Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Musik.

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eingeleitet wurden. Man erkennt hier, wieaus dem ursprünglichen Psalmengesangenach und nach neue Formen sich ent-wickelten, deren Texte immer noch diePsalmen zur Grundlage hatten, die aberin ihrem musikalischen Theile immer rei-cher sich gestalteten, je mehr überhauptdas Christenthum, nachdem es die Zeitender Verfolgung überstanden hatte, infreier, ungehinderter Thätigkeit auf allen;Gebieten der Kunst sich entfalten konnte.Aber auch diese Entwicklung haben wiruns immer in engem Anschlüsse an denursprünglichen jüdischen Typus der Ge-sänge zu denken. Schon die Heiligkeit Jdes'Gegenstandes und der Ernst, mit!welchem man die Sache behandelte, |musste vor jeder Gemeinschaft mit denfrivolen Weisen weltlich-griechischer M.abschrecken, während anderseits die Sorg-falt und Strenge, mit welcher dieser Theildes Cultus überwacht wurde, und derEifer und die Liebe, mit der er gepflegtwurde, ebenso rasch und entschieden et-iwaige Missbräuche dieser Art unterdrücken jmusste. Sodann ist zu beachten, dass der jganze christliche Cultus zunächst nur vonJudenchristen eingerichtet und gehand-;habt wurde, dass besonders der musika- ilisclie Theil seiner ganzen Beschaffenheitnach vorerst in seiner Ausführung nurauf die jüdischen Elemente innerhalb derGemeinden angewiesen war. Wo diesefehlten, war man genöthigt, tüchtige, mitden jüdischen Traditionen vertraute Sän-ger zu berufen, welche den Gesang leitenund das Volk nach und nach in die Kennt-niss desselben einführen sollten. SolcheSänger (Canonici psaltae, Canonici canto-res) werden schon sehr frühe als ein eige-ner Ordo neben den Lectoren, Exorcisten,Ostiariern u. s. w. aufgeführt: so vom hl.Ignatius (Ep. ad Antiochenos n. 12), denÄpost. Constitutionen, dem Concil von Lao-dicea (can. 17), bei Zonaras, Socrates,Sozomenus (vgl. Gerbert I 32—36). Ihnenfiel sonder Zweifel auch der Unterrichtin den Sängerschulen (Scholae) zu, derenebenfalls schon bei Cyprian, Clemens vonAlexand. , in den Äpost. Constit. , auf denConcilien von Laodicea (372) und Carthago(398), bei Epiphanias, Sozomenus, Hiero-nymus u. s. w. Erwähnung geschieht. Einesolche Sängerschule errichtete Papst Syl-vester (314 —335) in Rom, desgleichen BischofHilarius um 350 (vgl. Gerbert I, 35. 293;Forkel Gesell, d. M. II 142; Coussemaker■Traite sur Ilucbald). In diesen wurdenauch bereits Knaben unterrichtet, wie man 'überhaupt schon zur Zeit des hl. Hiero-nymus die Kinder zum Auswendiglernender Psalmen anhielt (vgl. Ge>-bert I 166).Somit war auch diese Art und Weise der

traditionellen Fortpflanzung des christ-lichen Gesanges ganz dazu geeignet, beider weitern Entwicklung immer noch demtraditionell-jüdischen Typus das Ueber-gewicht zu sichern. Dass übrigens auchin den Sängerschulen der Unterricht nurauf Tradition beruhte, wird man wol alssicher annehmen müssen; denn hätte maneine tonisch genau fixirte Tonschrift ge-habt, so ist nicht abzusehen, warum nichtAmbrosius und später der hl. Gregor die-selbe statt der tonisch ganz unbestimmtenNeumenschrift beibehalten haben sollte.Der Umstand aber, dass die Neumen-schrift , welche der hl. Gregor nicht ersterfunden, sondern vorgefunden hat, ihremWesen nach eine Accentschrift ist (vgl.Krieger Musica eccles. catholie., Freiburg1872, 88), die auch in den Gedichtendes Presbyter Coelius Sedulius (f 430), ent-halten im Codex n. 242 der Stiftsbiblio-thek zu St. Gallen, ihrem Grundtypusnach sich findet, lässt es als wahrschein-lich erscheinen, dass diese Neumenschriftwenigstens in ihren Anfängen in denSängerschulen des Alterthums bereits inGebrauch gewesen und in den liturgischenBüchern der kanonischen Sänger der erstenchristlichen Jahrh. sich vorgefunden habe,zumal sie ihrer Idee nach ja auch in derjüdischen Accentschrift bereits gegebenwar. Bei einer solchen Schrift war aberder Unterricht, wie noch das ganze MA.hindurch, bis zum 11. und 12. Jahrh. aufmündliche Tradition beschränkt.

Die Frage betreffend, ob in der altchrist-lichen Kirche die musikalischen Instrumentein Anwendung kamen, so wird man dieselbeverneinen müssen. Wenn auf den ältestenchristlichen Malereien die Lyra zuweilensich findet, so wird sie mehr als Symboldes Gottesdienstes im Allgemeinen aufzu-fassen sein. Schon die Rücksichten derKlugheit verboten in den Zeiten der Ver-folgung jede laute, weit schallende M.Aber auch die Instrumente selbst, dieLyra, Tibia u. s. w., welche bei den heid-nischen Opfern und in den Theatern zurBegleitung der üppigen Tänze und Panto-mimen Verwendung fanden, mussten umdesswillen schon den Christen einen ge-wissen Abscheu einflössen. ,Wir gebrau-chen, 1 sagt Clemens von Alexandrien (Paed.II 4), ,ein einziges Instrument: das Wortdes Friedens, mit dem wir Gott verehren,nicht aber das alte Psalterium, die Pauken,Trompeten und Flöten 1 ; und Chrysostomus(Hom. in Ps. 150): ,David brauchte dieCitlier mit leblosen Saiten; die Kircheaber braucht eine Cither, deren Saitenlebendig sind; unsere Zungen sind dieseSaiten; sie bringen verschiedene Töne,aber eine einträchtige Liebe hervor 1 (vgl.