Sänger, Sängerschulen.
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sehe Singweise, die, obwol auf altgriechi-schem System beruhend, dessen Ausartun-gen sorgfältig vermied. Trotzdem gab dieVerwandtschaft des ambrosianischen Sy-stems mit antiken Melodieen im Laufe derZeiten Veranlassung zu einer neuen Ver-weltlichung der Kirchengesänge. Damitwar neuerdings eine Reform geboten, wel-che in durchgreifender Weise von PapstGregor I vollzogen wurde. Dieser sam-melte, ordnete und verbesserte das vor-handene Gute ( Antiphonarium Gregorianum)und erweiterte die Grundlagen des Kirchen-gesangs dadurch, dass er zu den vier au-thentischen Kirchentönen des ambrosia-nischen Systems vier Neben- oder Seiten-töne (plagale Töne, von nM-jio c =seitwärts, quer, schief) beifügte. Diecharakteristische Eigenheit des gregoria-nischen Gesanges sucht man hauptsächlichdarin, dass sich derselbe im Unterschiedevon dem ambrosianischen in ganz gleich-mässig lang ausgehaltenen Noten bewegte(Cantus planus oder Cantus choralis), rich-tiger aber ausgedrückt nach Ambros a. a.O. 59 darin, dass der ambrosianische Ge-sang wesentlich auf der poetischen, dergregorianische auf der musikalischen Me-trik beruhte. Ein Hauptverdienst um denKirchengesang erwarb sich Gregor durchdie Gründung einer römischen Sänger-schule, welcher er die nöthigen Ein-künfte sicherte und zwei Gebäude ein-räumte, das eine ,sub gradibus basilicaePetri apostoli 1 , das andere ,sub Latera-nensis patriarchii domibus 1 ( Ioan. Diac.Vita s. Gregor. II 6). ln diese Schulewurden Subdiakonen, Loctoren und an-dere Kleriker ordinis inferioris aufgenom-nien, ebenso Knaben zarten Alters, beson-ders gerne Waisenknaben, weshalb nach■Anastas. Bibi. In vita Sergii II die Sänger-Schule geradehin auch Orphanotrophiumgenannt wurde. Wer Priester werdenwollte, musste zu Gregors Zeit im Gesangwohl unterrichtet sein; solange aber einKleriker die Sängerschule frequentirte,sollte er keine höhere Weihe als die desoubdiakonats empfangen, um sich destoungestörter seiner musikalischen Ausbil-dung hingeben zu können. Kleriker, indieser Schule gebildet, wurden den ein-zelnen Gemeinden zugeschickt, um dort+ 6n Kirchengesang zu lehren und zu lei-ten ( Gerbert 1. c.; Ioan. Diac. 1. c.). Gre-gor richtete selbst die Singschule ein, ord-nete den Unterricht und wohnte, persön-ich lehrend, den Schulstunden bei. Jo-annes Diaconus bezeugt, dass man nochzu seiner Zeit das Ruhebett (lectus) sah,° n ,deni aus Gregor sich am Gesang bo-eihgte, sowie die Geissei (flagcllum),omit er die unaufmerksamen Knaben be-
drohte. Die gregorianische Sängerschulewurde eine Zeit lang in Folge politischerVerhältnisse sistirt, doch bald wieder er-öffnet und diente späteren Schulen glei-cher Art als Muster. Zu den letzteren,an denen der gregorianische Gesang mitSorgfalt gepflegt wurde, gehörten die Sän-gerschulen, welche durch die von Gregorabgesandten Missionäre in England(Kent, Nortliumberland, Kloster Were-mouth etc.) angebahnt und von nachfol-genden Bischöfen gefördert wurden. InEngland treffen wir auch im 7. Jalirli. dennach Papst Vitalian (657—672) genann-ten Kirchengesang, der übrigens nur eineModification des gregorianischen war undsich einige Jahrhunderte lang eine Stelleim römischen Kirchengesang zu bewahrenwusste. Die bei diesem Gesang mitwir-kenden Knaben wurden in dem sog. Par-visium verpflegt und Pueri symphoniaci (imChor bereits mit einstimmendo Knaben)genannt, wie die nach der vitalianischenMethode Singenden überhaupt Vitalianihiessen ( Ambros a. a. 0. 63). In D e u t s c h-land gründete Bonifatius, der Apostel derDeutschen, an den Bischofssitzen Sän-ge r sch ul e'n nach römischem Vorbilde,so in Fulda, Würzburg und Eich-stätt. In Frankreich konnte erst un-ter Pipin durch den römischen SängerSimeon die S ä n g e r s c h u 1 e von Rheimsgegründet und der gregorianische Gesangverbreitet werden ( Gerbert 1 . c. I 267;Forkel a. a. 0. II 206). Nebenzu machtesich aber immer noch der auch nach Spa-nien verbreitete Cantus gallicanus, einfa-cher als der gregorianische Gesang unddem ambrosianischen ähnlicher ( Gerbert1. c. I 263—268), geltend. Da trat Karld. Gr. mit aller Entschiedenheit für dengregorianischen Gesang ein und suchtedenselben ausschliesslich in seinem Reicheeinzuführen. Karl* selbst Freund undKenner des Gesanges, hatte eine eigeneHofsingschule, war sehr oft bei derenUebungen gegenwärtig, half selbst mit zuunterrichten, prüfte die Schüler etc. Erliess Singlehrer aus Rom kommen undübergab ihnen die von ihm gegründetenSängerschulen von Metz und Soissons,von denen besonders die erstere mit ihrenweithin verbreiteten Cantus Mettenses ingrösstem Ansehen stand. Zugleich bestandKarl darauf, dass alle Bischöfe und Aebteseiner Lande ähnliche Singschulen anlegensollten, worin, wie dort, der reine gre-gorianische Kirchengesang gelehrt würde(Coli. Conc. Germ. ap. Hartzheim Constit.de scholis per singula episc. et monast.instituendis). Auch das Capitul. Domin.von Thionville (805) n. 11 verordnet, ,utcantus discatur et secundum ordinem et