Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Musik.

fürs Erste vollkommen ausreichten, musstedie Beibehaltung derselben um so wün-schenswerther erscheinen, als damit einMittel mehr geboten war, in juden-christ-lichen Gemeinden den Uebergang vomAlten zum Neuen zu vermitteln. Damitsoll nun nicht bestritten werden, dassnicht dennoch neben den Psalmen auchandere spezifisch christliche Gesänge be-reits in der ersten christlichen Kirche inUebung gekommen seien. War doch dasChristenthum mit seinen erhabenen Ideenund Wahrheiten besonders geeignet, derdem Hebräer eigenthümlichen phantasie-reichen Anschauung und dem in ersterBegeisterung erglühten Gemüthe gebilde-ter griechischer und römischer Heiden-christen eine überreiche Fülle poetischenStoffes zu solchen neuen, spezifisch-christ-lichen Schöpfungen zu bieten. Auf solcheGesänge deutet schon der hl. Paulus hin,wenn er (Eph. 5, 19; Kol. 3, 10; vgl. auchI Kor. 14, 26) neben Psalmen und Hym-nen auch noch von geistlichen Liedern(tuoa't irvEupcmy.at) spricht. Dass der Apo-stel die drei Bezeichnungen: ^aXp.oi, ojxvotund uiöat ~v£up.aTizai' nicht synonym, ge-wissermassen als eine im begeistertenFlusse der Rede sich ergebende Cumu-lation des Ausdruckes anwendet, wiemanche neuere Exegeten in ihrer Ver-legenheit annehmen (vgl. Bisping Erklä-rung der Briefe des hl. Paulus II 119),geht schon daraus hervor, dass er an zweiverschiedenen Stellen genau dieselben Aus-drücke neben einander stellt, damit alsodrei verschiedene Gesangsarten bezeich-nen will. Die richtige Deutung findet manbei J. Z. Hilliger (Dissertatio philolog. depsalm. hymn. atque odarum sacrarum dis-crimine, Wittenberg 1720; vgl. GerbertDe c. et m. s. I 23). Nach ihm sind unter<paXfj.rji die alttestamentlichen Psalmen,unter op.voi die in den Büchern des A. undN. T. zerstreut vorkommenden Lobgesänge(die Cantica, wie sie in dem heutigenBrevier im Commune de tempore ad Lau-des an vierter Stelle, zur Vesper undComplet sich finden), unter coSal ~vEup.aTiy.aiaber eben die spezifisch christlichen Gesängezu verstehen, deren auch der hl. Ignatius(Ep. ad Eph. n. 4; ad Rom. n. 2), Pliniusin seinen Briefen an Traian ( Plinii Epist.X ep. 97), lustin der Märtyrer in seinerzweiten Apologie, Caitt-s Presbyter bei Euse-bius (Hist. eccl. V, c. 28; II, c. 17; vgl.Gerbert D. c. et m. s. I 20) erwähnt.Diese geistlichen Lieder mögen oft alsplötzliche Ergüsse heiliger Begeisterungentstanden sein ( Euseb . Hist. eccl. II, c. 17;Tertull. Apolog. 39; vgl. Ambros Gesell,der M. II 4); manche mögen auch imv oraus für bestimmte Zwecke und zum

dauernden Gebrauche verfertigt wordensein. Vielfach werden dieser Art Gesängebeigezählt das Trisagion aus der Liturgiedes Charfreitags, die schon in den ältestenLiturgieen enthaltene Praefatio (Contesta-tio) mit dem daran schliessenden Hymnustriumphalis ,Sanctus, sanetus, sanetus etc. 1(vgl. Kössing Liturg. Vorlesungen p. 426 ff.;Mone Lat. und griech. Messen des 2. bis6. Jahrh.); die Doxologieen und anderekurze Lob- und Jubelrufe. Auch denbei Clemens von Alexandrien sich finden-den Hymnus auf den Erlöser ,Fraenumpullorum indocilium* betrachtet Abt Gue-ranger (Institutions liturgiques I 84) alsaus den Cantic. spirit. der ersten christ-lichen Kirche herrührend. Uebrigens lages in der Natur der Sache, dass nur wenigesolcher Gesänge als wesentliche Bestand-theile in die Liturgie dauernde Aufnahmefanden. Mit dem Aufhören der Charis-mata wird man überhaupt solchen freienErgüssen nicht allzu grossen Spielraumgewährt haben, da immerhin die Möglich-keit eines Misshrauches nicht ausgeschlos-sen war, die schon den hl. Paulus zu sei-ner Ermahnung (I Kor. 14, 26) veranlassthaben mag. Noch mehr Vorsicht war ge-boten, als die Häretiker, besonders dieschon im 2. und 3. Jahrh. zahlreich her-vortretenden gnostisclien Secten dieser Art,geistlicher Gesänge sich bemächtigten, umin dieser Form ihre häretischen Lehrenunter dem Volke zu verbreiten, wie dennz. B. der syrische Gnostiker Bardesanesund dessen Sohn Harmonius an Stelle desDavidischen Psalters einen nach ihrenLehren umgestalteten gnostisclien Psaltersetzten, und ebenso die Apollinaristen eineneigenen Psalter ausarbeiteten ( Sozom . Hist,eccl. 3, 16; 6, 25), während Arius durchVerbreitung vieler im Sinne seiner Häresiegedichteter Hymnen seiner Lehre Vor-schub zu leisten suchte ( Athanas. Orat. 1c. Arian.; vgl. Gerbert I 71). Um diesenBestrebungen ein Gegengewicht zu bieten,war man gezwungen, das katholischeDogma in ähnlicher Form dem Volke andie Hand zu geben, so dass nun sehr baldeine grosse Zahl katholischer Hymnen ingleicher Fassung entstand. Den Gnosti-kern gegenüber soll besonders der heiligeEphretn der Syrer mit einer grossen Zahlvon Hymnen (nacli Assemani Bibliotli.Orient, tom. I 1200) hervorgetreten sein,den Arianern gegenüber der hl. Chrysoslo-mus, womit die Grundlage der später soherrlich erblühenden christlichen Ilymno-logie gegeben war. Dass alle diese Ge-sänge ihrem speziellen Zwecke entspre-chend mehr im Volkstone, im Sinne desallgemeinen musikalischen Standpunktesjener Zeit abgefasst waren, kann wol nicht