch den Hirtenstab als die seinigebezeichnet, oder mit dem Nimbus umgebenauf dem Rücken des siegreichen göttlichenLammes stehend, diesem vollkommenenGegenstück zu dem Fische, welcher denKorb mit Brod und Wein auf seinemRücken trägt {de Bossi R. S. I, tav. VIII).Wo zwischen den Lämmern statt des gutenHirten der Altar mit dem Milcheimer steht,stellt sich uns ein Symbol des hl. Mess-opfers dar, in welchem nicht Wein undBrod, sondern der gute Hirt selbst dar-gebracht und den Gläubigen zur Speiseund zum Tranke dargereicht wird {de BossiR. S. I 349). Diese himmlische Speise istdie Wegzehrung der Gläubigen auf derWanderschaft des irdischen Lebens unddas Unterpfand des ewigen Lebens undder glorreichen Auferstehung: zur Her-vorhebung dieser Beziehung sehen wir alsGegenstück des letztgenannten Gemäldesden Baum, das Symbol dos himmlischenParadieses, auf welchen zwei Vögel, Sym-bole der Seligen, zufliegen {de Bossi R. S.I, tav. XII; Bullet. 1873, 66). Es liegt