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Ostern.
als ob die Osterstreitigkeiten, welche auchdiesmal wieder das Eingreifen der kaiser-lichen Macht hervorgerufen hatten, ihrEnde nehmen sollten. Dies war aber nichtder Fall, die Nachfolger Leo’s hielten amalten Cyclus fest. Man hat früher ange-nommen, dass schon unter Leo durch denDiakon Hilarus eine Annäherung an diealexandrinische Weise versucht wurde, in-dem dieser den Yictorius von Aqui-tanien aufgefordert habe, einen neuenCyclus zu construiren {Al. Bucherius Dedoctrina temp. comment. in Yict. Aquit.,Antverp. 1634). Seit aber Jaffe (in derAusgabe des Chron. Cassiodor. von Momtn-sen in Abh. der k. sächs. Ges. der Wiss.1861, 678) die Falschheit der dem Canondes Yictorius Vorgesetzten Briefe des Hi-larus an Yictorius und des Yictorius anHilarus dargethan hat, kann diese Be-hauptung nicht mehr aufrecht gehaltenwerden, und die bisher unbeachtete Oster-ansage des Papstes Symmachus für dasJ. 501 (bei Jaffe 470; Thiel Ep. B. P. I655) auf den 25. März beweist schlagend,dass damals der 84jährige Oster cyclus zuRom noch im Gebrauche stand (der Ca-non des Yictorius setzt in diesem JahreOstern zum 22. April). Der Cyclus desYictorius hat zur Heimat Gallien, und dorthat er auch allgemeine Verbreitung ge-funden ; im J. 541 erhielt er sogar aufder Synode von Orleans gesetzliche Kraft.Aus Italien haben wir in der Ostertafelvon Neapel ( Roncali Chron. I 721), derenAbfassungszeit de Rosst (1. c. XCV) vor493 setzt, den ältesten Nachweis seinerVerbreitung. Mit der Aufstellung und Ein-bürgerung von Yictorius’ Ostercyclus wa-ren die Streitigkeiten mit den Orientalensehr reducirt, aber keineswegs aufgehoben.Wol lässt er den 84jährigen Kreis fallenund acceptirt den 19jährigen, aber da-neben behielt er einige Charakteristica deraltrömischen Weise bei, nämlich den An-satz des Aequinoctiums zum 18. März unddie Sitte, dass, wenn der Frühlingsvoll-mond auf einen Samstag fiel, nicht, wiedie Alexandriner es übten, am folgendenSonntage, sondern erst nach 9 Tagen derOstertag angesetzt wurde, und so konntesich sowol wegen des letzten Punktes eineDifferenz von 1 Woche, in Folge des er-sten eine von 4 oder 5 Wochen ergehen(in der Ostertafel bei Grotefend a. a. O.sind die Abweichungen der VictorischenFeste in Klammern angegeben).
Endlich gelang es dem römischen AbtDionysius Exiguus, eine Einigungmit den Alexandrinern herbeizuführen. ImJ. 525 setzte er die 531 ablaufende 95-jährige Tafel des Cyrill von Alexandrienauf weitere 95 Jahre fort und bewies in
den einleitenden Worten schlagend diegrössere Genauigkeit des alexandrinischenCyclus {Jan Hist, cycli Dionys., Witenb.1718). Wann er in Rom damit durch-drang, wissen wir nicht, stillschweigendvollzieht sich der Uehergang; jedenfallsfand die Dionysische Ostertafel in Italienrasche Verbreitung; schon im J. 550 nahmsich Victor von Capua des DionysischenOsteransatzes gegenüber dem Victorischenan, und um diese Zeit hatte sie auchschon in Ravenna Eingang gefunden, wiedie daselbst aufgefundene Rota paschalis{Noris Card. Opp. II 742) beweist. InMailand war schon unter Ambrosius diealexandrinische Rechnung eingeführt, wasdessen Epist. ad episc. per Aemiliam vomJ. 387 beweist. Jedenfalls um die Mittedes 6. Jahrh. können wir ihre Einführungin Rom setzen, und damit beginnt derdritte Abschnitt der Osterstreitigkei-ten: der Kampf der alexandriniscli-römi-schen Regel gegen provinzielle Gewohn-heiten.
In Spanien dürfte bald nach ReccaredsUebertritt zum Katholicismus der 19jäh-rigo alexandrinische Cyclus eingeführt wor-den sein; sicher ist anzunehmen, dass erzur Zeit Isidors von Sevilla, der die Tafeldes Dionysius auf 95 Jahre fortsetzte, dergebräuchlichste war, wenn auch nicht derallgemein anerkannte, denn der c. 5 derSynode von Toledo im J. 633 will die Ver-wirrungen verhüten, welche hier und dadurch ,falsche 1 Ostertafeln herbeigeführtwerden. Welches Cyclus sich die Spaniervor Reccared bedienten, wissen wir nicht;das uns überlieferte Osterdatum des Jah-res 577 zum 21. März passt weder aufeinen der 84jährigen noch der 19jährigenCyclen. Wir erhalten es überliefert vonGregor von Tours (Hist. Franc. Y 17), derselbst zur Victorischen Praxis sich bekennt.Der Umstand, dass Gregor bei der An-führung dieser plubietas paschae* seinePraxis nur dem spanischen Ansatz gegen-übersetzt, obwol auch die DionysischeTafel um acht Tage von der Victorischenabweicht, beweist, dass damals die ersterein Gallien noch keinen Eingang gefundenhatte. Aber bei der Anführung einerzweiten ,dubietas‘ im J. 590 (Hist. Franc.X 23) setzt er den Victorischen dem Dio-nysischen gegenüber; zwischen 577 und599 muss letzterer also eingedrungen sein.Noch im 8. Jahrh. geben uns die Quellenhier und da Nachrichten von Osterstrei-tigkeiten, aber der Thätigkeit Winfrids,dann der Verbreitung der Beda’schen Schrif-ten und schliesslich der starken Hand Karlsd. Gr. ist es gelungen, dieselben zu be-enden. Und um dieselbe Zeit nahm auchder Widerstand der Briten ein Ende, welche