Ostern.
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dass er insofern ein vollkommener Oster-cyclus ist, als er nach seinem jedesmali-gen Ablauf die Ostertage in derselbenReihenfolge wieder zu denselben Monats-tagen bringt, während der 19jährige nachseinem jedesmaligen Ablauf auf die glei-chen Monatstage nur das gleiche Mond-alter fallen lässt und erst (was jedoch vielspäter erkannt oder wenigstens ausgespro-chen wurde) nach 532 Jahren die Leistungdes 84jährigen Cyclus vollbringt. Dieseraber erkaufte seinen Yortheil theuer ge-nug, indem er einen fast viermal grossemFehler aufweist, als der 19jährige.
Längere Zeit bestanden diese beidenArten der Osterberechnung nebeneinander,ohne sich zu bekämpfen; erst als die ge-meinsamen Gegner, die Quartodecimaner,zurückgeworfen waren, treten wir in denzweiten Abschnitt der Osterstreitig-keiten, in den astronomisch-chronologi-schen, ein. Nachdem schon auf der Sy-node zu Arles im J. 304 ( Hefele C.-Gesch.I 205) die Einigkeit der Osterfeier alsForderung aufgestellt worden war, trittdiese entscheidende Wendung am Concilzu Nicaea im J. 325 ein.
Die Details der Verhandlungen daselbstkennen wir nicht (der von Pitra im Spie.Solesm. IY 540 edirte angebliche Canondarüber ist eine Zusammenstellung spä-terer Zeit) und auch über das Resultatderselben, welches wir aus der Encyklicader Synode und dem Sendschreiben Con-stantins (bei Socrates H. e. I 9) kennenlernen, schwebt Unklarheit. Sicher ist,dass die judenchristliche Osterfeier aufsEntschiedenste zurückgewiesen wurde;ihren Anhängern wird ein anständigerRückzug offen gelassen; der nach dem-selben bleibende Rest der Quartodecima-ner sinkt zur Secte herab, die schliesslichvom nächsten grossen Concil (zu An-tiochla im J. 341) mit dem Anathem be-legt wird. Nicht so klar können wir dar-über sehen, was positiv für das Osterfestzu Nicaea geleistet wurde; unmöglichkonnte den Vätern die Verschiedenartig-keit der Festbestimmung zu Rom und Ale-xandria unbekannt sein, und dennoch, ob-wol im Sendschreiben Constantins aus-drücklich die Einigkeit der Festfeier betontwird, erfahren wir nichts oder wenig vonden diesbezüglichen Beschlüssen. Dassformell der 19jährige alexandrinische Cy-clus acceptirt wurde, ist nicht haltbar;dagegen ist wol als sicher anzunehmen,dass den Alexandrinern die Bestimmung,dem römischen Bischof die Verkündigungdes Ostertages zugewiesen wurde. Wiesich dieses schwankende Verhältniss ge-staltete, erfahren wir aus den Osterbriefendes hl. Athanasius (J. Mai Nova PP. Bibi.
VII 1, übers, von Larsoiv, Mainz u. Göt-tingen 1852): Alexandrien berechnet nachseinem Cyclus Ostern, und Rom kümmertsich nicht darum. So entstanden Diffe-renzen in den J. 326, 330, 333, 340, 341,und im J. 343, wo auf der Synode zuSardica, wie es scheint, zu Gunsten derrömischen Sitte ein Beschluss gefasst wurde,denn in den J. 346 und 349 sagt Atha-nasius nach dem römischen Cyclus Osternan. Dann aber wurden es die Alexandri-ner wieder müde, nachzugeben — neueOsterdifferenzen ergeben sich in den Jah-ren 350, 360 und 368. Im J. 387 erregtedie Differenz von fünf Wochen endlichdie Aufmerksamkeit der staatlichen Ge-walt: Kaiser Theodosius verlangte vonTheophilus von Alexandrien Auf-klärung, der neben einer Vertheidigungseiner Osterpraxis für eine längere Reihevon Jahren die Festtage berechnete, welcheOstertafel dann durch Cyrillus von 436bis 531 fortgesetzt wurde. Das Gleicheaber -geschah auch in Rom; nachdem imJ. 381 der erste 84jährige Cyclus abge-laufen war, wurde ein zweiter aufgestellt.Dieser aber wurde im Laufe des 5. Jahrh.einer Rectification unterzogen, die zwischenden J. 437 und 444 eingetreten sein muss,denn von letzterm Jahre an lassen sichdie in Inschriften, Ostertafeln und Oster-briefen überlieferten Lunardaten der rö-mischen Kirche nicht mehr durch den ur-sprünglichen 84jährigen Cyclus erklären.Frühere Forscher, wie van der Hagen(Observ. in Prosperi chronic. 345), Ideler(Hdb. II 271), de liossi (Inscr. Christ, urb.Rom. p. XC), haben sich diese Rectificationso gedacht, dass statt der ursprünglichenSetzung des Saltus lunae nach je 12 Jah-ren nun derselbe nach je 14 Jahren ge-setzt wurde; seit der Würdigung aber,welche Mommsen (Abh. der k. Akad. d.Wissensch. zu Berlin 1862) der im J. 447abgefassten Zeitzer Ostertafel angedeilienliess, müssen wir vielmehr annehmen, dassdie Correctur so vorgenommen wurde, dass,der thatsächliclien Differenz zwischen denAngaben des Cyclus und den wirklichenMonderscheinungen entsprechend, sämmt-liche Mondalterangaben des Cyclus um zweivergrössert worden sind. Wir haben dieseModification, welche freilich nicht allge-meine Anerkennung gefunden zu habenscheint, als officiell von Rom ausgehendzu betrachten, denn bei den Verhand-lungen, welche im J. 444 zwischen denAlexandrinern und Leo I über das Oster-fest geführt wurden, ist der lateinischeAnsatz nach dem neuen Cyclus berechnet.Damals sowol als im J. 455 gab Leo Ides Friedens willen nach (Leon. Opp. ed.Ballevini I 1228 sqq.), und so schien es,