Orientirung.
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ORIEXTIRUMXr. I. Die alten Christenverrichteten das Gebet das Antlitz gegenOsten gekehrt ( Tertull. Apol. c. 16; Const.apost. II 57) nnd zwar, wie man unterAnderm erklärte (Quaest. 37 ad Antioch.,Äthan. Opp. ed. Patav. II 225), in dersehnsuchtsvollen Erinnerung an das Para-dies, ihre alte Heimat, und diese Sittehatte zur Folge, dass man dem christ-lichen Gotteshaus die Richtung von Westnach Ost oder von Ost nach West gab.Diese Linie kann im Allgemeinen mit demAusdruck 0. oder Ostung bezeichnet wer-den und in diesem Sinn ist die BemerkungTertullians (Adv. Talent, c. 3) zu verste-hen: das Haus unserer Tauhe, d. i. dieKirche, ist (einfach, hoch und olfen ge-legen und) dem Lichte zugekehrt (ad lu-cem). In der Regel aber hat das Worteinen engern Begriff. Man versteht unterihm gewöhnlich nicht bloss jene Linie,sondern zugleich die Lage des Altares aufder Ostseite, und wenn wir von diesemengern Begriff ausgehen, so fehlt demchristlichen Gotteshaus in der ältesten Zeitdie 0. Der Altar stand anfangs auf derWestseite und es zeigt das nicht hloss einBlick auf die Baudenkmäler, deren An-fänge in das 4. Jahrh. zurückreichen, son-dern es erhellt auch aus einzelnen Stellenin der christlichen Litteratur, namentlichaus der Beschreibung, die Eusebius (H. e.X 4) von der Kirche zu Tyrus in Phönizienmittheilt (eine tabellarische Uebersicht derältesten Kirchen giebt unter diesem Ge-sichtspunkt Mothes in seiner Schrift: DieBasilikenform bei den Christen der erstenJahrh., 1865, 2. A. 1869). Diese Stellungerhielt sich indessen nur kurze Zeit. Be-reits im 5. Jahrh. begegnen wir dem Al-tar auf der Ostseite, und die im J. 417erbaute Kirche S. Agata in Ravenna galtbisher als die erste namentlich bekannte,bei der dieses der Fall ist. Nachdem aberdie 0. im engeren Sinn einmal aufgekom-men, fand sie rasch die weiteste Verbrei-tung und schliesslich wurde sie zur Regel.Die meisten bekannten Kirchen des 5. Jahrh.haben den Altar auf der Ostseite (Mothesa. a. 0.), und Paulinus von Nola (Ep. 12al. 32 ad Sever.) bezeichnet die Ostungausdrücklich als mos usitatior. Dasselbebezeugt der Kirchenhistoriker Socrates H. e.V 22, wenn er von der Kathedrale vonAntiochien in Syrien bemerkt, ihr Altarstehe im Gegensatz zu anderen Kirchennicht im Westen, sondern im Osten, unddurch die apost. Const. (1157: 6 oixoj sstui-/ ata dvazoXh; xexpapp Jvot) wird dieOstung geradezu vorgeschrieben. Der Um-schwung vollzog sich ferner ebenso stillals schnell und ausser dem Factum wirdüber ihn nichts berichtet, so dass wir be-
züglich der Gründe, die ihn veranlassten,rein auf die Conjectur angewiesen sind.Wie es aber scheint, so waren hier fol-gende Verhältnisse massgebend. So langeder Altar auf der Westseite stand, schautedas Volk, wenn es den Blick dem Altärezuwandte, ebenfalls gegen Westen. Nunwar es aber, wie oben bemerkt wurde,altchristliche Sitte, beim Gebet das Antlitzgegen Osten zu kehren, und so hatte jeneAltarstellung zur Folge, dass die christ-liche Gemeinde sich bald nach Westen,bald nach Osten wenden musste, je nach-dem sie auf den Altar sehen oder sichzum Gebet anschicken wollte. Dieses Sich-umdrehen musste als lästig und störendempfunden werden, und um dem Uebel-stand abzuhelfen, verlegte man den Altarvon Westen nach Osten. funk.
II. Die Richtung der dem Gottesdienstgewidmeten Gebäude nach Osten war dervorchristlichen Zeit von jeher geläufig.Sie entsprang bei den Alten dem wol auchden meisten Naturvölkern noch eigenenBrauche, sich bei dem Gebet an die auf-gehende Sonne zu richten, ja zu dieserselbst das Gebet hinaufzusenden. Die Zeug-nisse aus dem classischen Alterthum dafürhat II. Nissen (Templum 168. 169) gesam-melt und im Rhein. Mus. für Phil., neueFolge XXVIII 523 vermehrt, unter Ver-weisung auf Tylor (Primitive Culture, Lond.1871, II 286—299, deutsche Ausg.), dessenAnschauungen über die Entlehnung desKreuzes aus dem Sonnencultus ich zwarentschieden zurückweise, dem man aberzugeben kann und muss, dass die alten,auf dem Sonnencultus beruhenden Vorstel-lungen noch vielfach in das römische, wiespäter analoge germanische Anschauungenin das mittelalterliche Christenthum, bez.den Volksbrauch hineinragten. So erklärtsich nicht bloss die den Manichäern vorge-worfene Anbetung von Sol und Luna ( Leo-nis M. Serm. 34, ed. Baller., Venet. 1753,I 126), sondern auch die höchst charakte-ristische Mittheilung Leo’s d. Gr. (Serm. 27,al. 26, Opp. ed. Baller. I 94): ,de talibusinstitutis etiam illa generatus impietas, utSol in inchoatione diurnae lucis exsurgensa quibusdam insipientioribus de locis emi-nentioribus adoretur : quod nonnulli etiamChristiani adeo se religiöse facere putant,ut priusquam ad b. Petri Apostoli Basili-cam quae uni Deo vivo et vero est dedi-cata, perveniant, superatis gradibus quibusad suggestum areae superioris ascenditur,converso corpore ad nascentem se Solemreflectant et curvatis cervicibus in honoremse splendidi orhis inclinent. Quod fieripartem ignorantiae vitio, partim pagani-tatis spiritu multum tabescimus et dole-mus; quia etsi quidam forte creatorem