Processionen.
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(Augusti Denkwürdigk. X 20 f.). In einerengern Bedeutung erscheint Processio undprocedere, wenn es von dem Einzuge desBischofs mit den ihn erwartenden Gläu-bigen in die Stationskirche gebraucht wird.Nach Pelliccia Christ, eccl. Politia I, 1. II219 erwartete, wenn eine Statio (s. d.Art.) angesagt war, das in der Stations-kirche versammelte Volk die Ankunft desBischofs; sobald dieser entgegenkam ( pro-cedimus ad populum, plena erat ecclesia,Augustin. De civ. Dei 1. 22, c. 8), setztesich der Zug zur Kirche in Bewegung(procedebant ad ecclesiam, Anastas. Bibi.In Leone III und Sanvin. De stationibusXJrbis). Daher kam es, dass bisweilen dieStatio selbst mit dem Namen Processiobezeichnet wurde ( Pelliccia 1. c.). In denPallen, in welchen ein geordneter Zug derGläubigen von einer Kirche zu einer an-dern sich bewegte, hiess Processio das Aus-gehen vom Versammlungsorte (daher dieFormel: procedamus in pace!), währenddas Entgegenkommen von Seite des Klerusder zu besuchenden Kirche ,occursus‘ ge-nannt wurde ( Binterim Denkw. IV 1, 559).In der erstem engern Bedeutung findetsich das procedere auch später noch inden Ordines Rom. für den Gang des Bi-schofs und seiner Assistenz von der Sa-cristei (secretarium) zum Altäre. So heisstes Ord. Rom. I, n. 7 u. 8: ,et illi (dia-coni) osculatis manibus illius (pontificis)procedunt cum ipso. 4 In ganz speziellemSinne aber waren der alten Kirche dieF. öffentliche, mit religiösen Acten ver-bundene Aufzüge oder Umzüge der Gläu-bigen bei feierlichen Gelegenheiten oderin Fällen allgemeiner Noth. Nach dieserAuffassung fiel der Gebrauch des WortesProcessio, wie Augusti 1. c. 22 bemerkt,niit dem altrömischen Spracligebrauchezusammen, wonach Processio und Processustheils den Aufmarsch des Heeres, theilsden feierlichen Aufzug der Consuln aufden Circus maximus, theils den Einzugder Kaiser und Statthalter in ihre Resi-denzen bedeutet. Die alten Griechen«ruckten dies durch rcop-Tr-q und itapanopu^^iöle Götterfeste der Heiden warena , v ® r ^ un den, ebenso die Supplicatio-ae ?> «• b öffentliche Anrufungen der Götter61 « en -Römern. Unter dem Volke Israelwaren P. vielfach in Uebung (los. 6; IIW 6; III Kön. 8; II Esdr. 12). Der^mzug Jesu m Jerusalem nach Matth. 21uss gleichfalls dazu gerechnet werden.i«ne so allgemein im Cultleben der Völkerlc aussernde Manifestationsform der in-ern religiösen Ueberzeugung musste auch( f n fristen Platz greifen. Diej; n „ , r Vierfolgung gestatteten aller-es feierliche Aufzüge im christlichen,Real-Encyklopädie. II.
kirchlichen Sinne nicht, aber die Christenbenützten wenigstens die Exsequiae funeris,um sie in Processiones funereae im Geistedes Christenthums umzuwandeln. Bis zumAnfänge des 3. Jahrh. bestand nämlich keinförmliches und allgemeines Verbot, wo-durch die Christen von Seite der römischenRegierung gehindert worden wären, dieLeichname der hl. Märtyrer öffentlich zubegraben (vgl. Kraus Die röm. Katakomben50 f.). Daher können die Acta martyr. ap.Ruinart von feierlichen Leichenzügen beiBestattung der Leichname der hl. Mär-tyrer Cyprian, dessen Schüler Montanusund Lucius u. A. reden; ja selbst unterDiocletian und Maximian, welche zwardas Gesetz über Auslieferung der Leichender Hingerichteten bestätigten, aber mithauptsächlich gegen die Christen gerich-teten Ausnahmen umgaben, konnte dievon Tarsus nach Rom transportirte Leichedes Märtyrers Bonifatius in feierlicherProcession zum Grabe begleitet werden.Bei diesen christlichen Leichenzügen fan-den sich Kleriker und Laien ein, Wachs-lichter und Fackeln wurden mitgetragen,Gebete und Psalmen (Hymnen und Lieder)wechselten ab. Diese Processiones fune-reae fielen um so weniger auf, wenn sienach alter römischer Sitte bei Nachtzeitgehalten wurden, obgleich zu jenen Zeitendie Leichenbegängnisse der Vornehmen(Funera indictiva) auch bei Tage abgehal-ten wurden. Als aber die Kirche denFrieden erlangt hatte, entwickelte sichdas christliche Processionswesen im Orientund Occident sowol der Zahl als derFeierlichkeit der Aufzüge nach rasch, sodass schon Basilius und Ambrosius dieP. eine alte kirchliche Gewohnheit nennenkonnten. Consequent waren die Leichen-züge und die Begleitungen der Bischöfe zurKirche die ersten Handlungen, auf derenerhöhte Feierlichkeit die Freiheit der Kircheeinwirkte. Ausserdem fand die Kirche vieleVeranlassungen, das gläubige Volk zu P. zuversammeln. Sehr alt sind die feierlichenAufzüge bei Uebertragung der Reliquiender hl. Märtyrer, z. B. des hl. B. Babylas(Socrat. Hist. eccl. III 16), der hl. Ger-vasius und Protasius ( Ambros . Ep. 22 adsor.; Augustin. Conf. IX 7), des hl. Me-letius ( Sozom . Hist. eccl. VII 10) u. s. w.Nach Ambrosius, welcher Serm. 8 undEp. 19 Zeugniss von dem hohen Alter derP. giebt, pflegte man auch die Gräber derMärtyrer processionsweise zu besuchen.Auf spezielle Dankes-P. gelegentlich ausser-ordentlicher Gnadenerweisungen deutenChrysost. Orat. contr. lud. et tlieatr. undSozom,. Hist. eccl. VII 10 hin. Ganz be-sonders geeignet erschienen P. für dieFeier des Einzuges eines Bischofes, so
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