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Orgel.
welcher es als einen Beweis für den Ver-fall der Sitte hält, dass die Bibliothekenverschlossen, dagegen Orgeln gebaut wür-den), so legt sich mir die Vermuthungnahe, dass derartige oder ihnen nachge-bildete Instrumente in der griechischenKirche längst gebraucht wurden, ehe sieins Abendland gelangten. Vielleicht kamdie 0. bereits im Zeitalter Iustinians d. Gr.zu kirchlicher Verwendung, eine Hypo-these, die gegenwärtig freilich noch desNachweises bedarf. Indessen kannten dieChristen das Instrument im Allgemeinensehr wol, wie das Tertull. (De anim. 14),Hieron. (Ep. 107 ad Laet. c. 8: surda sitad organa), Augustin. (Enarr. in Ps. 150,desgl. in Ps. 56), besonders aber auch daswunderliche Gedicht des Pubülius Opta-tianus Porphyr ins (rec. L. Müller, Lips.1877; Migne Patrol. XIX 391) aus derZeit Constantins d. Gr. (c. 325) beweisen.Es ist demnach kaum anzunehmen, dassnicht schon seit dem 4. Jalirh. dies In-strument, von dem Augustin (In Ps. 150)meint: ,ideo addidit organum, non ut sin-
Bisehof Anno von Ereising ersucht, ,utOptimum organum cum artifice, qui hocmoderari et facere ad omnem modulationisefficaciam possit, ad instructionem musi-cae disciplinae nobis deferas aut mittas*(Mansi XVII 245 u. a.; Jaffe RegestaPontif. 2 n. 2980), woraus hervorgeht, dassman damals in Deutschland schon — zwei-fellos pneumatische — Orgeln fabricirte.Cassiodorius (Exp. in Ps. 150, Opp. Garet.Rotom. 1779, II 501) beschreibt eine 0.also: organum, itaque est quasi turrisquaedam diversis fistulis fabricata, quibusflatu follium vox copiosissima destinaturet ut eam modulatio decora componat,linguis quibusdam ligneis ab interioreparte construitur, quas disciplinariter ma-gistrorum digiti reprimentes grandisonamefficiunt, et suavissimam cantilenam. Daswar also keine Wasser-O. mehr, wie dieIsidor. Orig. II 20 bekannte 0. (. . . cuifolles adhibentur). Vgl. noch Cassiodor.Ep. I 45: facit aquas ex immo surgentespraecipiter cadere, ignem ponderibus cur-rere, organa extraneis vocibus insonare
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Fig. 347. Pneumatische Orgel aus dem 4. Jalirh. (Obelisk des Theodosius zu Constantinopel).
gulae sonent, sed ut diversitate concor-dissima consonent, sicut ordinantur inorgano 1 , von den Christen übernommenwurde. Wenn es wahr ist, was Vossius(De poematum cantu) behauptet, dass seitCassiodors Zeiten die Wasser-O. in Ab-nahme kam, so ist anzunehmen, dass ebenseit derselben Epoche die verbessertejetzige (pneumatische) 0. in Aufnahmekam und jene überflüssig machte. Dochconstruirte nach Einhard (Ann. zum J. 826,Translat. Mareell. et Petri c. 16) noch j826 ein venetianischer Priester Georgioseine Wasser-O., und die letzte, welcheüberhaupt erwähnt wird, soll im 12. Jahrh.in Malmesburv noch existirt haben ( Will.Maltnesb. bei Ducange i. v. IV 732). NachPlatina hätte in der That schon vor Pipinder Papst Vitalian (658—672) die Or-geln eingeführt, und Lorinus behauptet:Iulianus, unus de auctoribus catenae inlob multo antiquior Vitaliano et Grego-no magno, ait cum pietate organa usur-pari posse et iam in templis usum illo-rum fuisse cum scriberet. Authentischerist, dass Papst Johann VIII (873) den;
et peregrinis flatibus calamos complet, utmusica possint arte cantare.
Zu dem Gesagten stimmt der Befundder Denkmäler, welche uns in der alt-christlichen Zeit zwar keine 0. im kirch-lichen Dienst zeigen, indessen doch zwei-mal auf Grabsteinen Instrumente abbilden,welche der Wasser-O. des Nenniger Mo-saiks sehr ähnlich sehen: es ist der Grab-stein eines RVSTICVS im Kreuzgang vonS. Paul ( Garrucci tav. CCCCLXXXVIII 24 )und der schöne Sarkophag in S. Maximin,wo Petrus die Tabita auferweckt undlinks eine 0. steht, auf welcher die Todten-musik offenbar spielt (ib. tav. CCCLIII 2 ).Die Reliefs an dem unter Theodosius d.Gr. in Constantinopel errichteten Obe-lisken zeigen eine pneumatische O. von15 Pfeifen, 2 Windsäcken aus Elephanten-haut und 12 Sclimiedeblasbälgen, ,um denDonner nachzuahmen* (Hieronymus); vgl.unsere Abbildung (Fig. 347) aus Reuleaux-Spamers Buch d. Erfind. Fig. 543, VI 500.
Man vgl. noch Wangemann Gesell, der 0.und der O.-Baukunst, 2. A. 1881; ders. inMendels Musik. C.-Lex. VII 366. kraus.