Musik.
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bezweifelt werden, und wenn etwas vondem Geiste antik-griechischer M. dem li-turgischen Kirchengesange sich beigemischthaben sollte, so dürfte es eben auf diesemWege geschehen sein. Es ist jedoch zubeachten, dass die ganze Hymnodie biszum 11. Jahrh. noch von dem officiellenliturgischen Kirchengesange ausgeschlos-sen blieb und mehr als das eigentlichechristliche Volkslied dem Privatgebrauchediente. Für die liturgische Feier desGottesdienstes bildete nach wie vor derDavidische Psalter nach Text und Melo-die und somit auch das jüdische Ton-Element die ausschliessliche Grundlage.Mit einem Psalme wurde die Feier derhl. Messe eröffnet, wie schon lustin derMärtyrer im Briefe an Diognet (c. 11) an-deutet , welchem in den ersten juden-christlichen Gemeinden eine Lesung ausden Propheten mit der anschliessendenPredigt nach hergebrachter jüdischer Sittefolgte (Act. Ap. 13, 15. 42. 44). NachAbfassung der Evangelien kam die Lesungder evangelischen Perikopen hinzu, denenspäter, besonders in heidenchristlichenGemeinden, noch ein Abschnitt aus denBriefen der Apostel, Apostelschüler undanderer Gemeinden (vgl. Koloss. 4, 16;Euseb. Hist. eccl. 3, 16) entweder als dritteLesung zwischengeschoben oder an Stelleder Prophezie beigegeben wurde. Zwi-schen diese Lesungen trat immer Psalmen-gesang ( Tertull. Ad uxor. 1, 1; 2, 6; Aug.Sermo 165, 1; Sermo 176, 1; vgl. GerbertI 109) und zwar oft mehrere Psalmen,wie aus einer Bestimmung des Concils vonLaodicaea vom J. 372 hervorgeht, welchesin can. 17 verbietet, mehr als einen Psalmnach jeder Lection zu singen. Beim Of-fertorium während des Opferganges wur-den ebenfalls Psalmen gesungen, desglei-chen bei der Communion der Gläubigen,für welche die ältesten Liturgieen be-stimmte Psalmen vorschreiben, so dieapostol. Constitutionen den 33. Psalm:,benedicam Dominum in omni tempore 1 ,die Liturgie des hl. Marcus den 41. Psalm:,Quemadmodum desiderat cervus 1 (vgl. Aug.Retractat. II, c. 11). So kam also beimGottesdienste der Psalmengesang fast aus-schliesslich zur Anwendung, denn wasausserdem bei der Feier der hl. Messegesungen wurde, beschränkte sich auf diePräfation mit dem Sanctus (Hymnus trium-phalis), das Pater noster und die Begrüs-sungs- und Dankformeln: ,pax vobis, paxvobiscum, Dominus vobiscum, Amen, Deogratias* u. s. w. (vgl. Gerbert D. c. et m.s. I, c. 2). Uebrigens muss noch hervor-gehoben werden, dass auch die Lesestückeselbst, wenigstens an bestimmten Tagen,in einem erhöhten, singenden Tone vor-
getragen wurden, was der hl. Augustinusmit dem Ausdrucke solemniter legere be-zeichnet, so in seinem Sermo 240, 1, woes heisst: ,per hos dies solemniter legun-tur evangelicae lectiones 1 und in Sermo218, 1, wo er erwähnt, dass am Char-freitag die Passion solemniter gelesen werde.Auch hierin schloss sich das Christen-thum dem Judenthume enge an; dennauch bei den Juden wurden die Lesungenaus dem Gesetze und den Propheten ineinem lebhaft ausdrucksvollen, singendenTone vorgetragen, was schon in dem denOrientalen überhaupt eigenen, lebhaft undtieffühlenden Charakter seine natürlicheBegründung haben mochte, vielleicht nochmehr in dem innigen Zusammenhang, inwelchen von dem ganzen Alterthume dieM. zur wahren Beredsamkeit gestellt wurde.Die M. der Alten war vorzugsweise Ge-sang. Singen aber hiess bei den Altender Stimme die dem Sinne eines jedenWortes der Rede. angemessenste Beugungoder Inflexion geben, den schicklichstenTon der Empfindung hören lassen, umdas Herz zu rühren und Ueberredung zubewirken. Insofern aber bei jeder öffent-lich und feierlich gesprochenen Rede dieseangemessensteAccentuation erstrebt wurde,war dieselbe in gewissem Sinne auch m e-1 o d i s c h und wurde als ein Bestandtheilder M. betrachtet ( Plato Respublica II).Daher auch der Ausdruck ,Prosodie 1 vonitpoi und wSij, d. i. für den Gesang ge-macht, weil dieser Theil der Grammatikdie Regeln für die gute Betonung enthielt,bei den Römern in genauer Uebersetzung,accentus‘ von ad und cantus, woher unser,Accent 1 . — Bei den Alten aber war dieAccentuation (der accentus, die TrpoatoSi'a)bei feierlicher Rede eine so ausgeprägteBewegung, d. h. Hebung und Senkung derStimme, dass diejenigen, welche im Vor-trage sich übten, immer von einem Musi-ker, Phonascus genannt (von cpumj, dieStimme, und dcxEto, ich übe), sich be-gleiten Hessen auf einem Instrumente,welches Tonarion genannt wurde, weil esden Ton angab und die Declamation be-stimmte (vgl. Villoteau Ueber die M. desalten Aegyptens 39 ff.). In solch feier-licher Declamation wurden, wie bei denGriechen das Gesetz und heute noch beiden Mohammedanern der Koran, so auchbei den Juden die Lesungen aus den Pro-pheten und dem Pentateuch vorgetragen.Dass auch das ,solemniter legere 1 des hl.Augustinus so zu verstehen ist, erscheintum so unzweifelhafter, als auch heutenoch der Altargesang des Priesters beider Epistel, Passion, den Lectionen, Pro-phezieen, dem Evangelium, der Präfation,dem Pater noster, den Orationen u. s. w.