Rechte und Linke.
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den Wandgemälden der Katakomben, auflGlasschalen und Medaillen immer vonNeuem nachgeahmt wurden, Paulus im-mer rechts, Petrus links vom Heilandesteht, das muss einen besondernGrundhaben, und wenn auch die Fragenach diesem Punkte eine dogmatische Be-deutung allerdings nicht hat, so ist siedoch für die Archäologie von grossemInteresse. Wir versuchen ihre Lösung,indem wir auf eine heidnische Anschauungzurückgehen.
Das Heidenthum dachte sich den Iup-piter als den Gott des Tageslichtes, imSüden thronend. Dorthin mussten daherdie Auguren bei der Contemplation schauen;sie hatten mithin links Osten und dasMorgenland, rechts Westen und dasAbendland. Daher sagt Varro (Y Epist.quaest.): a deorum sede cum in meridiemspectes, ad sinistrum sunt partes mundiexorientes, ad dextram occidentes. Nun warja aber Paulus eben der Apostel dergriechisch-römischen Heidenwelt,also des Westens; gerade in seinemRömerbriefe hatte er sich wiederholt alssolchen dargestellt (15, 16 u. 24), währender den Petrus (Gal. 2, 8) als den Apostelder Beschneidung, also des Jud en thum sbezeichnete. Und schien ja auch Petrusselber durch seine an die asiatischen Ge-meinden gerichteten beiden Briefe sichals mehr dem Osten angehörig zu be-trachten. (Wie der Einfluss der heidnischenDarstellung sich noch lange im Christen-thum geltend gemacht hat, ergiebt sichaus einer Reihe von Vaterstellen [vgl.Kreuser Der christl. Kirchenbau I 53].Nenit Deus ab austro, id est, a luce ple-nissima. — Per austrum Spiritus sanctusfiguratur. — Lux et dies Christus est etc.)Dieses festgehalten, bedarf es nur einesBlickes auf eine jener Darstellungen, woder Herr, auf dem Berge stehend, seineApostel zur Verkündigung des Evange-liums in die Welt hinaussendet, dem Pe-trus als dem neuen Moses sein Gesetzanvertraut, den Paulus aber mit weit aus-gestreckter Rechten in die Ferne weist,um nicht mehr zweifelhaft zu sein, dassin diesen Darstellungen Paulus als derApostel des Westens die west-liche, d. h. die rechte Seite ein-nimmt. (Durch die Ostung der christ-lichen Kirchen änderte sich nur der Nameder Himmelsgegend, nicht die überlieferteBeziehung von Rechts und Links, von Ju-den und Heidenseite. Daher sagt Ambro-sius [Ad Ps. 47]: vide Paulum cum per-sequeretur ecclesiam Dei, latus aquilonisBimse [auf der Epistel- oder Judenseite].
ide nunc cum iegitur in ecclesia [von
em auf der Evansrelienseite stehenden
Ambon herab], montem esse speculatorium,per quem Christi gloriam cognoscimus.)
Fügen wir dem Gesagten zur nähernErläuterung noch einige Bemerkungenüber parallele Darstellungen hinzu. Esist bekannt, mit welcher Vorliebe dieMagier, die Erstberufenen aus demHeidenthum, als die Repräsentanten derganzen heidnischen Welt, vor Allem derRömerwelt aufgefasst und daher mit be-sonderer Vorliebe dargestellt wurden. Alssolche erscheinen sie daher regelmässigauf der linken Seite, indem sie ihreGaben der auf der rechten Seite sitzendenJungfrau und ihrem göttlichen Kinde dar-bringen. (Allerdings kommen Ausnahmenvor, allein in der Regel liegt die Ursachein technischen Rücksichten. Das ist z. B.augenscheinlich der Fall bei dem grossen,in S. Paolo gefundenen Sarkophag deslateranensischen Museums, wo der Künst-ler der Schöpfungsgruppe oben eine ent-sprechende Gruppe unten zur Seite gebenwollte.) Es sind die Völker des Westens,die, durch Paulus bekehrt, zu dem Sternim Osten eilen, nach Bethlehem, das baldnun auch selber als Repräsentant desHeidenthums erscheint. Und damit bietetsich uns eine zweite Parallele in jenenbandartigen Bildern, wo auf der einenSeite eine Schaar von Lämmern aus denThoren Jerusalems, d. h. die Ecclesiaex eircumcisione, zu dem göttlichen Lammeeilt, während eine andere Schaar aus denThoren Bethlehems kommt als dieEcclesia ex gentibus.
Da beide Städte im Orient lagen, sokonnte die bisher beobachtete Rücksichtnicht mehr massgebend sein. Auf denersten Blick sollte man nun erwarten,dass Jerusalem, die Repräsentantin derJudenwelt, auf die Seite des Apostels derBeschneidung, also zur Linken, gestelltworden wäre; allein das ist nicht derFall; Bethlehem behält den Osten,weil das Heidenthum in freudige-rer Bereitwilligkeit und in grös-serer Zahl sich dem beglückendenLichte des Evangeliums zugewen-det hat, als das Judenthum, das in sei-ner Mehrzahl die Nacht (den Westen) derMenschensatzung dem Sonnenlichte (demMorgen) der Wahrheit vorzog.
Vor der tiefem Idee, die in jenen sogeistvollen Compositionen zum Ausdruckkam, ist also die alltägliche Auffassung! in Betreff der Ehrenseite zurückgetreten;! man kann sagen, dort sei die linke Seitedie Ehrenseite geworden. Und einzig da-i raus begreifen wir endlich noch eine dritte1 parallele Erscheinung, dass nämlich deri Papst, auf dessen Geheiss ein Mosaik aus-geführt wurde, sein Bild auf der rechten