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Sarkophage.
durchgehends solche, die auf den heid-nischen wiederzukehren pflegen, ohne ir-gend welche spezifisch christliche Bilderoder auch nur Merkmale. Es erklärt sichdas daraus, dass die Gläubigen der erstenJahrhunderte genöthigt waren, ihre S. inden Werkstätten heidnischer Bildhauerzu kaufen. Zwar hat es sicherlich seitdem zweiten Jahrhundert auch christlicheSculpturen gegeben, allein da die Werk-stätten offen und Jedermann zugänglichwaren, so konnten auch sie nicht, ohnesich zu verrathen, christliche Bilder inden Stein aushauen. Trotzdem nun sodie älteren S. unserer Katakomben gröss-tentheils heidnischen Ursprungs sind, sosehen wir doch von den Christen durch-gehends solche Särge gewählt, auf denenein ausgeprägt heidnischer Charakternicht hervortritt; vielmehr gaben siesolchen den Yorzug, deren Sculpturenrein ornamental waren, oder wo sie denDarstellungen irgend welche allgemeinmenschliche oder symbolisch christlicheBeziehung geben konnten. So lag in denScenen der Weinlese der Hinweis auf denTag nahe, wo wir die im Dienste Gottesgewonnenen Früchte unserer Arbeit ern-ten ; in den vier Jahreszeiten sah mannicht nur ein Bild unseres wandelbarenDaseins, sondern sie erinnerten auch anjenen ewigen Frühling, der dem wechsel-vollen Leben hienieden folgt; die Bilderaus dem Ilirtenleben wiesen hin auf denguten Hirten, die Fische auf die Taufeund den geheimnissvollen Ichthys u. s. w.Christliche Deutung wussten die Gläubigenauch manchen mythologischen Scenen zugeben, z. B. der auf zwei Sarkophagenin S. Callisto vorkommenden Darstellungder Seefahrt des Odysseus an den Sirenenvorüber, und dem Orpheus, den wir aufeinem Sarkophag des lateranensischen Mu-seums begegnen. Manchmal freilich habensich die Gläubigen in der Nothwendigkeitgesehen, S. mit ausgesprochen heidnischenDarstellungen zu kaufen, besonders umsich in Zeiten der Verfolgung nicht alsChristen zu verrathen. Allein dann sinddiese Sculpturen mit Kalk überdeckt, oderabgeschlagen, oder gegen die Innenwandder Grabnische gestellt worden (R. S. I341. 353). Letzteres war z. B. geschehenbei dem Sarkophag einer Irena (R. S. I,tav. XXX 8 ), wo die mit einer bacclii-schen Scene geschmückte Vorderseite nachder Wand, die nicht bearbeitete Rückseiteaber nach vorne ge'kehrt und dort aufdem Deckel die Inschrift angebracht wor-den war.
Wenn nun aber auch die ältesten S. un-serer Katakomben in ihren Sculpturenchristliche Darstellungen nicht aufweisen,
so wusste die fromme Erfindungsgabe derersten Gläubigen doch auch so der Ruhe-stätte ihrer Lieben das christliche Siegelaufzudrücken. Dazu bot zunächst die fürdie Inschrift offen gelassene Tafel Raum,wo nicht nur der Text durch die spezi-fisch christliche Acclamation ,Pax tecurn 1oder ,In pace‘ den Verstorbenen als Kindder Kirche bezeichnete, sondern wo manauch ausser der Inschrift christliche Bilderund Symbole in Graffiten eingrub. Einenanschaulichen Beweis dafür liefert unsder Sarkophag der Livia Primitiva mitdem Bildnisse des guten Hirten, demFisch und dem Anker, die unterhalb derInschrift in den Marmor eingravirt sind.Auf einem andern Sarkophag finden wirunter der Grabschrift eine Taube ein-geritzt (R. S. II, tav. XLVI 8 ). Nichtminder erkannte das in die Geheimzeicheneingeweihte Auge, wenn es einen Ankergravirt fand (tav. XLV ’), oder z. B.den Namen der Lollia unter den Armender das Kreuz symbolisirenden Harpunelas, die christliche Idee heraus, dass dieVerstorbenen im Glauben an Christus undin der Hoffnung auf die dereinstige Auf-erstehung hinübergegangen seien. (In dieseKategorie möchte de Rossi auch den mitdem Monogramm des Tyranius versehenenSarkophag setzen, wo die Buchstaben sozusammengestellt sind, dass eine Cruxdissimulata herauskommt [tav. XXX 5 ].Allein wesentlich dieselbe Form des Mono-gramms findet sich auf einer Münze desDemetrius Nicator [ 145 v. Chr.] für dieStadt Tyrus, von deren Namen der desTyranius Ableitung ist [s. Wieseler Denkm.d. alt. Kunst I, n. 241].) Es konnte end-lich nicht ausbleiben, dass heidnischeBildhauer auf ihren Sarkophagen aus Spe-culation besonders solche Scenen anbracli-ten, denen die Christen erfahrungsgemässden Vorzug gaben. Natürlich merkt mander Arbeit den nichtchristlichen Ur-sprung an; der gute Hirt ist z. B. einganz gewöhnlicher Hirt der Campagna,mit plumpen Zügen und struppigem Bart,ganz verschieden von der edeln, jugend-lichen Darstellung desselben auf den Ge-mälden der Katakomben und auf denchristlichen Sculpturen (vgl. R. S. I 353).
Unter den Sarkophagen mit entschiedenchristlichen Sculpturen könnte wegen derguten Arbeit der eine oder andere nochder vorconstantinisclien Zeit und demdritten Jahrhundert angehören, allein esbegreift sich, dass sich hier eine bestimmteBehauptung nicht aufstellen lässt, woanderweitige Anhaltspunkte für die Chro-nologie fehlen. Der bei weitem aller-grösste Tlieil der mit biblischem Bildwerkgeschmückten Särge gehört ohne Frage